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Hellboy: Saat der Zerstörung (Hörspiel)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Horror
Geschrieben von Manuel Tants   
Dienstag, 17. März 2009

Hellboy: Saat der Zerstörung

Originaltitel: Mike Mignola's Hellboy: Seed of Destruction
Art der Lesung: Hörspiel
Medienanzahl: 2

Reihe: Hellboy
1. & 2. Teil der Reihe

Label: LAUSCH
Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-939600-47-3 (Teil 1) & 978-3-939600-48-0 (Teil 2)
Preis: 2 x 8,95 EUR
Inhalt
8.0
Sprecher
8.0
Bearbeitung
7.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
7.6

Wertung:
7.6
von 10
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Zum Inhalt:

Im Winter des Jahres 1944 versuchen die Nazis der drohenden Kriegsniederlage zu entgehen, indem sie mit Hilfe eines Magiers ein Bündnis mit den Mächten der Finsternis schließen. Doch die grausamen Pläne scheitern und der herbeigerufene Abgesandte der Hölle landet bei den Alliierten. Als Ermittler der B.U.A.P. ("Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen") trifft Hellboy ein halbes Jahrhundert später auf den Mann, der ihn einst heraufbeschwor und ihn nun endgültig für seine apokalyptischen Pläne einsetzen will ...

Meinung:

Die aufstrebende Hörspielschmiede "Lausch" aus Hamburg hat sich im Fantasy-, Horror- und Mystery-Sektor bereits mit Lizenz- und Eigenproduktionen wie "Die Schwarze Sonne", "Drizzt", "Caine" und "B.Ö.S.E." einen Namen gemacht. Mit der Hörspiel-Adaption der "Hellboy"-Comics von Mike Mignola wagt sich das 2006 von Günther Merlau und Janet Sunjic gegründete Unternehmen nun an eine weitere ambitionierte Lizenz-Umsetzung heran. "Saat der Zerstörung", das erste Abenteuer des Geisterjägers aus der Hölle, ist nun als Audiofassung erschienen, die man auf zwei separat zum Verkauf stehenden CDs im Handel erhält.

Wie die Macher betonen, sollen die Hör-Abenteuer kein Merchandising-Produkt zu den "Hellboy"-Kinofilmen darstellen. Stattdessen berufen sich die Adaptionen ganz klar auf die Comic-Vorlage. Als Sprecher der Hauptfiguren konnten dennoch die Original-Synchronstimmen gewonnen werden, die auch in den Filmen zum Einsatz kamen. Hier überzeugt vor allem Tilo Schmitz in der Rolle des Titelhelden, dessen tiefe Stimme die entsprechende Pulp-Atmosphäre mühelos vermittelt. Auch die Sprecher von Abe Sapien (Joachim Tennstedt), Liz Sherman (Ranja Bonalana) und ganz besonders des Schurken Rasputin (Michael Prelle) verkörpern ihre Rollen charismatisch und mit viel Leidenschaft.

Für die zum Teil neu hinzugeschriebenen Nebenrollen wurden allerdings auch einige Sprecher verpflichtet, deren Leistung nicht an das Niveau der bekannten Profis heranreicht. Besonders negativ fällt hier Gerd Samariter auf, der mitunter etwas unsauber artikuliert und Professor Trevor "Broom" Bruttenholm obendrein als unangebracht zerstreut darstellt. Zudem trüben kleinere Patzer den ansonsten insgesamt sehr guten Regie-Eindruck: Beispielsweise wird die deutsche Abkürzung "B.U.A.P." (im US-Original heißt die Behörde "B.P.R.D.") hier konsequent "Bi Ju Äi Pi" ausgesprochen. Gerade für Kenner der Materie ist das sehr irritierend.

Die Handlung orientiert sich sehr eng an der Vorlage und viele Dialoge wurden fast wortgleich aus dem Comic übernommen - gerade im Falle von "Saat der Zerstörung" bietet sich das allerdings auch an, denn es handelt sich hier um die einzige Hellboy-Geschichte, in der der Held als Ich-Erzähler im Stil einer hard boiled novel auftritt. Wenn das von Robert Schlunze erstellte Spielbuch dann doch einmal vom Original abweicht, hat das in der Regel einen guten Grund. So werden ausführliche, monologische Schilderungen von Hintergrundinformationen des Comics beispielsweise nach Möglichkeit in Spielszenen umgesetzt, wodurch die Aufmerksamkeit des Hörers stets erhalten bleibt. Auch einige neu hinzugefügte Szenen, die vor allem auf CD 2 zu finden sind, bereichern die Erzählung und bereiten gleichzeitig sehr elegant einige noch kommende Ereignisse vor.

Auch die Soundeffekte sowie die von Regisseur Günther Merlau komponierte und vom Hamburger Hörspiel-Orchester eingespielte Musik sind qualitativ hochwertig und unterstreichen die Situationen äußerst passend. Die Track-Einteilung der CDs ist aber, besonders bei Teil 1, ein wenig unausgewogen geraten: Manche Abschnitte dauern weniger als eine Minute, andere jedoch eine gute Viertelstunde. Beide CDs sind etwas teurer als vergleichbare Hörspiele anderer Verlage, bieten dafür aber immerhin auch eine Spieldauer von jeweils deutlich über 60 Minuten.

Trotz der eigentlich geplanten Abkehr von den Hellboy-Kinostreifen und der angestrebten Hinwendung zu den Comics bewegt sich das Hörspiel übrigens deutlich im Revier der Filme. Das liegt vor allem daran, dass die oberflächliche Actionlastigkeit der Hollywood-Produktion auch auf die hier umgesetzte Comic-Handlung übertragen wurde und die lakonischen Einzeiler des Titelhelden im Hörspiel wesentlich zahlreicher sind als im Comic. Platte Sprüche wie "Abe, du alter Rollmops" oder Kommentare zum Mundgeruch eines Monsters hätte Mike Mignola zudem niemals verwendet. Ein weiteres aus den Filmen übernommenes Element sorgt darüber hinaus auch inhaltlich für (wenngleich minimale) Schwierigkeiten: Hellboy erzählt im Intro, die Behörde halte seine Existenz geheim - das ist in der Comic-Vorlage jedoch nicht der Fall. So muss in der folgenden Geschichte eine fadenscheinige Ausnahmeregel konstruiert werden, damit der paranormale Ermittler offen auftreten kann.

Fazit:

Obwohl das Lausch-Team sich bewusst von den "Hellboy"-Filmen distanzieren und stattdessen nach eigener Aussage "mehr von Mignolas Geschichte" erzählen will, sprechen die beiden Teile des Hörspiels "Saat der Zerstörung" doch in gewisser Weise mehr die Kinogänger als die Comic-Kenner an. Denn mitunter wird hier ein wenig zu sehr auf die Coolness des Helden gesetzt, und einige inhaltliche Übernahmen aus der Film-Version wären auch unnötig gewesen. Abgesehen von diesen Kritikpunkten, die wohl nur den überzeugtesten Comic-Puristen wirklich negativ aufstoßen werden, bieten die beiden separat erhältlichen CDs jedoch ein dramaturgisch äußerst gekonnt aufbereitetes Hörspiel-Abenteuer, das inhaltlich der Comic-Vorlage durchaus gerecht wird. Den überwiegend hervorragenden Sprechern, unter denen vor allem Tilo Schmitz als Titelfigur und Michael Prelle als sein Widersacher Rasputin brillieren, hört man sowieso gerne bei der Arbeit zu. Lediglich einige Nebenrollen wurden etwas unglücklich besetzt.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
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