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Kalte Asche 
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 26. April 2008

Kalte Asche

Originaltitel: Written in Bone
Übersetzt von: Andree Hesse

Reihe: David Hunter
2. Band der Reihe

Verlag: Wunderlich
Erschienen: Juli 2007
ISBN: 978-3-8052-0812-3
Preis: 19,90 EUR

432 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Asche ist alles, was von ihr übrig geblieben ist. Fast alles. Als der Rechtsmediziner David Hunter die Überreste der Frau in einem verfallenen Cottage auf der schottischen Insel Runa zum ersten Mal erblickt, läuft ihm ein Schauer über den Rücken. Ihr Tod war kein Unfall, da ist er sich sicher. Als er seine Erkenntnisse dem Superintendent mitteilen will, ist die Leitung tot. Ein Sturm schneidet die Insel von der Außenwelt ab. Da beginnen die Morde von neuem.

Meinung:

Simon Beckett legt mit "Kalte Asche" nach "Die Chemie des Todes" den zweiten Roman rund um den forensischen Anthropologen David Hunter vor. Wie bei seinem ersten Roman bedient sich der Autor dabei der Stilmittel des klassischen Kriminalromans, wählt hierfür einen begrenzten Personenkreis, in dem der Mordfall passiert, und konzentriert sich darauf darzustellen, was eine solche Extremsituation aus einer kleinen Gemeinschaft macht.

David Hunter ist gerade auf dem Heimflug von einem Fall, als ihn ein Anruf vom Polizeipräsidium Inverness erreicht. Man bittet ihn dringend um Mithilfe bei einer Untersuchung, da die örtlichen Polizeikräfte alle Hände voll zu tun haben mit einem Zugunglück. Nur ein kleiner Umweg auf seiner Heimreise wäre es. Zudem wird dringend ein Fachmann benötigt, der sich eine Leiche auf einer kleinen Insel anschauen soll, um zu beurteilen, ob ein Unglücksfall oder ein Mord vorliegt.

Entgegen jeder Vernunft lässt sich der Forensiker zu diesem Auftrag überreden, wohl wissend, dass diese Verzögerung das Ende seiner Beziehung zu seiner Freundin Jenny sein könnte. Als er zusammen mit Sergeant Fraser auf der Insel Runa ankommt, findet David Hunter schnell heraus, dass es sich bei der ungewöhnlichen Leiche wirklich um ein Mordopfer handelt. Doch bevor er weitere Polizeikräfte herbeirufen kann, zieht ein Sturm auf, der die Insel vollständig vom Festland abschirmt.

Im Vergleich zu seinem ersten Roman konzentriert sich der Autor in "Kalte Asche" recht wenig auf das Privatleben seines Ermittlers David Hunter, sondern stellt die Schilderung der Insel Runa und ihrer Bevölkerung in den Vordergrund. Runa gehört zu jenen Hebrideninseln, die kurz davor standen, entvölkert zu werden, da die Fischerei als alleinige Einnahmequelle nicht ausreichte, um ein ganzes Dorf zu ernähren. Doch glücklicherweise zog vor wenigen Jahren ein Fremder auf die Insel und modernisierte mit seinen eigenen finanziellen Mitteln das Leben der Bewohner.

Allein schon diese Grundvoraussetzung sorgt für eine gewisse Spannung auf der Insel. Die Leute dort werden als hartes und eigenbrötlerisches Volk charakterisiert, ohne dass Simon Beckett bei der Schilderung der Personen zu sehr ins Extreme fällt und sie zu Karikaturen verzerrt. Die Tatsache, dass die Inselbewohner nicht alleine für den Erhalt ihrer kleinen Welt sorgen konnten, sondern auf die Hilfe eines Außenstehenden angewiesen waren, sorgt für eine ungesunde Mischung aus Dankbarkeit und Zorn auf Runa.

Als nun zu dieser explosiven Mischung von Emotionen auch noch David Hunter und der unsensible Sergeant Fraser hinzustoßen und anfangen, Ermittlungen in dem ungeklärten Todesfall aufzunehmen, scheint eine Eskalation nicht mehr weit. Trotz dieser Spannungen ist "Kalte Asche" eine eher ruhige Erzählung, die auf unnötige Action verzichtet und sich dafür lieber auf den Kriminalfall und die von ihm betroffenen Menschen konzentriert.

Spielerisch manipuliert der Autor den Leser und sorgt dafür, dass man trotz gewisser Verdachtsmomente doch immer wieder von den Wendungen, die der Fall nimmt, überrascht wird. Gerade die klassische und sehr ruhige Erzählweise, die durch die nicht so gebräuchliche Ich-Perspektive hervorsticht, macht den Roman lesenwert. Trotz der detaillierten und selten wertenden Beschreibung der Charaktere distanziert sich die Erzählung in gewisser Weise von den Personen. Dadurch bleibt beim Leser das Interesse zwar durchgehend erhalten, man fiebert aber nicht wirklich mit. Leider benutzt Simon Beckett am Ende des Buches das Mittel der überraschenden Wendungen einmal zu oft und nimmt so seinem Roman doch einiges von der ansonsten durchaus überzeugenden Wirkung.

Fazit:

Wer bei "Kalte Asche" von Simon Beckett über die unnötige Wendung am Schluss der Erzählung hinwegsehen kann, bekommt einen überaus unterhaltsamen klassischen Kriminalroman geliefert. Der Autor schafft es hervorragend, das auf Runa herrschende sensible Gleichgewicht zwischen einheimischer Bevölkerung und dem neureichen Gönner der Insel zu beschreiben, welches an dem Fund einer unbekannten Toten zu zerbrechen droht. Wenngleich der Roman anfangs sehr gemächlich erzählt wird und mehr über die Persönlichkeiten der Charaktere als durch Action zu fesseln weiß, kann Simon Beckett auch mit seinem zweiten Buch überzeugen und weckt die Hoffnung auf weitere solide und unterhaltsame Thriller.