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Spätsommer­mord 
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 6. September 2008

Spätsommermord

Originaltitel: Sort sensommer
Übersetzt von: Catrin Frischer

1. Band der Reihe

Verlag: Ullstein
Erschienen: Mai 2008
ISBN: 978-3-548-26858-3
Preis: 8,95 EUR

316 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

An einem nebeligen Septembermorgen findet ein Spaziergänger in einem Waldstück bei Århus die nackte Leiche einer jungen Frau. Ihre Kehle ist durchgeschnitten, auf ihrem Körper liegen getrocknete Schierlingsblüten. Der wortkarge Kommissar Trokic und seine neue Kollegin, die quirlige Computerexpertin Lisa Kornelius, können die Tote schnell identifizieren: Es handelt sich um Anna Kiehl, eine Studentin und Mutter eines dreijährigen Jungen. Sie war mit einem Chemiker liiert, von dem sie ein Kind erwartete. Der Forscher stand offenbar kurz vor einer bahnbrechenden Entdeckung, wird aber seit mehreren Wochen vermisst.

Meinung:

"Spätsommermord" ist der erste Kriminalroman der dänischen Autorin Inger Wolf und der Auftakt einer Reihe um die Polizisten Daniel Trokic und Lisa Kornelius. In Dänemark wurde dieser Roman mit dem Preis für das beste Krimidebüt ausgezeichnet. Der zweite Band um das Ermittlerteam ist im April unter dem Titel "Frost og Aske" auf dänisch veröffentlicht worden.

Bei Inger Wolfs "Spätsommermord" handelt es sich um einen ungewöhnlichen Krimi, der - abgesehen von einem spannenden Ende - weniger von knallharter Action als von der Charakterisierung der Hauptfiguren lebt. Man merkt diesem Buch an, dass es der Auftakt einer Reihe sein soll, denn die Autorin wendet fast mehr Mühe dafür auf, die Figuren dem Leser vorzustellen und sie ihm nahe zu bringen, als für den eigentlichen Kriminalfall.

Dabei sind die Ermittlungen um die Ermordung der jungen Anna Kiehl bei Weitem nicht langweilig. Die Umstände ihrer Ermordung und die Szene, in der ihr kleiner Sohn allein in der Wohnung gefunden wird, gehen dem Leser schon recht nah. Auch wenn einem zwar einige Zusammenhänge wesentlich schneller klar sind als den Polizisten (und das nicht nur dank des zu viel verratenden Klappentextes), ist es trotzdem sehr unterhaltsam, die verschieden Zeugenaussagen, Schlussfolgerungen und Reaktionen der Menschen aufeinander zu verfolgen.

Den besonderen Reiz dieses Romans macht aber vor allem die Kombination der beiden Hauptcharaktere aus, die versuchen, miteinander zu arbeiten. Daniel Trokic ist bei seinen Kollegen als Einzelgänger bekannt und hat sich dadurch schon häufiger in unnötige Gefahr gebracht. Ihm ist bewusst, dass er Probleme hat, auf Menschen zuzugehen, und sucht sich deshalb auch gerne Partner, von denen er weiß, dass sie auf Zeugen freundlich und vertrauenswürdig wirken. Eine besondere Note gibt dem Ermittler seine Verbindung nach Kroatien, das für ihn eine zweite Heimat ist, aber auch der Ort, mit dem er durch den Krieg überaus schreckliche Dinge verbindet.

Lisa Kornelius hingegen hat bis jetzt ein eher unauffälliges Leben geführt. Sie fühlt sich wie ein Mauerblümchen und versucht durch auffällige Kleidung gegen diesen Eindruck anzugehen. Die IT-Spezialistin der Polizei ist gerade erst nach Århus gezogen und hofft, dass sie nach ihrer Versetzung zum Morddezernat weniger Zeit mit dem Computer und dafür mehr im aktiven Dienst verbringen kann. Aber vor allem ist es ihr wichtig, nicht mehr den ganzen Arbeitstag mit der Internet-Jagd auf Pädophile zu verbringen.

Diese beiden unterschiedlichen Ermittler müssen erst lernen, miteinander zu arbeiten. Lisa hat schon eine Menge Gerüchte über Daniel gehört und will erst einmal herausfinden, wie viel Wahres dahinter steckt, bevor sie ihm als Kollegen vertraut. Daniel Trokic hingegen schätzt Lisas Leistungen mit dem Computer, kann sie sich aber nicht im aktiven Dienst vorstellen. Eine solche Theoretikerin ist seiner Meinung nach bestimmt niemand, auf den man sich im Notfall auf der Straße verlassen kann.

Gerade weil diese beiden so verschiedenen Personen zwar respektvoll, aber nicht vertrauensvoll miteinander umgehen, entsteht für den Leser eine ganz faszinierende und ungewöhnliche Geschichte. Doch nicht nur auf Seiten der Polizisten, sondern auch im Zuge des Kriminalfalls ist das liebevolle Charakterdesign der Autorin das Reizvollste an diesem Roman. Dabei ist der Kriminalfall nicht schlecht konstruiert und profitiert davon, dass sich Inger Wolf auch im wissenschaftlichen Bereich des Falles auf einem Gebiet bewegt, von dem sie schon persönlich betroffen war.

Fazit:

"Spätsommermord" ist der Auftakt einer neuen Reihe um das Ermittlerteam Daniel Trokic und Lisa Kornelius. Inger Wolf setzt bei diesem Kriminalroman den Schwerpunkt auf die liebevolle und zum Teil ungewöhnliche Ausarbeitung der Charaktere und das Zusammenspiel der verschiedenen Figuren. Auch wenn die Ermittlungen rund um den Mord an der jungen Anna Kiehl spannend gestaltet sind, sind es doch in erster Linie die interessanten Personen, die den Reiz des Buches ausmachen. Die erste Krimiveröffentlichung der Autorin ist auf jeden Fall so gut gelungen, dass der Leser nur hoffen kann, dass auch die Fortsetzung "Frost og Aske" demnächst in Deutschland erscheinen wird.