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Nevada-Gas (Hörbuch)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 14. Mai 2010

Nevada-Gas

Gelesen von: Günter Lamprecht
Originaltitel: Nevada Gas
Art der Lesung: ungekürzt
Medienanzahl: 2 CDs

Label: Diogenes
Erschienen: April 2009
ISBN: 978-3-257-80250-4
Preis: 14,90 EUR
Inhalt
6.0
Sprecher
5.0
Bearbeitung
7.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
5.9

Wertung:
5.9
von 10
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Zum Inhalt:

Nach einem Squash-Match mit einem seiner Angestellten steigt Hugo Candless, ein reicher und mächtiger Anwalt aus Los Angeles, vor dem Delmar Club in seine Limousine. Als die Luft stickig wird und er das Fenster aufmachen will, lässt es sich nicht herunterkurbeln. Der Fahrer reagiert nicht. Und an den Wagentüren fehlen innen die Türgriffe. Gleichzeitig erfüllt ein Geruch nach Bittermandeln den Wagen - es ist das Gas, mit dem in Nevada die Verbrecher hingerichtet werden. Eine rasante Story um Zocker, Gangster und eine Femme fatale.

Meinung:

Mit "Nevada-Gas" veröffentlicht der Diogenes-Verlag anlässlich Raymond Chandlers fünfzigstem Todestag eine der kürzeren - und weniger bekannten - Geschichten des Autors. Gleich zu Beginn muss der Hörer miterleben, wie der unsympathische Anwalt Hugo Candless nach einem Squash-Spiel mit seinem Angstellten George Dial auf dem Heimweg in seiner Limousine vergast wird. Auch der Spieler Johnny de Ruse findet sich kurz darauf in dem Wagen mit der tödlichen Gasleitung wieder, und ihm gelingt es nur knapp, dem drohenden Tod zu entkommen.

Schnell ist ihm klar, dass hinter diesem Mordversuch "Mops" Parisi stecken muss, ein Gangster aus Reno, den Johnny gerade erst an die Polizei verraten hat. Denn dessen Geschäfte hatten inzwischen die Grenze überschritten, die der Glücksspieler noch hatte tolerieren können. Um sein Leben zu retten, versucht de Ruse, nicht nur Parisi und seine Komplizen ausfindig zu machen, sondern auch mehr über die tödliche Limousine zu erfahren - und stößt so auf Verbindungen, die zu Hugo Candless führen.

"Nevada-Gas" ist eine der ersten Geschichten, die Raymond Chandler in dem Pulp-Magazin "Black Mask" veröffentlichen konnte. So ist es kein Wunder, dass der Autor mit diesem Krimi noch nicht die Qualität seiner späteren Werke erreichte. Doch auch diese Erzählung rund um den Spieler Johny de Ruse, der auf eigene Faust versucht, den Mordanschlag auf sich sowie andere Verbrechen aufzuklären, trägt schon typische Züge einer Raymond-Chandler-Geschichte. So kommt der Hörer immer wieder in den Genuss der trockenen und pointierten Dialoge und des ganz eigenen Rhythmus, der die Erzählweise dieses Autors ausmacht.

Leider gelingt es Günter Lamprecht nicht, diese spezielle Erzählweise auch wirklich überzeugend vorzutragen. Der bekannte Schauspieler hat zwar eine tiefe, raue und überaus angenehme Stimme, die die Atmosphäre der Geschichte unterstreicht, aber häufig vernuschelt er Namen oder gar ganze Sätze und so fällt es schwer, der Handlung aufmerksam zu folgen. An einigen Stellen muss man sogar zurückspulen, weil man wichtige Informationen verpasst hat, die aufgrund der unklaren Aussprache nicht verständlich waren.

Noch unangenehmer ist es, dass der Sprecher die Betonung auf Satzpassagen legt, deren Gewichtung eher nebensächlich ist. Ein "Er sagt" ist nicht so wichtig wie der Teil des Satzes, in dem der Hörer erfährt, was genau die Person nun gesagt hat. Auch nimmt man Günter Lamprechts Vortrag die im Text beschriebenen Gefühle nicht ab. Eine aufgeregte Bemerkung wird von ihm genauso emotionslos vorgetragen wie das von Untertönen durchzogene Geplänkel zwischen Johnny de Ruse und seiner Geliebten. So fällt es einem doch etwas schwer, die ansonsten spannende und unterhaltsame Geschichte zu verfolgen.

Leider lässt sich nicht feststellen, ob die hier und da ein wenig gestaucht wirkende Vortragsweise auf den Sprecher oder den Schnitt zurückzuführen ist, aber auch hier wünscht man sich eine etwas liebevollere Bearbeitung der Geschichte. Immerhin muss man anerkennen, dass der Diogenes-Verlag mit diesem Hörbuch die ungekürzte Version von "Nevada-Gas" (allerdings in der Übersetzung von Hans Wollschläger) präsentiert. Wer eine typischere Chandler-Geschichte mit einem Günter Lamprecht in deutlich besserer Form genießen will, sollte aber lieber zu dem Hörbuch "Spanisches Blut" greifen, das zeitgleich veröffentlicht wurde.

Fazit:

Anlässlich des fünfzigsten Todestages von Raymond Chandler bietet der Diogenes-Verlag mit "Nevada-Gas" eine der nicht so bekannten Erzählungen des Kriminalschriftstellers als Hörbuchveröffentlichung an. Obwohl man erkennen kann, dass dies eine recht frühe Geschichte des Autors ist und er seinen unverkennbaren Stil zu dieser Zeit noch nicht ganz gefunden hatte, kann sich der Hörer an den gelungenen Dialogen und typischen Charakteren erfreuen. Weniger angenehm ist die Leistung des Sprechers Günter Lamprecht, dessen Vortrag zum Teil so unverständlich ist, dass man zurückspulen muss, um dann die Aussage aus dem Zusammenhang zu filtern. Auch seine Aussprache der Namen und die unpassende Betonung der Emotionen führen dazu, dass dieses Hörbuch leider kein so großes Vergnügen bietet, wie man es von einem Chandler-Text hätte erwarten können.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
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