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Drachenwind - Mein Jahr in Afghanistan  Drucken E-Mail
Bcher: Sachbuch Erlebtes & Reiseberichte
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 27. Mrz 2010

Drachenwind - Mein Jahr in Afghanistan

Verlag: Knaur
Erschienen: September 2009
ISBN: 978-3-426-78261-3
Preis: 9,95 EUR

288 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Kerstin Tomiak ist ein leidenschaftlicher Mensch - und sie steht fr ihre berzeugungen ein. Als sie fr ein Projekt der ISAF nach Kunduz geht, erwartet sie, auf eine vom Krieg beherrschte Mnnergesellschaft zu treffen. Doch es kommt ganz anders. Zwischen Militr und Stammesgesellschaft trifft sie auf mutige Polizistinnen, erlebt afghanische Gastfreundschaft und entdeckt ein atemberaubend schnes Land. Schlielich erfhrt sie, dass im Freinander die groe Chance des afghanischen Volkes liegt - eines Volkes, das im jahrhundertealten Spiel mit den bunten Drachen seine Hoffnung auf eine friedliche Zukunft in alle Winde schickt.

Meinung:

In "Drachenwind" schildert Kerstin Tomiak ihre Erfahrungen, die sie whrend eines einjhrigen Aufenthalts in Afghanistan gemacht hat. Als Journalistin und "Forward Media Team Leader" hatte sie die Aufgabe, im Auftrag der Internationalen Sicherheitsuntersttzungstruppe ISAF die Bevlkerung ber Radio- und Zeitungsbeitrge positiv zu beeinflussen. Doch vor allem reizte es sie, endlich einmal aus erster Hand etwas ber dieses Land zu erfahren, dessen klangvoller Name sie schon als Kind zum Trumen angeregt hatte.

Im Oktober 2006 machte sich die Journalistin auf den Weg zu ihrem neuen Job in Kunduz, begleitet von vielen Warnungen und Ratschlgen ihrer Freunde und voller Vorstellungen, wie das Leben in Afghanistan sein wrde. Schon vor Reiseantritt hatte Kerstin Tomiak beschlossen, dass sie so viel wie mglich ber das Land und die Menschen - vor allem aber ber die Lebensbedingungen der Frauen - erfahren wollte.

Doch erst einmal verbrachte die junge Frau einige Wochen in einem internationalen Militrlager in Kabul, wo sie erstaunt feststellte, wie wenig Kontakt ein normaler Soldat mit der Welt auerhalb des Speerzauns in der Regel hat. Hier bekam Kerstin Tomiak auch schon einen ersten Eindruck von der modernen Seite Afghanistans und dem Unterschied zwischen dem ffentlichen und dem privaten Leben der Einheimischen.

Den Kopf voll mit Nachrichten ber unterdrckte und misshandelte Frauen, Zwangsverheiratungen (zum Teil schon im Kindesalter) und Selbstverbrennungen, um sich vor einer solchen erzwungenen Ehe zu bewahren, kann die Journalistin es kaum fassen, als sie dann in Kunduz ihre ersten Kontakte zu afghanischen Frauen knpft. Hinter der Burka verbergen sich nicht selten selbstbewusste und berufsttige Persnlichkeiten, die ihren Platz in der Gesellschaft gefunden haben und tatkrftig zum Wohl ihres Landes, dem anderer Frauen und ihrer Familie beitragen.

Durch Kerstin Tomiaks Bericht lernt der Leser einige dieser Frauen kennen, erfhrt ein wenig ber ihr Leben in Afghanistan und wie es sich im Laufe der Zeit unter der Herrschaft der Russen und der Taliban - und nun durch die ISAF - vernderte. Vor allem ist es immer wieder herzergreifend zu lesen, wie dankbar diese Frauen dafr sind, dass sie wieder ein Leben auerhalb ihres Wohnhauses fhren drfen und ihre Tchter zur Schule gehen und eine Ausbildung machen knnen.

Doch bei all den interessanten und fesselnden Details ber Afghanistan ist nicht zu bersehen, dass die Autorin mehr Zeit in einem geschtzten Militrlager verbracht hat als mit den Menschen in Kunduz. Auch hier ist es faszinierend, einmal mehr ber den Alltag in einem solchen Lager zu erfahren, doch die Anhufung von militrischen Begriffen macht diese Passagen nur schwer leserlich. Trotz des anhngenden Glossars und der einen oder anderen Erklrung im Text fhlt man sich schnell von den ganzen Abkrzungen verwirrt und bersttigt.

Ein wenig gewinnt man den Eindruck, dass sich die Autorin nicht ganz sicher war, ob sie ber das Leben in einem Militrlager oder ber Afghanistan berichten wollte. So liefert Kerstin Tomiak mit "Drachenwind" einen sehr persnlichen Eindruck von ihrer Zeit in Afghanistan, dieser Bericht ist jedoch kaum mehr als ein Tagebuch, in dem sie von ihrem Jahr in diesem Land erzhlt. Die Autorin bringt einem das Land und seine Bewohner nher, obwohl man nur einen minimalen Einblick in ihre Arbeit fr die ISAF bekommt. Bezeichnenderweise ist eins der erschtterndsten Elemente dieses Titels im Nachwort zu finden, denn hier erfhrt der Leser nicht nur, dass die Journalistin seit Ende 2008 wieder in Kunduz arbeitet, sondern auch, wie sehr sich die Stimmung im Land durch die gehuften Selbstmordattentate gewandelt hat.

Hatte man im Laufe der Lektre noch das Gefhl, das Land ein Stckchen besser kennengelernt zu haben, und die Hoffnung, dass diese sympathischen Menschen eine Chance auf ein besseres Leben bekommen, legt man das Buch eher desillusioniert zur Seite. "Drachenwind" bietet einen ungewhnlichen - und sehr persnlichen - Einblick in das Leben in Afghanistan, der sich zum Teil deutlich von anderen Publikationen unterscheidet. Vor allem begleitet den Leser die ganze Zeit die Frage, wie es geschehen konnte, dass ein ursprnglich so modernes Land in solch einen erschtternden Zustand geriet.

Fazit:

Mit "Drachenwind" legt Kerstin Tomiak einen ganz persnlichen Bericht ber ihre Zeit in Afghanistan vor. Der Leser lernt so nicht nur mehr ber den Alltag der Frauen in diesem Land, sondern auch ber das Leben der dort stationierten Soldaten in den streng abgesperrten Militrlagern. Mit der Journalistin zusammen bekommt man einen Einblick in die Arbeit der ISAF, wie sie im Jahr 2007 betrieben wurde. Es wird einem aber auch deutlich gemacht, wie sehr sich die Stimmung seither aufgrund der gehuften Selbstmordattentate gendert hat. So verliert man am Ende ein wenig die Hoffnung, dass all die aufgeweckten und faszinierenden Frauen, die man in diesem Buch kennenlernen durfte, in absehbarer Zeit ein normales Leben fhren knnen. Mit "Drachenwind" gibt es fr den Leser wieder eine neue Facette an Afghanistan zu entdecken, was das Buch - trotz aller Abschweifungen zum Leben in einem Militrlager - zu einer interessanten Lektre macht.
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