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Mein Jahr als Mann  Drucken E-Mail
Bcher: Sachbuch Erlebtes & Reiseberichte
Geschrieben von Heike Bellas   
Montag, 20. Juli 2009

Mein Jahr als Mann

Originaltitel: Self-Made Man
bersetzt von: Bernhard Kleinschmidt

Verlag: Knaur
Erschienen: Mrz 2009
ISBN: 978-3-426-77998-9
Preis: 8,95 EUR

384 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Die Journalistin Norah Vincent hat eine hchst ungewhnliche Feldstudie betrieben: Mnner, so ihre Annahme, sind nur da richtige Mnner, wo ihnen keine Frau zu nahe kommt, wo sie unter sich sind. Und so schlpft sie fr ein Jahr in die Haut eines Mannes. Nach monatelanger Vorbereitungszeit wird aus Norah Ned. In dieser Rolle versucht die Autorin zu verstehen, was ein Leben als Mann bedeutet. Dabei lernt sie die kumpelhafte Atmosphre eines Bowlingteams kennen, taucht in die teils drastische Welt der Strip-Lokale und Nachtclubs ein, geht fr einige Wochen in ein Mnchskloster und schliet sich einer Mnnergruppe an, die zu den Wurzeln der eigenen Mnnlichkeit zurckfinden will.

Meinung:

Als Norah Vincent sich gemeinsam mit einer Freundin als Mann verkleidete und austestete, ob sie mit dieser Verkleidung durchkommt, war ihr nicht klar, dass sie einmal eineinhalb Jahre als Mann verbringen wrde. Doch dass man ihr die Maskerade so abgenommen hat, fasziniert die Reporterin und sie beschliet, ihre Verkleidung zu perfektionieren und sich unter die Mnner zu mischen. Mit Hilfe von Freunden aus der Theaterszene schafft die Frau es, sowohl ihr Aussehen als auch ihre Stimme so zu verndern, dass sie zwar als schwchlich-zarter Mann, aber immerhin als Mann auftreten kann. Mit dieser Verkleidung schleicht sie sich in eine Bowlingmannschaft und besucht Stripclubs, hat Dates mit Frauen und wohnt sogar drei Wochen lang in einem Mnnerkloster.

Wenn man dieses Buch gelesen hat, wei man dann mehr ber die Mnnerwelt? Ja und nein. Auf der einen Seite bekommt man sicher einen Einblick in die Verhaltensweisen von Mnnern. Man erkennt, dass das starke Geschlecht nicht nur Frauen gegenber schweigsam ist und dass es auf seine eigene Art mit Enttuschungen und Problemen fertig wird. Andererseits hrt man auch Dinge, die man - vor allem als Frau - lieber nicht gehrt htte und auch schwer glauben kann. Norah - die sich jetzt Ned nennt - erlebt sehr grenzwertige Situationen. Nachdem sie sich mit ein paar Jungs einer mnnlichen Bowlingmannschaft angefreundet hat, bekommt sie mit, dass es fr sie - obwohl sie zweifellos glcklich mit ihren Frauen sind - selbstverstndlich zu sein scheint, Stripclubs zu besuchen. Nachdem Norah ihren Schwindel aufgedeckt hat, verlegt sie ihren Forschungsschwerpunkt gemeinsam mit ihrem engsten Freund der Mannschaft in die Stripclubs der Stadt. Was sie dort erlebt, grenzt schon an Ekelhaftigkeit. Sie lsst sich selbst sogar mehrfach Private Dances "verpassen".

Wenn man dieses Buch gelesen hat, wei man dann mehr ber die Frauenwelt? Als Mann nicht, denn alles, was Norah als Ned erlebt, ist auch das, was alle anderen Mnner erleben. Als Frau hingegen sieht man sein eigenes Verhalten pltzlich kritischer. Man bekommt die Mglichkeit, aus der Frauenrolle zu schlpfen und sich von auen zu betrachten: Wie geht man selbst mit Mnnern um? Welche Erwartungen stellt man als Frau an Mnner und wie realistisch sind diese? Muss man als Frau nicht irgendwann einfach akzeptieren, dass Mnner anders handeln als Frauen? Und wieso unterscheidet sich das Verhalten von Mnnern untereinander so extrem von dem von Frauen untereinander?

Die Frage ist wohl, wie reprsentativ die Erlebnisse der Journalistin sind. "Mein Jahr als Mann" ist unterteilt in Kapitel, die berschrieben sind mit "Freundschaft", "Liebe" und "Sex", "Leben" und "Arbeit". Damit simuliert sie fast, dass das, was sie beschriebt, allgemeingltig wre fr alle Mnner. Dabei beschreiben aber die Kapitel immer genau einen "Forschungsort". Das Kapitel "Freundschaft", zum Beispiel, beschreibt nur ihre Zeit mit den Jungs der Bowlingmannschaft: Ruppige Arbeitertypen, denen das Leben nicht besonders gut mitspielt, ein paar andere Mnner als Randfiguren, die aber vom selben Typ zu sein scheinen. Das Kapitel "Sex" findet seinen Platz ausschlielich in den Stripclubs und das Kapitel "Liebe" handelt prinzipiell nur von Einzeldates mit Frauen, die eigentlich gar keine Beziehung eingehen wollen, genauso wenig wie Norah selbst. Sicherlich ist es interessant, Norah bei ihren Erlebnissen zu folgen, aber man bekommt dadurch keine grundstzlichen Wahrheiten prsentiert.

Fr Norah wird das Experiment irgendwann zu viel. Obwohl sie die meisten Opfer ihrer Tuschung aufklrt und nur sehr wenige wirklich bse auf sie sind, belasten die Lgen, die Verstellungen und die Fehler, die sie als Ned begeht - wie zum Beispiel Seitensprnge, denn Norah ist mit einer Frau verheiratet - sie emotional so, dass sie zusammenbricht und sich selbst einweisen lsst. Trotz allem sagt sie, dass sie viel durch ihr Experiment gelernt hat, und dass sie nun umso froher ist, eine Frau zu sein.

Fazit:

"Mein Jahr als Mann" der lesbischen Autorin Norah Vincent beschreibt ihr Leben als Mann unter Mnnern. Vor allem fr Frauen ist das Buch somit sehr interessant, weil sie nicht nur etwas ber die Mnnerwelt lernen, sondern auch darber, wie ein Mann Frauen sieht. Dabei sollte man aber nicht erwarten, dass man einen allgemeingltigen Ratgeber zum Thema "So tickt der Mann" geliefert bekommt, die Autorin beschreibt nur ihre Erlebnisse mit bestimmten Personen, nicht aber ber verschiedene soziale Schichten oder Altersklassen hinweg.
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