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Gottlos 
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 22. März 2008

Gottlos

Originaltitel: Faithless
Übersetzt von: Sophie Zeitz

Verlag: Wunderlich
Erschienen: Mai 2007
ISBN: 978-3-8052-0805-5
Preis: 19,90 EUR

512 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Als Gerichtsmedizinerin Sara Linton und Polizeichef Jeffery Tolliver bei einem Spaziergang eine Leiche finden, müssen sie entsetzt feststellen, dass die junge Frau lebendig in einer Holzkiste vergraben wurde. Der Tod der jungen Abigail muss langsam und unvorstellbar qualvoll vonstatten gegangen sein. Jeffery Tolliver und Detective Lena Adams beginnen mit den Ermittlungen, doch sehr schnell wird die Lösung des Falles durch die Tatsache erschwert, dass das Opfer in einer sehr religiösen Gemeinschaft aufgewachsen ist, die nur wenig Kontakt nach außen hat. Als Abigails kleine Schwester spurlos verschwindet und eine zweite Kiste im Wald gefunden wird, rennt den Polizisten die Zeit davon.

Meinung:

Karin Slaughter gelingt es auch in ihrem Thriller "Gottlos" hervorragend, ein unvorstellbares Grauen in einer kleinen idyllischen Gemeinde zu erschaffen. Der Kontrast zwischen der gemütlichen Kleinstadt, in der man alles von den Nachbarn zu wissen glaubt, und der geradezu sektenhaft erscheinenden Familie des Opfers ist ihr wirklich gelungen. Für den Leser liegen die allgemeinen Vorurteile gegen solche Religionsgemeinschaften ebenso schnell auf der Hand wie für die ermittelnden Polizisten.

Dabei wirkt die Familie von Abigail auf den ersten Blick in keiner Weise bedrohlich oder einschüchternd. Auch wenn sich die Frauen den Männern unterordnen, so scheint dies aus freiem Willen zu geschehen. Ebenso ist es den Jugendlichen freigestellt, das Leben in vollen Zügen auszukosten, bevor sie sich für oder gegen eine Lebensweise entscheiden, die der ihrer Eltern entspricht. Doch bei aller sichtbaren Harmonie erscheint diese Gemeinschaft nicht mehr so friedlich und abgeschottet, wenn man erfährt, dass fast 200 entlassene Strafgefangene als Farmhelfer auf dem Anwesen arbeiten.

Die herrschenden Vorurteile, sowohl gegen kleine Religionsgemeinschaften als auch gegen ehemalige Häftlinge, machen die Lösung des Falls nicht einfacher. Gerade Lena Adams, die zur selben Zeit Probleme mit ihrem gewalttätigen Freund hat, kann irgendwann ihre privaten Sorgen nicht mehr zurückhalten und ist kaum noch in der Lage, objektiv ihre Arbeit zu erledigen. Das Leben der Frauen auf der Farm, welche in ihrem Leben genauso gefangen zu sein scheinen wie sie selbst und die doch im Gegensatz zu Lena mit ihrem Leben zufrieden sind, zwingt die junge Frau dazu, sich mit ihrer eigenen Situation auseinanderzusetzen, um endlich einen Ausweg aus ihrer ungesunden Beziehung zu finden.

Auch Sara Linton, die als Gerichtsmedizinerin in den Fall hineingezogen wird, und Polizeichef Tolliver sind teilweise mehr damit beschäftigt, ihre gerade wieder aufgelebte Beziehung zu retten, als sich um Abigails Fall zu kümmern. Gerade weil der tragische Tod des jungen Mädchens diese drei Ermittler über das normale Maß hinaus erschüttert hat, scheint es dringend notwendig zu sein, das eigene Leben endlich auf die Reihe zu bekommen, um dann im privaten Bereich Zuflucht zu finden vor den schrecklichen Dingen, die sie beruflich zu Gesicht bekommen.

"Gottlos" ist ein etwas ruhigerer und nachdenklicherer Roman, als dies sonst in der Reihe um Sara Linton und Jeffery Tolliver der Fall ist. Die Autorin nimmt sich mehr Zeit, um auf die persönlichen Entwicklungen der Charaktere einzugehen, und verzichtet dafür auf blutige Details und eine rasante Entwicklung. Aufgrund des geänderten Aufbaus eignet sich der Krimi vielleicht nicht für alle Fans von Karin Slaughter. Lesenswert ist das Buch aber auf jeden Fall und auch für Leute interessant, die ein eher psychologisches Herangehen an einen Kriminalfall bevorzugen.

Auch wenn die "Sara Linton und Jeffery Tolliver"-Romane aufeinander aufbauen, so kann man auch "Gottlos" ohne Vorwissen aus den anderen Krimis lesen, ohne etwas zu verpassen. Die Hinweise auf vorhergehende Ereignisse werden so unauffällig eingestreut, dass man als neuer Leser nicht das Gefühl hat, bewusst informiert zu werden, und als mit der Reihe vertrauter Leser nicht durch Wiederholungen übersättigt wird.

Fazit:

Mit "Gottlos" ist es Karin Slaughter gelungen, wieder einmal einen spannenden Krimi abzuliefern. Zugunsten von psychologischen Aspekten verzichtet sie auf übertrieben wirkende Gewaltdarstellungen und liefert stattdessen ein überzeugendes Bild zweier sehr gegensätzlicher Lebensstile ab. Die stimmige Darstellung zum Bereich Sekten und Gewalt innerhalb von Beziehungen rundet den fesselnden Roman ab.