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Mit fremder Feder  Drucken E-Mail
Comics: Frankobelgier Horror & Mystery
Geschrieben von Manuel Tants   
Montag, 15. Februar 2010

Mit fremder Feder

Zeichner: Fabrice Lebeault

Originaltitel: Le mangeur d'histoires
Verlag: Finix Comics
Format: Hardcover
Erschienen: Dezember 2009
ISBN: 978-3-941236-22-6
Preis: 17,80 EUR

80 Seiten
Inhalt
7.0
Zeichnungen
7.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
7.4

Wertung:
7.4
von 10
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Zum Inhalt:

Paris, Ende des 19. Jahrhunderts: Ein junger Schriftsteller beginnt Gespenster zu sehen. Ihm erscheint der "Rabe", Hauptfigur einer Groschenromanreihe. Der maskierte Held bittet ihn um Hilfe bei der Umsetzung seines Plans, eine andere Romanfigur zu werden. Doch dazu mssen beide erst den geheimnisumwitterten Autoren der Abenteuer des Raben ausfindig machen ...

Meinung:

Der als Verlag ttige Verein Finix Comics hat sich darauf spezialisiert, frankobelgische Comic-Reihen, die in Deutschland nicht vollstndig verffentlicht wurden, zum Abschluss zu bringen. Doch nun haben die Finix-Macher ein neues Projekt gestartet: In der "Edition Solitaire" sollen in hochwertiger Aufmachung ausgewhlte Einzelbnde mit abgeschlossenen Geschichten erscheinen, die dem deutschen Publikum ansonsten vermutlich vorenthalten geblieben wren, da andere Verlage diese Titel nicht in ihr Sortiment aufnehmen wollten.

Als Auftakt fr die "Edition Solitaire" wurde "Mit fremder Feder" von Fabrice Lebeault ausgewhlt, das sich auf vielfltige Weise mit dem Thema des Geschichtenerzhlens auseinandersetzt: Als erfolgloser Autor im Paris des 19. Jahrhunderts verdient Fortun d'Hypocondre sein Geld berwiegend mit dem Schreiben von bissigen Literaturkritiken. Darin wettert er besonders lautstark gegen den populren Schriftsteller Homre Saint-Illide, dessen Groschenromane um einen maskierten Rcher namens "Rabe" er als mechanisch zusammengeschusterte Plagiate diverser anderer Romane entlarvt zu haben glaubt. Zum Beweis hat Fortun sogar einen eigenen "Rabe"-Roman nach genau diesem Strickmuster verfasst, dessen Verffentlichung Saint-Illide allerdings verhindern konnte.

Eines Abends geschieht jedoch Eigenartiges: Der "Rabe" hchstpersnlich erscheint in Fortuns Zimmer. Er hat die Welt, in der alle fiktiven Figuren der Literaturgeschichte gemeinsam leben, verlassen und sich in die Realitt begeben, denn der Romanheld befrchtet, dass Saint-Illide fr ihn und seine Abenteuer ein langweiliges, kitschiges Ende vorgesehen hat, das er nur zu gern vermeiden wrde. Stattdessen schwebt ihm der Wechsel ins Schurken-Fach vor, um seinem eigenen Charakter mehr Tiefe zu verleihen - und nicht zuletzt auch, um seinen niederen Instinkten gerecht zu werden. Von Fortun erhofft der fr andere Menschen unsichtbare "Rabe" sich nun Hilfe dabei, seinen uerst zurckgezogen lebenden Schpfer aufzuspren und davon zu berzeugen, die Geschichte nach diesen Vorstellungen weiterzufhren. So beginnt eine schwierige Suche nach dem mysterisen Homre Saint-Illide, die fr fiktive und reale Personen gleichermaen gefhrlich zu werden droht.

Neben den offensichtlichen Mystery-Anklngen geht es in "Mit fremder Feder" vor allem um die verschiedensten Aspekte des Verfassens von Fiktion: Romanfiguren entwickeln ein Eigenleben und versuchen, sich von ihrem Autor zu emanzipieren und selbst in den Konflikt zwischen anspruchsvollem Kunstwerk und seichter Massenunterhaltung einzugreifen. Wie der Titel dieses Comics schon andeutet, wird aber besonders die Frage nach der Originalitt eines Textes ausgiebig beleuchtet - ein Thema, das zur Zeit durch die Flle von Helene Hegemann und Jens Lindner, die ihre Werke mit aus "fremder Feder" stammenden Textpassagen schmckten, von hchster Aktualitt ist. Dank dieses interessanten Hintergrunds kann man als Leser darber hinwegsehen, dass die Geschichte, die sich anfangs angenehm viel Zeit fr ihre Figuren und die Handlung lsst, im letzten Drittel ein wenig berhastet (und nicht immer vollauf berzeugend) zum Ende gebracht wird.

Fabrice Lebeaults Zeichnungen brillieren vor allem bei der Darstellung des Settings: Das Paris des 19. Jahrhunderts wirkt ebenso pracht- wie geheimnisvoll, und nicht nur die geschmackvollen Farben von Albertine Ralenti, sondern auch Lebeaults Bleistiftschraffuren verleihen den Bildern dabei angenehm viel Tiefe und Textur. Auch die Figuren berzeugen mit ihrer dynamischen, aber dennoch realistischen Krperhaltung; gerade bei der Gestaltung der Gesichter wirken die Zeichnungen aber mitunter eine Nuance zu schlicht.

Hinsichtlich der Verarbeitung hat der Verlag fr das Debt seiner "Edition Solitaire" nicht gespart: Das groformatige Hardcover-Album wurde auf hochwertigem Papier gedruckt und weist ein elegant wirkendes Spot-Lack-Cover auf. Als Anhang wurden zudem einige Konzept-Illustrationen sowie die ursprngliche Kurzgeschichte beigefgt, mit der Fabrice Lebeault sich beim franzsischen Originalverlag beworben hatte. Dieses Bonusmaterial ist einmal mehr besonders fr diejenigen Leser aufschlussreich, die sich fr den Entstehungsweg einer Geschichte interessieren, denn die nderungen am Plot, die bis zur Verffentlichung vorgenommen wurden, waren mitunter gravierend.

Fazit:

In "Mit fremder Feder" bettet Fabrice Lebeault zahlreiche Aspekte der Entstehung und Vermarktung von Fiktion erfreulich gekonnt in eine spannende Handlung ein. Diese wird vor allem vom charmant-schurkischen Charakter des eigenwilligen "Raben" dominiert, der sich nicht damit abfinden will, dass sein Schpfer ein allzu biederes Happy-End fr ihn vorgesehen hat. Gegen Ende kommen die Struktur und der Spannungsbogen der Geschichte leider ein wenig ins Straucheln, doch das interessante und aktuelle Grundthema und die stimmungsvollen Bilder entschdigen fr dieses kleine Manko. Somit stellt "Mit fremder Feder" einen durchaus gelungenen Auftakt fr die "Edition Solitaire" von Finix Comics dar.

 
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