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Der Herr der Finsternis  Drucken E-Mail
Comics: Frankobelgier Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Manuel Tants   
Samstag, 13. Juni 2009

Der Herr der Finsternis

Zeichner: Dim. D

Originaltitel: Le Seigneur d'Ombre
bersetzt von: Resel Rebiersch

Format: Hardcover
Erschienen: Mai 2009
ISBN: 978-3-7704-3307-0
Preis: 39,95 EUR

192 Seiten
Inhalt
3.0
Zeichnungen
7.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
5.6

Wertung:
5.6
von 10
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Zum Inhalt:

Eine schreckliche Bedrohung ergreift die Welt von Dyfed. Von seinem Knigreich aus zieht Fedath, der Herr der Finsternis, mit einem Heer gegen die friedlichen Territorien. Der Kampf um Dyfed beginnt, und das Reich des Bsen weitet sich von Tag zu Tag aus. Menschen, Elfen und Zwerge mssen sich zusammenschlieen und ihr Land verteidigen. Bran macht sich auf die Suche nach einem alten Zauberbuch, in dem das Wissen um die Zerstrung des Herrn der Finsternis zu finden ist. Trotz zahlloser Prfungen und geringen Chancen auf Erfolg besteht Hoffnung, getragen von Mut, Loyalitt und Brderlichkeit seiner Gefhrten.

Meinung:

Damit Comic-Leser nicht befrchten mssen, dass die Verffentlichung einer Serie mittendrin abgebrochen wird, hat die Ehapa Comic Collection sich dazu entschlossen, einige Reihen von vornherein in Komplettbnden herauszugeben. Auch "Der Herr der Finsternis" von Szenarist Jean-Luc Istin und Illustrator Dim. D kommt in den Genuss dieser Behandlung, und so wird das im franzsischen Original vierbndige Fantasy-Epos hierzulande in einer massiven, beinahe 200 Seiten umfassenden Hardcover-Ausgabe aufgelegt. Das gibt der Kundschaft nicht nur die Sicherheit, die Geschichte vollstndig vorgesetzt zu bekommen, sondern ist obendrein fr den Leser auch finanziell ein wenig gnstiger - bei vier separaten Alben htte der Gesamtpreis sicher hher gelegen.

Protagonist in "Der Herr der Finsternis" ist der Krieger, Magier und Wissenschaftler Bran Ravenfeld, eine Mischung aus Gandalf und Obi-Wan Kenobi. Diese Vergleiche darf man durchaus wrtlich nehmen, denn die Geschichte mutet sehr stark wie eine Nacherzhlung der "Star Wars"-Filme an, die in ein "Der Herr der Ringe"-Setting mit Elfen, Zwergen, Orks und Trollen verfrachtet wurden. Die Parallelen gehen so weit, dass man auf der Stelle einzelne Charaktere aus dem Comic mit den Figuren der Film-Saga gleichsetzen kann. Da wre etwa der schneidige, geldgierige, aber letzten Endes doch gutherzige Schmuggler-Kapitn Tor (= Han Solo), oder Balor, der Adjutant des Herrn der Finsternis, der einstmals auf Seiten des Guten stand, dann aber von der bsen Macht verfhrt wurde - siehe Anakin Skywalker bzw. Darth Vader. Doch auch einige markante Schlsselszenen, beispielsweise Brans Kampf gegen seine eigene dunkle Seite, bei der die beiden Kontrahenten zudem noch blau bzw. rot leuchtende Schwerter benutzen, erinnern berdeutlich an die Weltraumoper von George Lucas.

Darber hinaus gibt es noch weitere klar erkennbare Anleihen. So wird mehrfach auf das Neue Testament angespielt - Bran ist nun einmal ein Heilsbringer, der auf seinem eigenen Weg zur Gttlichkeit die Botschaft der Vergebung und der Nchstenliebe predigt. Kurz nachdem er eine ganze Stadt erfolgreich zu dieser Haltung bekehrt hat, handelt er selbst allerdings diesem Gebot ganz offen zuwider - was aber wiederum niemanden, nicht einmal ihn selbst, zu stren scheint. Auch bei anderen, weniger allgemein bekannten Quellen hat man sich dreist bedient. Das seelenverschlingende Schwert "Talandar" beispielsweise erinnert von der Wirkungsweise stark an die Videospielreihe "Soulcalibur" - und die beiden Schpfer des Comics kennen dieses Spiel mit Sicherheit, denn fr ein weiteres Schwert kopieren sie haargenau die recht einzigartige Optik einer Waffe aus diesem Game.

Eigenstndigkeit sucht man in "Der Herr der Finsternis" also vergeblich. Die Handlung versucht, epische Gre zu erreichen, bleibt aber abgeschmackt und komplett vorhersehbar. Auch die Charaktere verhalten sich genau so, wie man es von den Originalen, deren Abziehbilder sie sind, bereits kennt. Die Dialoge triefen zudem vor Pathos und nerven mit ewigen "Wir kmpfen fr das Licht!"-Beteuerungen. Zeitgenssische Fantasy sieht sicherlich anders aus, und es gibt keinen vernnftigen Grund dafr, sich als Leser noch einmal dieser bereits dutzendfach erzhlten Geschichte auszusetzen.

Gegenber der Handlung stellen die Illustrationen von Dim. D geradezu einen Lichtblick dar, auch wenn sie einige kleinere Mngel aufweisen. Der Franzose mit dem ungewhnlichen Pseudonym setzt bei seiner zweiten Zusammenarbeit mit Jean-Luc Istin auf einen Stil, der auf den ersten Blick an lgemlde erinnert und erst bei nherem Hinsehen als Computer-Kolorierung zu erkennen ist. Das passt durchaus zu dem Ziel, epische Schlachtengemlde vor dem Betrachter entstehen zu lassen, auch wenn die Farben mitunter ein wenig zu krftig aufgetragen wurden und den Eindruck leicht in Richtung Kitsch verschieben. Sowohl bei Massenauflufen als auch bei groformatigen Gesamtansichten architektonischer Wunder kann Dim. Ds Arbeit allerdings durchaus beeindrucken. Leider gelingen ihm die Figuren nicht immer gleichbleibend gut; hier schleichen sich mitunter kleine Nachlssigkeiten ein, und gerade mit der berzeugenden Darstellung von Mimik hat er hin und wieder leichte Schwierigkeiten.

Fazit:

Ein wenig Neues Testament, dazu viel Tolkien und noch mehr "Star Wars": Originell ist die Handlung von "Der Herr der Finsternis" nicht einmal ansatzweise, zumal die Quellen, aus denen Jean-Luc Istin sich hier so grozgig bedient hat, allzu offensichtlich zu erkennen sind. Fast jede Figur stammt eigentlich von George Lucas, und manche Szene ist so dreist und schamlos abgekupfert, dass es schon nicht mehr lustig ist. Leider entsteht aus der Verfrachtung der "Star Wars"- bzw. Heilsbringer-Handlung ins "Herr der Ringe"-Ambiente kein eigenstndiger Charme. Das Geschehen hat den Anspruch, den epischen Kampf von Gut gegen Bse darzustellen, bleibt dabei aber durchweg seicht und vorhersehbar, und auch den Charakteren werden keine neuen Facetten hinzugefgt. Freunde epischer Fantasy-Schlachten knnen sich immerhin noch an den weitgehend gelungenen, aber manchmal leicht verkitschten Illustrationen von Dim. D erfreuen.
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