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Mafia  Drucken E-Mail
Bcher: Sachbuch Kultur & Zeitgeschehen
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 15. Juni 2010

Mafia - Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern

Verlag: Knaur
Erschienen: November 2009
ISBN: 978-3-426-78162-3
Preis: 9,95 EUR

352 Seiten
Inhalt
2.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
2.6

Wertung:
2.6
von 10
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Zum Inhalt:

Die Morde von Duisburg haben eine unbequeme Wahrheit ans Licht gebracht: Die italienische Mafia hat ihre Tentakel lngst nach Deutschland ausgestreckt. Weltweit perfekt organisiert, ist sie eine Gefahr fr Staat und Gesellschaft, die von deutschen Politikern und Sicherheitskrften allzu lange unterschtzt wurde. Petra Reski, exzellente Italien-Kennerin, enthllt in ihrer Spurensuche in Sachen "ehrenwerte Gesellschaft" Verblffendes ber ein ganz und gar nicht rein italienisches Phnomen.

Meinung:

Die vielfach ausgezeichnete Journalistin und Autorin Petra Reski lebt seit vielen Jahren in Venedig und hat sich einen Ruf als Italien-Kennerin erarbeitet. Zu ihren Verffentlichungen gehren auch einige Artikel ber die Mafia und die Hintergrnde der verschiedenen Organisationen, die sich hinter diesem allgemeinen Begriff verbergen. Mit "Mafia - Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern" prsentiert Petra Reski dem Leser eine Mischung aus Reisebericht, Erinnerungen an Situationen whrend ihrer Recherchearbeit und Fakten ber die 'Ndrangheta, die Cosa Nostra und die Camorra.

Als Aufhnger fr die erzhlten Elemente dient der Autorin eine Kurzreise nach Palermo, wo sie sich mit der befreundeten Fotografin Shobha trifft. Die beiden Frauen wollen einen Artikel ber Shobhas Mutter, die Mafia-Fotografin Letizia Battaglia, verfassen und so kann der Leser die Planung beim gemeinsamen Abendessen, den Fototermin und das Interview am nchsten Tag verfolgen. Dabei nutzt Petra Reski den Anblick eines Gartenstuhls, eine Szene vor dem Justizpalast oder einen Zeitungsartikel, um ihre Erinnerungen an Gesprche mit zum Teil bergelaufenen Mafiosi in das Buch einzuflechten oder Daten und Fakten aufzufhren.

Immer wieder schwingt in "Mafia" mit, dass sich die Journalistin schon seit vielen Jahren sehr intensiv mit dem Thema der organisierten Kriminalitt in Italien und deren Auswirkung auf die Menschen, die Wirtschaft und die Politik beschftigt. Bestimmt hat Petra Reski in dieser Zeit unglaublich viel Wissen gesammelt und eine Reihe von Menschen getroffen, deren Leben von der Mafia beeinflusst wurde. Leider gelingt es ihr nicht, in diesem Buch mehr als ein paar Allgemeinpltze und beraus langweilige Anekdoten aneinanderzureihen, whrend die abschweifende und unstrukturierte Erzhlweise den Leser ermdet und im Laufe der Zeit sogar regelrecht verrgert.

So sind einzelne Passagen zwar durchaus flssig lesbar, aber wer etwas ber die zwei "telefonini" eines Taxifahrers und seine Familienbeziehungen erfahren will oder eine Beschreibung eines Restaurantbesuchs lesen mchte, der wird wohl weniger zu einem Titel wie "Mafia" greifen und stattdessen einen Reisebericht in der Buchhandlung suchen. Doch jede einzelne Passage ist mit genau solchen Schilderungen berfrachtet. Da bekommt der Leser seitenlang erzhlt, wie Petra Reski zufllig im Justizpalast ber Marcello Dell'Utri (einen wegen Mafiazugehrigkeit verurteilten Politiker, der als rechte Hand von Silvio Berlusconi galt) stolpert und wie das Licht in diesem Augenblick auf ihn fllt, wie er Zigarre rauchte und von speichelleckenden Anwlten umringt ist. Nach Ende des Kapitels fllt einem auf, dass der informative Teil zu diesem Mann deutlich krzer ausgefallen ist als diese "atmosphrische Beschreibung" und kaum mehr beinhaltet, als einem aufmerksamen Nachrichtenzuschauer ohnehin schon lngst bekannt war.

Diese Enttuschung zieht sich durch das gesamte Buch. Nicht ein einziges Mal hat man das Gefhl, von der Autorin etwas Neues zu erfahren, obwohl sie immer wieder betont, dass sie selbst mit ausgestiegenen Mafiosi gesprochen hat, dass sie Bekanntschaften mit Mafia-Verteidigern pflegt und mit den Frauen, Witwen und Tchtern von Verbrechern gesprochen hat. Durch das gesamte Buch ziehen sich allgemein bekannte Informationen und belanglose persnliche Eindrcke. Auch die im Klappentext so betonte verblffende Verbindung der Mafia nach Deutschland, die die Autorin angeblich aufgedeckt hat, beschrnkt sich auf hufig nicht belegbare, aber vielfach vermutete Allgemeinpltze, wie zum Beispiel, dass italienische Gastronomiebetriebe in Deutschland der Mafia zur Geldwsche dienen.

Und vielleicht ist es ja wirklich so, dass Petra Reski sich beim Anblick einer Gans auf der Strae, einem Gesicht in einem Caf oder des Mlls am Straenrand an eine Begebenheit whrend ihrer Recherchen rund um die Mafia erinnert fhlt, aber das macht das Ganze fr den Leser nicht lesbarer. Neben der sporadisch aufkommenden Flut an Namen, Daten und Fakten, die aufgrund der fehlenden Struktur in diesem Buch nur mhsam zuzuordnen sind, wird man immer ungeduldiger bei all diesen Abschweifungen. Und irgendwann ertappt man sich dabei, dass man ber die Allgemeinbildung einer in Italien lebenden Autorin nachdenkt, die in ihrem Buch die Vermutung uert, dass die Gans auf der Strae deshalb so bissig sei, weil sie gemeinsam mit einem Hund aufwuchs.

Auch die Passagen, in denen Polizisten, Staatsanwlte und abtrnnige Mafiosi zu Wort kommen, knnen kaum neue und interessante Informationen liefern. Petra Reski prsentiert relativ ungeordnet und ohne Darlegung weiterer Zusammenhnge die Aussagen der einzelnen Personen. So wird ein italienischer Polizist zitiert, der sich darber aufregt, dass die deutsche Polizei nicht einfach ein Mafiamitglied inhaftiert, sondern erst einmal auf Beweise wartet. Und die Autorin berichtet, dass ein Staatsanwalt, der gegen die Mafia ermittelte, anscheinend monatelang aus einem der Nachbarbros im Justizpalast abgehrt wurde, ohne es zu bemerken. Diese Dinge werfen kein besonders gutes Licht auf diejenigen, die gegen die Mafia vorgehen.

Am Ende des Buches bleibt das unbefriedigende Gefhl, dass Autorin und Verlag nach den erschtternden Mafia-Morden in Duisburg die Gelegenheit genutzt haben, um aus Fragmenten, die bei Recherchen zu Artikeln der Journalistin brig geblieben sind, einen Titel zusammenzuschustern, den ein Leser, der mehr ber die Hintergrnde dieser Tat erfahren will, gewiss kaufen wrde. Doch wer sich fr die Mafia interessiert, sollte lieber zu einem anderen Titel (wie zum Beispiel "Gomorrha") greifen, da er dort deutlich mehr Informationen finden wird.

Fazit:

Wer mehr ber das organisierte Verbrechen in Italien und seine Ausbreitung nach Deutschland erfahren will, wird von Petra Reskis Buch "Mafia - Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern" enttuscht sein. Obwohl immer wieder durchschimmert, dass die Autorin im Laufe der letzten Jahre sehr viel Wissen ber die Mafia gesammelt hat, besteht dieser Titel hauptschlich aus unstrukturierten Anekdoten, abschweifenden Beschreibungen und ein paar Zitaten von Ermittlern und ehemaligen Verbrechern. Schnell bekommt man das Gefhl, dass hier nur die Reste verwertet wurden, die bei frheren Artikeln der Journalistin angefallen sind, um das nach den Morden von Duisburg aufgekommene Interesse an der Mafia bedienen zu knnen. Doch wer sich wirklich fr dieses Thema interessiert, sollte lieber zu fundierteren Sachbchern greifen, in denen Tatsachen und Erlebnisse strukturierter und deutlich informativer prsentiert werden.
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