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Der Mahlstrom 
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 6. Februar 2012

Der Mahlstrom

Originaltitel: Malstrømmen
Übersetzt von: Wibke Kuhn

Verlag: btb
Erschienen: Januar 2012
ISBN: 978-3-442-74315-5
Preis: 9,99 EUR

384 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Alte ausgebleichte Porzellanpuppen werden vom Meer an den Strand gespült. Sind sie die Vorboten grausamer Verbrechen? Polizist Niklas Hultin hält nichts vom volkstümlichen Aberglauben. Doch kurz darauf wird eine schwer verletzte Frau am Strand gefunden - gekleidet wie eine der Puppen.

Meinung:

Mit seinem Debütroman "Der Mahlstrom" bietet Frode Granhus solide und unterhaltsame Krimikost aus Skandinavien, ohne dabei auf das Klischee des vom Leben und Beruf desillusionierten und depressiven Polizisten zurückzugreifen. Genau genommen lässt der Autor gleich zwei Beamte parallel ermitteln und erst in der letzten Hälfte des Buches findet eine Verknüpfung dieser beiden Handlungsstränge statt. Bis dahin kann der Leser verfolgen, wie Rino Carlsen aus Bodø in zwei ungewöhnlichen Fällen von Misshandlung ermittelt, bei denen die Opfer nur durch Zufall und Glück überlebt haben.

Während bei dem einen Verbrechen ein Mann mit beiden Händen an einem unter Wasser liegenden Felsen festgekettet wurde, um dort elendig zu erfrieren, werden kurze Zeit später dem anderen Opfer mit einem altmodischen Heizofen immense Verbrennungen zugefügt. Und wie schon bei einer früheren Gewalttat, bei der ein Mann ums Leben kam, wurden auch an diesen Tatorten kindlich wirkende Zeichnungen mit Strichmännchen aufgefunden, die den Ermittler vor ein Rätsel stellen. Dabei könnten diese Darstellungen der Schlüssel zum Motiv des Täters sein.

Beinah zeitgleich werden 300 Kilometer entfernt in Bergland altmodische Porzellanpuppen an den Strand geschwemmt. Auf den ersten Blick scheint das nichts Ungewöhnliches zu sein und so nimmt die Polizei diese Strandfunde erst ernst, als eine Frauenleiche gefunden wird, deren Aussehen und Bekleidung einer dieser Puppen gleichen. Nun muss Niklas Hultin, der vor wenigen Tagen seinen Posten bei der Polizei von Bergland angetreten hat, so viel wie möglich über seinen neuen Heimatort und die Bewohner dieses abgelegenen Winkels erfahren, um dem Mörder auf die Schliche zu kommen.

Schon auf den ersten Seiten beweist Frode Granhus, dass er ein Händchen sowohl für vielschichtige und realistische Charaktere als auch für atmosphärische Beschreibungen hat. Mit wenigen Sätzen lässt der Autor die karge und unwirtliche Landschaft der Lofoten vor den Augen des Lesers entstehen und die eisige Kälte des Meeres fühlbar werden. Aber auch die aktuellen und früheren Verbrechen werden von Frode Granhus eindringlich geschildert, ohne dass der Autor hierbei zu übertriebenen oder besonders ekelhaften Details greifen muss. Oft ist es gerade die einfache und distanzierte Erzählweise, die den Leser bei so manchen Szenen besonders berührt.

Auch die beiden Polizisten werden sympathisch dargestellt, ohne dabei unrealistisch zu wirken. Während Rino sich nebenbei noch Gedanken um seinen Sohn macht, den seine Exfrau mit Ritalin behandeln lassen will, ist Niklas seiner Frau Karianne zuliebe nach Bergland gezogen, da diese näher bei ihrem inzwischen gebrechlichen Vater leben möchte. Obwohl Frode Granhus diese privaten Elemente in die Geschichte einbaut, nimmt das Familienleben der Polizisten neben dem Kriminalfall nicht überhand, sondern dient vor allem einer tieferen Charakterisierung der beiden Männer.

So kann sich der Leser auf die verschiedenen Entwicklungen bei den Ermittlungen konzentrieren und - da er sich immer auf dem gleichen Wissensstand wie die Polizisten befindet - seine eigenen Schlüsse aus jedem neuen Hinweis ziehen. Obwohl sich am Ende die eine oder andere Auflösung schon vorhersehen lässt und man Frode Granhus vorwerfen könnte, dass er es mit der Verwebung der beiden Fälle etwas übertrieben hat, hat der Autor mit "Der Mahlstrom" eine spannende, gut konstruierte und unterhaltsame Kriminalgeschichte geschaffen, die Lust auf weitere Bücher des Autors macht.

Fazit:

Frode Granhus' Debütroman "Der Mahlstrom" bringt dem Leser spannende Krimikost mit sympathischen Ermittlern und zwei solide konstruierten Fällen, die für unterhaltsame Lesestunden sorgen. Dabei überzeugt der Autor nicht nur durch seine realistischen Figuren, sondern auch durch seine klare Erzählweise und atmosphärischen Beschreibungen. Obwohl am Ende nicht jede Wendung in der Handlung für den Leser eine Überraschung darstellt, bietet "Der Mahlstrom" eine unterhaltsame und befriedigende Kriminalgeschichte.
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