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Das Wörterbuch der Liebenden  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Jana Witte   
Montag, 27. September 2010

Das Wörterbuch der Liebenden

Gelesen von: Andreas Steinhöfel
Originaltitel: The Lover's Dictionary
Art der Lesung: ungekürzt
Medienanzahl: 2 CDs

Untergenre: Liebe und Romantik
Erschienen: August 2010
ISBN: 978-3-89903-243-7
Preis: 19,95 EUR
Inhalt
8.0
Sprecher
8.0
Bearbeitung
7.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
7.6

Wertung:
7.6
von 10
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Zum Inhalt:

Von A wie atemberaubend bis Z wie Zenit - was liegt näher, als die Liebe enzyklopädisch zu erzählen? Diese poetische Manhattan-Love-Story in ungewöhnlicher, verspielter Lexikon-Form ist ein Herzensbuch für jeden, der verliebt ist oder sich verlieben möchte. Jeder Eintrag erzählt einen Schritt der Annäherung, der größer werdenden Nähe, aber damit auch der Verletzlichkeit. Literarisch raffiniert und romantisch, frisch und modern fängt es die alltäglichen Gefühlsstürme der Liebe ein - in der einzigen Gewissheit, dass Liebe nun mal das Flüchtigste auf der Welt ist.

Meinung:

Der 1972 geborene David Levithan ist ein begabter Autor und hat bereits etliche Erzählungen und Romane veröffentlicht. In Deutschland dürften vor allem sein auch verfilmtes Buch "Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht" einem breiteren Publikum bekannt sein. Zugleich in Buch- und in Hörbuchform ist nun "Das Wörterbuch der Liebenden" in der Übersetzung des namhaften deutschen Jugendbuchautors Andreas Steinhöfel erschienen, der diesen Roman für Hörbuch Hamburg auch eingelesen hat.

In diesem neuen Werk präsentiert David Levithan ein Kaleidoskop an Gefühlen, Erinnerungen, Gesprächsfetzen und philosophischen Gedanken. Dabei erzählt er keine Geschichte im herkömmlichen Sinne, sondern setzt mosaikartig Texte zusammen, die in ihrer Gesamtheit ein romanhaftes Bild einer Beziehung ergeben. Man fühlt sich an einen Arrangeur erinnert, der die Stimmen verschiedener Instrumente zu einem Klang vereint.

David Levithan hat dabei auch die chronologische Ordnung einer Erzählung zugunsten des Wörterbuchcharakters aufgegeben. Er beleuchtet die Beziehung vielmehr in überschaubaren knappen Texten, die rein alphabetischen Schlagworten folgen. Dass dabei Wörter wie "atemberaubend", "Liebe", "verblassen" inhaltlich umgesetzt werden, überrascht nicht. Aber es finden sich auch Begriffe wie "elliptisch", "Hunger", "schnell", die den Ich-Erzähler monologartig erinnern und assoziieren lassen.

Konsequent beschränkt David Levithan diesen Erzähler zudem auf das Wort "du" und auch die Geschlechter werden nicht ausdrücklich zugeordnet. Dieser Anonymisierung stehen die emotionalen und sehr persönlichen Schilderungen des Ich-Erzählers entgegen. Es sind die alphabetisch geordneten Momentaufnahmen, die zwar nicht linear von der Beziehung erzählen, aber doch Stück für Stück ihr Gesamtbild ergeben. So kann man einen Blick auf das Kennenlernen unter "c" wie "community" erhaschen, wohingegen sich sowohl "b" wie "breathtaking" als auch "e" wie "elliptical" mit Intimität befassen.

Allerdings birgt die hier vorgenommene 1:1 Umsetzung des lexikalischen Romans in das Hörbuchformat Risiken, denn man hat nicht wie bei einem Buch die prägnanten Texte vor Augen. Und während ein Leser nach einigen Begriffen das Buch einmal zur Seite legen wird, um die Schilderungen nachwirken zu lassen, nimmt der Hörer nur die von kurzen Pausen unterbrochenen Texte wahr.

Natürlich kann man sich immer für Unterbrechungen entscheiden. Aber bei der Adaption dieses Buches mit den kurzen Passagen wären musikalische Einspielungen, zumindest vor Beginn eines neuen Buchstabens, wünschenswert gewesen. Sie hätten dem Hörer Zeit zum Aufnehmen und Reflektieren der vorangegangenen Episoden gelassen und hätten auch mit Andreas Steinhöfels einfühlsamer Interpretation harmoniert. Dem Sprecher bereitet es kaum Mühe, den Ich-Erzähler und seine Emotionen zum Leben zu erwecken. Zwar wünscht man sich, dass besonders die Lesung der zornigen, verletzten Einträge mit noch mehr emotionalem Nachdruck erfolgen würde, insgesamt ist Andreas Steinhöfels Leistung aber stimmig.

Fazit:

David Levithan erzählt in "Das Wörterbuch der Liebenden" in ungewöhnlicher Weise von einer Beziehung, indem er einen namenlosen Ich-Erzähler in kurzen Textpassagen Gedanken und Empfindungen offenbaren lässt. Statt einer chronologischen Abfolge hat der Autor stilistisch eine lexikalische Form gewählt, die ohne weitere Anpassung für das vorliegende Hörbuch adaptiert wurde. Hierdurch wird redaktionell kaum Gelegenheit zum Innehalten gegeben, was in der Erinnerung des Hörers zu einem Ineinanderfließen der kurzen poetischen Texte führt. Andreas Steinhöfels stimmige Interpretation sorgt allerdings dafür, dass das aus Gedanken und Empfindungen des Ich-Erzählers gewebte Bild auch in der Hörbuchfassung nachwirkt.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
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