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W.E.S.T. 3: El Santero  Drucken E-Mail
Comics: Frankobelgier Horror & Mystery
Geschrieben von Manuel Tants   
Sonntag, 9. November 2008

W.E.S.T. 3: El Santero

Zeichner: Christian Rossi

Originaltitel: W.E.S.T. 3: El Santero
bersetzt von: Horst Berner

Reihe: W.E.S.T.
3. Band der Reihe

Verlag: Piredda
Format: Hardcover
Erschienen: September 2008
ISBN: 978-3-941279-20-9
Preis: 15,00 EUR

56 Seiten
Inhalt
6.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.2

Wertung:
7.2
von 10
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Zum Inhalt:

Kuba im Januar 1902. Die amerikanische Armee hlt die Insel seit vier Jahren besetzt. Befrworter des Anschlusses an die USA stehen den Unabhngigkeitskmpfern gegenber. Alle erdenklichen Mittel kommen zum Einsatz. Ein geheimnisvoller Zauberer, der unter dem Namen Islero bekannt ist, sorgt dafr, dass die Terrorhandlungen zunehmen. Seine Opfer sind Soldaten oder reiche amerikanische Landwirte. Als Zombies kehren sie aus dem Reich der Toten zurck und verbreiten die Nachricht von "El Santero", der die Kubaner gegen die "Yankees" aufwiegelt. Einzig eine Gruppe von Spezialisten scheint in der Lage zu sein, diesen nicht zu ergreifenden Feind eliminieren zu knnen, bevor er Kuba in eine blutige Revolte strzt. Diese Gruppe trgt einen Codenamen ... W.E.S.T.

Meinung:

"1901", der erste zweiteilige Zyklus der historischen Mystery-Serie "W.E.S.T." erschien vor etwa drei Jahren in der Ehapa Comic Collection. Der darauf folgende Handlungsbogen "1902" wird nun beim noch jungen Piredda-Verlag verffentlicht. In "El Santero", dem Auftakt dieses zweiten Zyklus, schickt das Weie Haus Morton Chapel und die brigen W.E.S.T.-Mitglieder nach Kuba. "W.E.S.T." steht dabei fr "Weird Enforcement Special Team", also etwa "Vollstreckungs-Spezialteam gegen das Bizarre" - doch ganz so bizarr, wie der Name der Truppe es erwarten lsst, wird der Einsatz ber weite Strecken dann doch nicht.

Die Handlung, die Xavier Dorison und Fabien Nury fr diesen Band entworfen haben, konzentriert sich nmlich vor allem auf die politischen Verwicklungen, die als Folge der "Demokratisierung" Kubas durch die USA entstanden sind. Die US-Intervention, die im Jahre 1898 dem mit Unterbrechungen ber 30 Jahre hinweg immer wieder aufflammenden Guerillakrieg der kubanischen Bevlkerung gegen die spanische Herrschaft ein Ende setzte, gilt aus heutiger Sicht als einer der Ausgangspunkte fr die gegenwrtige Auenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika. Denn auch heute noch greifen die USA bekanntlich unaufgefordert in Brgerkriege ein, wenn durch diese inneren Unruhen einer ihrer Absatzmrkte oder Rohstoffzulieferer belastet wird, und sorgen anschlieend dafr, dass die nchste Regierung des Landes strker im Sinne der "Befreier" arbeitet. Den "W.E.S.T."-Autoren gelingt es gut, diese Parallelen zur Gegenwart subtil herauszuarbeiten, ohne dabei zu sehr mit dem Zaunpfahl zu winken.

Doch zurck zur Fiktion: Im Vorfeld der ersten demokratischen Wahlen auf Kuba im Jahre 1902 sorgt ein mysteriser Zauberer namens Islero, dessen "Santeria"-Kult gezielte Angriffe gegen Amerikaner durchzufhren scheint, unter den Einheimischen fr Aufsehen. Die Opfer dieser Attentate scheinen an Gelbfieber zu sterben, tauchen jedoch nur wenige Tage spter als Untote wieder auf. Um diesem unheimlichen Treiben, das mit dem haitianischen Voodoo zu vergleichen ist, ein Ende zu setzen, ordert Prsident Roosevelt W.E.S.T. auf die Insel ab.

Fr diesen Einsatz erhlt das bislang vierkpfige Spezialteam zudem Verstrkung in Form seines ersten weiblichen Mitglieds: Kathryn Lennox ist rztin und war bislang damit beschftigt, die apathische Tochter von W.E.S.T.-Leiter Morton Chapel zu behandeln. Auf Kathryn, die nur wenig Erfahrung im Umgang mit bersinnlichen Phnomenen hat, ruht auch das Hauptaugenmerk der Erzhler. Dagegen treten die brigen Agenten deutlich in den Hintergrund - im Falle des Informations-Spezialisten Coursier geht das sogar so weit, dass man seine Existenz kaum wahrnimmt, da er nur in gerade einmal drei oder vier Bildern berhaupt zu sehen ist. Auch Augenblicke echter Teamarbeit sind selten: Die Experten von W.E.S.T. operieren weitgehend unabhngig und inkognito, sodass selten einmal mehr als zwei Teammitglieder gemeinsam unterwegs sind.

Die Zeichnungen von Christian Rossi sind ausgesprochen realistisch geraten und verleihen der Geschichte mit ihrem Detailreichtum die ntige Authentizitt. Von den Kostmen der Figuren ber die koloniale Architektur bis hin zur ppigen Vegetation der Zuckerrohrplantagen prsentiert der Zeichner ein berzeugendes Bild vom Kuba um 1900. Angesichts der uerst feinen Linien Rossis war es die richtige Entscheidung des Verlags, den Band als besonders groformatiges Album zu verffentlichen. Nur so kommen all die feinen Schraffuren entsprechend zur Geltung. Die ebenfalls von Rossi selbst durchgefhrte Kolorierung wird von harmonischen, erdigen Farben geprgt, die nicht zu grell geraten sind und dadurch die realittsnahe Optik zustzlich untersttzen. Doch auch mit den Mystery- und Horror-Einlagen der Handlung kommt der Zeichner bestens zurecht.

Dass der Schwerpunkt der Geschichte trotz dieser seltenen, aber geschickt platzierten Schockeffekte weniger auf der Voodoo-Thematik liegt als auf der Frage, wer von den dadurch erzeugten Unruhen politisch profitiert, macht "El Santero" zu einem durchaus interessanten, aber zuweilen auch etwas schwerflligen Leseerlebnis, zumal die meisten Protagonisten wie schon erwhnt nur wenig Gelegenheit bekommen, etwas von ihrer Persnlichkeit zu zeigen. Erst auf den letzten Seiten des Albums kumuliert die gemchlich vorbereitete Handlung merklich, und der Band endet mit einem waschechten Cliffhanger, der wohl erst in der demnchst erscheinenden Fortsetzung "Der 46. Staat" aufgelst wird.

Fazit:

Wer Mystery-Geschichten der bodenstndigeren Art bevorzugt, drfte mit dem dritten Band von "W.E.S.T." nicht falsch liegen: Der reale historische Hintergrund einer der ersten US-Interventionen der Geschichte wird ausfhrlich beleuchtet, whrend die bersinnlichen Elemente ber weite Strecken nur eine untergeordnete Rolle spielen. Durch diese Gewichtung bleiben die meisten Hauptcharaktere in "El Santero" allerdings etwas blass, und die Handlung entwickelt sich nur schwerfllig. Jedoch trsten die uerst detailreichen Zeichnungen, die in dezenten, aber berzeugenden Farben prsentiert werden, ber so manche inhaltliche Lnge hinweg, und zum Ende des Albums hin wird die Story sprbar fesselnder, sodass man fr den folgenden Band auf einen ausgewogener konstruierten Spannungsbogen hoffen darf.
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