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Die gute Schule  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Kultur & Zeitgeschehen
Geschrieben von Heike Bellas   
Montag, 20. Juli 2009

Die gute Schule

Verlag: Pattloch
Erschienen: April 2009
ISBN: 978-3-629-02223-3
Preis: 16,95 EUR

288 Seiten
Inhalt
4.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
4.2

Wertung:
4.2
von 10
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Zum Inhalt:

Christian Füller hat die besten Schulen in Deutschland besucht und berichtet, was den Erfolg dieser Schulen ausmacht. Denn Schule ist keine Konfektionsware, sie lebt vom besonderen Engagement ihrer Lehrerinnen und Lehrer, von der Mitarbeit der Eltern und der Lernfreude der Kinder und Jugendlichen. An fünf Beispielen aus allen Schulformen, aus Nord und Süd, West und Ost, in staatlicher wie privater Trägerschaft entwickelt der Autor einen Leitfaden für alle Eltern, denen die beste Schule gerade gut genug ist für ihr Kind.

Meinung:

"Die gute Schule" beginnt damit, dass der Autor erwähnt, dass er mit dem Buch zum Nachdenken anregen möchte und hofft, dass sich Eltern und Lehrer an den erwähnten Schulen orientieren. Danach geht er gleich dazu über, die fünf ausgewählten Schulen zu beschreiben: Die Grundschule in der Kleinen Kielstraße in Dortmund und die Heinrich-von-Kleist-Schule in Wiesbaden, eine gemischte Haupt- und Realschule. Beide stehen in Problembezirken und haben einen hohen Ausländeranteil sowie mehrere vernachlässigte Kinder. Die Waldhofschule in Templin, in der behinderte Kinder integriert werden. Die Max-Brauer-Schule in Hamburg, in der selbstständiges Lernen im Vordergrund steht (die Schüler reisen dort mitunter auch) und das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach. An der Schule wird versucht, sinnvoll mit dem Lernpensum des neuen G8 umzugehen. Jede dieser Schulen wird in Reportagenform vorgestellt, ihr Konzept betrachtet und auf einzelne Lehrer und Schüler eingegangen. Im Anschluss zählt der Autor auf, was gute Schulen ausmacht und wie umsetzbar bestimmte Konzepte in unserem Land wären. Eltern werden Tipps gegeben, wie sie aktiv an Schulveränderungen teilnehmen können.

Christian Füller hat Politologie studiert und ist Leiter des Bildungsressorts der Berliner "tageszeitung". Am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung forschte er über die Ursachen der neuen Bildungsarmut in Deutschland.

Wie schon so viele andere Bücher über nötige Veränderungen im Schulsystem bringt es auch Herrn Füllers "Die gute Schule" nicht fertig, positive Aspekte ausgezeichneter Schulen in den Vordergrund zu rücken, ohne alle anderen Schulen, die nicht auf der ominösen Liste der "hundert besten Schulen" stehen, als völlig unfähig, eingefahren und respektlos ihren Schülern gegenüber darzustellen. Da ist die Rede von "Kinder beschämen", "dauerkranken Lehrern", "stinkenden Toiletten", "Auslese-Schulen", in denen "Respekt vor ihren Schülern ungewöhnlich" ist. Ausnahmeschulen werden aus der Masse von Schulen gegriffen und als Beispiele für eine Normalität hingestellt, die so gar nicht existiert. Man bekommt den Eindruck, dass jedes Schulhaus kurz vor dem Einsturz stünde, mit missgelaunten Lehrern, die nur an der Tafel stehen und dozieren, während die Schüler versuchen zu folgen, ohne selbst irgendetwas erforschen zu können.

Gleichzeitig tut Herr Füller so, als wären viele Erkenntnisse, die er erwähnt, völlig neu, zum Beispiel, dass Schulen lieber von unten nach oben reformieren sollten und nicht umgekehrt. In Wirklichkeit sind das Weisheiten, die schon seit Jahren feststehen und auch auf vielen Ebenen so umgesetzt werden.

Leser, die außerhalb des Schulsystems stehen, bekommen hier wieder die Gelegenheit, zu sagen: "Ich wusste es, unsere deutschen Schulen sind schlecht, kein Wunder, dass wir bei PISA so schlecht abgeschnitten haben." Leser, die am Schulsystem teilhaben, auf welche Art auch immer, wundern sich streckenweise eher darüber, wieso Herr Füller versucht, uns alte Kamellen zu verkaufen.

Mit Sicherheit sind die beschriebenen Schulen beispielhaft und bringen gute und zufriedene Schüler hervor. Und genauso ist es sinnvoll, sich an den Schulen etwas abzugucken. Aber weder ist es so, dass alle Schulen heutzutage völlig anders agieren als eben diese erwähnten Schulen, noch ist es so, dass sich im Schulsystem nichts verändert - und es als Experte so darzustellen, ist ein grober Patzer. Von jemandem, der entsprechend geforscht und sich Unterrichte angesehen hat, sollte man erwarten, dass er die wirkliche Realität abbildet und keine Schwarzmalerei betreibt, indem er sich nur die Negativbeispiele heraussucht und die Schulen, die sich bemühen oder bei denen es zum normalen Unterrichtsgeschehen gehört, dass die Schüler selbstständig arbeiten, als beinahe nicht existent hinstellt.

Fazit:

"Die gute Schule" von Christian Füller reiht sich leider in die Reihe von Meckerbüchern à la "Generation Doof" ein. Es scheint, dass der eigentlich so erfahrene Autor plötzlich blind für Grauzonen wird, denn in diesem Buch gibt es nur die ausgezeichneten Schulen und die abschreckenden Negativbeispiele, aber keine bemühten Schulen. Abgesehen davon erzählt der Autor dem Leser, der Einsicht ins das Schulwesen hat, absolut nichts Neues. An den erwähnten Schulen kann man sich tatsächlich ein Beispiel nehmen, doch geht dieser durchaus sinnvolle Teil des Buches zwischen den ganzen Beschwerden beinahe unter.
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