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Moréa 1: Das Blut der Engel  Drucken E-Mail
Comics: Frankobelgier Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Manuel Tants   
Montag, 20. Oktober 2008

Moréa 1: Das Blut der Engel

Zeichner: Thierry Labrosse

Originaltitel: Moréa 1: Le Sang des Anges
Übersetzt von: Tanja Krämling

Reihe: Moréa
1. Band der Reihe

Verlag: Splitter
Format: Hardcover
Erschienen: Oktober 2007
ISBN: 978-3-939823-90-2
Preis: 12,80 EUR

48 Seiten
Inhalt
5.0
Zeichnungen
6.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.0

Wertung:
6.0
von 10
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Zum Inhalt:

Im Jahr 2082 ist Kuba zum Dreh- und Angelpunkt der Weltwirtschaft geworden. Die junge Moréa Doloniac arbeitet für die DWC, einen der mächtigsten multinationalen Konzerne der Welt, der von einem ihrer entfernten Verwandten geleitet wird. Doch nach einem brutalen Attentat auf den Firmensitz gerät sie zwischen die Fronten eines infernalischen Krieges, den Engel und Drachen - mythische und doch höchst reale Wesen - seit Urzeiten hinter dem Rücken der Menschen austragen. Moréa muss um ihr Leben und das ihrer Freunde kämpfen und ihre eigene Rolle in diesem uralten Krieg akzeptieren.

Meinung:

Christoph Pelinq alias Christophe "Scotch" Arleston ist zweifellos ein Star unter den zeitgenössischen französischen Comic-Szenaristen. Diesen Ruf verdankt er vor allem seiner erfolgreichen "Lanfeust von Troy"-Reihe und deren Ablegern. Mit "Moréa" versucht er sich einmal an einem Genre abseits klassischer Fantasy-Welten und wagt sich ins Revier der Science-Fiction mit leicht esoterischem Einschlag vor. Die Pin-up-taugliche Titelheldin der auf fünf Alben angelegten Serie beginnt ihr Abenteuer als durchschnittliche Angestellte eines globalen Mega-Konzerns, doch schon bald wird ihr enthüllt, dass sie in dem seit Ewigkeiten schwelenden Konflikt zwischen den uralten Mächten der "Engel" und der "Drachen" eine Schlüsselrolle einnehmen wird.

Diese Grundvoraussetzung ist alles andere als originell; Im Grunde basiert beispielsweise das gesamte Comic-Universum des US-amerikanischen Verlags Top Cow (u.a. "Witchblade") auf einem vergleichbaren Konzept, auch wenn dort das Sci-Fi-Setting fehlt. Leider ist dem Autor die Umsetzung ebenso unspektakulär geraten wie das Thema selbst. Der Leser bleibt also - zumindest im ersten Band - von überraschenden Wendungen oder erfrischend neuen Blickwinkeln auf diesen recht abgegriffenen Plot völlig verschont, während Moréa Doloniac nach und nach erfährt, warum sie den Anschlag auf den Megakonzern, der von ihren entfernten Verwandten geleitet wird, überlebt hat. Und so stellt sich auch kein besonders großes Interesse für das weitere Schicksal der Protagonistin ein, wenn man nicht gerade Mitleid für Moréa entwickelt, weil ihre Kleidung immer wieder an "strategisch günstigen" Stellen reißt und so dem Zeichner die Gelegenheit gibt, ein paar nackte Tatsachen einzustreuen.

Auch der Schauplatz selbst dürfte niemanden ins Staunen versetzen: In der futuristischen Stadt düst der wohlhabende Teil der Bevölkerung mit schwebenden Autos (deren Gestaltung sehr an die Fahrzeuge aus dem Film "Das fünfte Element" erinnert) durch die Wolkenkratzerschluchten, während sich auf dem Boden das gemeine Volk in schummrigen Kneipen amüsiert. Zeichner Thierry Labrosse setzt diese Szenerie zwar gekonnt um, kann den Bildern aber keine eigenständigen Aspekte hinzufügen, die sie über den Durchschnitt heben würden. Gerade bei den Gesichtern der Charaktere wirken seine Entwürfe außerdem mitunter etwas zu fahrig, um wirklich gefallen zu können, zumal die detailarmen Mienen nicht so recht mit den sorgsam ausgearbeiteten Hintergründen harmonieren wollen. Die Farben von Didier Arpin wirken eine Spur zu aufdringlich und sind gelegentlich etwas grob eingefügt worden - vielleicht hatte der Kolorist aber auch nur Mühe, sich an den Detailmangel in den Zeichnungen anzupassen.

Der "geheime Krieg" von Gut gegen Böse, der schon seit Jahrtausenden unbemerkt von der Menschheit auf Erden ausgetragen wird, ist nicht nur ein schon oft verwendetes Motiv - er ist inzwischen auch längst wieder aus der Mode gekommen. Mitte der 1990er Jahre war diese Idee so beliebt, dass sie aus heutiger Sicht fest mit dieser Zeit verknüpft zu sein scheint und daher geradezu altmodisch wirkt. Als "Das Blut der Engel" im Jahr 2000 erstmals in Frankreich erschien, mag das noch nicht ganz so problematisch gewesen sein, aber heutzutage wird man mit diesem Plot vermutlich kaum noch jemanden begeistern können - zu oft hat man als Leser bereits das Schicksal von ahnungslosen Auserwählten begleitet, die in einem ewigen Krieg das entscheidende Zünglein an der Waage spielen sollen.

Fazit:

Man bekommt bei fast allen Aspekten des ersten "Moréa"-Bandes das Gefühl, all das schon einmal gesehen zu haben. Das gilt sowohl für die Handlung als auch für das gesamte Setting sowie die Zeichnungen, die zudem ein wenig zu detailarm und flüchtig wirken, um vollends beeindrucken zu können. "Das Blut der Engel" ist keineswegs schlecht, aber wer sich in den letzten zehn Jahren halbwegs intensiv mit Comics auseinandergesetzt hat, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er bereits mehrere ähnliche Geschichten im Schrank stehen hat - was im Umkehrschluss die Anschaffung dieser durchwegs unoriginellen Zukunftsvision reichlich überflüssig macht.
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