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Schneeweißchen und Rosentot (Hörbuch)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 24. Juli 2008

Schneeweißchen und Rosentot

Gelesen von: Sandra Borgmann
Originaltitel: A Field of Darkness
Art der Lesung: gekürzt
Medienanzahl: 2 CDs

Erschienen: Juni 2008
ISBN: 978-3-455-30569-2
Preis: 12,00 EUR
Inhalt
4.0
Sprecher
6.0
Bearbeitung
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
5.6

Wertung:
5.6
von 10
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Zum Inhalt:

Madeline Dare lebt in der recht langweiligen amerikanischen Kleinstadt Syracuse, wo sie bei der Lokalzeitung arbeitet. Als sie von einem fast zwanzig Jahre zurückliegenden Mord an zwei Mädchen erfährt und eine mögliche Verbindung zu ihrer eigenen Familie entdeckt, lässt ihr das keine Ruhe. Sie beginnt nachzuforschen, doch das bleibt nicht ohne Folgen. Weitere bizarre Morde geschehen. Schnell wird klar: Der Mörder inszeniert seine Opfer wie Illustrationen zu Märchen und Mythen ...

Meinung:

Cornelia Reads Debütroman erregte in Amerika unter anderem dafür Aufsehen, dass er für mehrere Literaturpreise nominiert wurde. Mit der Hörbuchversion liegt nun die gekürzte Fassung von "Schneeweißchen und Rosentot" vor. Gelesen wird die Geschichte von der Schauspielerin Sandra Borgmann, die im Jahr 2004 als beste Schauspielerin in einer Nebenrolle für den Deutschen Filmpreis nominiert war.

In "Schneeweißchen und Rosentot" wird die Geschichte von Madeline Dare erzählt. Die junge Frau lebt mit ihrem Mann in seiner Heimatstadt Syracuse und sie ist dort sehr unglücklich. Nur in Gegenwart ihres Gatten Dean findet sie die Stadt erträglich, doch der muss regelmäßig für seine Arbeit bei der Eisenbahn verreisen. Da tröstet es Madeline auch nicht, dass sie einen recht angenehmen Job bei der örtlichen Zeitung gefunden hat.

Bei einem Mittagessen bei den Schwiegereltern berichtet Deans Vater der Journalistin von einem fast zwanzig Jahre alten Mord an zwei jungen Frauen auf der Nachbarfarm. Er zeigt Madeline eine Erkennungsmarke der Armee, die er am Tatort gefunden und nie der Polizei übergeben hatte. Zu ihrem großen Entsetzen sieht Madeline auf der Marke den Namen ihres Lieblingscousins Lapthorne Townsend. Um sich selbst zu beweisen, dass dieser mit den Morden nichts zu tun haben kann, beginnt sie in dem alten Mordfall zu recherchieren.

Cornelia Reads Roman überzeugt vor allem durch die detaillierten Beobachtungen, die die Autorin dort niedergeschrieben hat. Ihre teils zynischen teils liebevollen Charakterisierungen prägen die Geschichte ebenso wie ihre amüsanten Dialoge. "Schneeweißchen und Rosentot" überzeugt weniger durch einen ausgefeilten Kriminalfall als durch die Unterschiede zwischen der Oberschichtfamilie, aus der Madeline stammt, und ihrem Alltag als berufstätige Ehefrau, die zusammen mit ihrem Mann versucht, aus ihrem geringen Einkommen das Beste zu machen.

Für die junge Frau ist dieser Spagat zwischen ihrer Herkunft, die sich - obwohl sie aus dem verarmten Teil der Familie stammt - nicht verleugnen lässt, und ihren Freunden, die gerade so zum Mittelstand gezählt werden können, nicht gerade einfach. Auch bei ihren Verwandten bekommt sie keinen nennenswerten Rückhalt, sondern eher Verachtung für die armen Angehörigen zu spüren. Und doch bietet gerade dies die Voraussetzung für einige bissige und witzige Szenen, die die Geschichte sehr unterhaltsam machen.

Das Problem bei der vorliegenden Hörbuch-Version ist, dass durch die Kürzungen nicht nur sehr viele dieser kleinen Szenen und Dialoge verloren gegangen sind, die so sehr zu Stimmung des Buches beigetragen haben. Auch die meisten Hinweise, die für die Lösung des Kriminalfalls notwendig gewesen wären, bekommt der Hörer gar nicht oder nur in Kurzfassung präsentiert. Im Buch ist es in Ordnung, wenn Madeline ihren Kollegen und Freunden kurz zusammenfasst, was sie herausgefunden hat, aber für den Hörer bedeutet dies eine wesentliche Verringerung des Hörgenusses.

Auch führen die Kürzungen manchmal dazu, dass es eine Weile braucht, bis der Hörer überhaupt bemerkt, dass sich seit der letzten Szene Ort und Zeit geändert haben. Im einen Moment sind Madeline und ihr Mann noch mittags bei seinen Eltern und im nächsten befinden sie sich abends bei sich zuhause. Das sind keine relevanten Veränderungen, aber sie irritieren den Hörer unnötigerweise.

Doch das Schlimmste ist der Wegfall aller spannende Szenen - vom Höhepunkt am Ende der Erzählung mal abgesehen. Den Großteil der Geschichte plätschert das Geschehen so vor sich hin, es geht eher um Madeline, ihre Leben und ihre Gefühle als um den Fall. Dann aber macht sie sich zum Beispiel mit ihrer Freundin Ellis auf, um einen vermutlicherweise verdächtigen Expolizisten in einer Kneipe auszuhorchen. Im Buch wird es hier für Madeline recht unangenehm, doch im Hörbuch werden genau diese Szenen übersprungen und der Hörer steigt erst am nächsten Morgen wieder in die Geschichte ein.

Ein solcher Umgang mit einem ursprünglich sehr unterhaltsamen Roman ist für den Hörer frustrierend und überaus unbefriedigend. Nicht nur im direkten Vergleich fehlt der Geschichte eine Menge. Die Hörbuch-Version kann durch die vielen Sprünge und Lücken einfach nicht begeistern. Auch die fehlenden Hinweise, die zur Lösung des Falles beigetragen hätten, machen das Hörbuch nur schlechter. So hat der Hörer weder eine unterhaltsame Erzählung voller spritziger Dialoge und liebevoll beschriebener Details noch die Möglichkeit, über den Kriminalfall bei der Stange gehalten zu werden. Man würde sich wirklich wünschen, dass sich der Verlag die Mühe gemacht hätte, etwas mehr Zeit in die Überarbeitung zu stecken und dem geneigten Hörer vielleicht ein oder zwei CDs mehr spendiert hätte, um sich an Cornelia Reads Debüt als Autorin zu erfreuen.

Obwohl die Sprecherin nicht so viel älter ist als die Figur, die sie in diesem Hörbuch verkörpert, wirkt ihre Stimme wesentlich reifer. Auch wenn Madeline durch ihre Familiengeschichte und das Leben in Syracuse recht zynisch und desillusioniert wirkt, verleiht Sandra Borgmann - besonders zu Beginn von "Schneeweißchen und Rosentot" - der Figur einen zu harten Unterton. So kommen weder Madelines unsichere noch ihre lebenslustige Seite recht zur Geltung. Erst im Laufe der Geschichte wächst die Sprecherin in die Rolle hinein und passt dann ihre Stimme recht gut dem vielseitigen Charakter der Hauptfigur an.

Fazit:

Es gibt eine Menge Romane, die durch eine gekürzte Hörbuch-Version sogar an Qualität gewinnen. "Schneeweißchen und Rosentot" gehört leider nicht dazu. Cornelia Reads Roman wurde durch die radikalen Kürzungen all der Dinge beraubt, die das Buch so unterhaltsam gemacht haben. Der Hörer bekommt eine Geschichte voller Orts- und Zeitsprünge präsentiert, bei der die meisten spannenden Szenen fehlen und bei der sogar die viele Hinweise zur Lösung des Kriminalfalls weggelassen wurden. Wer neugierig auf Cornelia Reads Debüt als Autorin ist, dem sei auf jedem Fall geraten, den Roman selbst zu lesen, statt sich Madeline Dares Abenteuer vorlesen zu lassen.
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