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100% Marvel 37: Die neuen Rächer - Illuminati  Drucken E-Mail
Comics: DC & Marvel Comics
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Samstag, 1. Mai 2010

Die neuen Rächer - Illuminati

Zeichner: Jim Cheung

Originaltitel: The New Avengers: Illuminati 1-5
Übersetzt von: Reinhard Schweizer

Reihe: 100% Marvel
37. Band der Reihe

Format: Softcover
Erschienen: Oktober 2008
Preis: 16,95 EUR

124 Seiten
Inhalt
5.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.2

Wertung:
7.2
von 10


Zum Inhalt:

Dr. Strange, Black Bolt, Professor X, Mr. Fantastic, Sub-Mariner und Iron Man. Sechs Männer, die zusammenkamen, um die Welt und den Status der Superhelden zu formen! Niemand wusste von ihrem Bund, um das Vertrauen untereinander zu wahren. Nicht einmal Freunde oder Familie. Was sie getan haben und wie, blieb ein Rätsel ... bis jetzt. Über Jahre hinweg haben sie die Erde nach ihrem Gutdünken vor Gefahren geschützt. Doch nun droht dem Planeten ein Verderben, das sie maßgeblich zu verantworten haben ...

Meinung:

Der Name "Illuminati" steht für Geheimbünde und Verschwörungen, oftmals in Verbindung mit dem berühmten Templer-Orden. Im Marvel-Universum ist der Name eine Bezeichnung für einen Zusammenschluss von sechs der mächtigsten Superhelden. Ihren ersten Auftritt hatten sie in "New Avengers: Illuminati", einem One-Shot, der kurz vor dem Crossover "Civil War" erschien und diesen einleitete. Von dem damaligen Kreativteam ist bei dieser Miniserie nur der Autor Brian Michael Bendis geblieben.

Innerhalb des Bandes werden fünf verschiedene Abenteuer erzählt, die diese Gruppe von Helden im Laufe der Zeit erlebt hat. Die erste Geschichte handelt von ihrem Besuch auf der Heimatwelt der Skrull, einer gestaltwandelnden Rasse. Die sechs versuchen diese einzuschüchtern, was jedoch nicht ganz klappt. Als Zweites wird beschrieben, wie die Illuminati auf Anregung von Reed Richards hin den Infinity Gauntlet wieder zusammenstellen, eines der mächtigsten Artefakte des gesamten Marvel-Universums. In der Erzählung darauf untersuchen sie die wahre Herkunft des Beyonders - eines der mächtigsten Marvel-Comic-Wesen -, während sie sich in der vierten Geschichte mit einem jungen Kree, einer weiteren außerirdischen Spezies, beschäftigen. Zuletzt müssen sie sich mit den Konsequenzen ihrer Erlebnisse aus dem ersten Abenteuer auseinandersetzen. Denn die Aliens haben aus dem Besuch gelernt und bedrohen jetzt die Erde.

Das Kreativteam der Serie ist hochkarätig besetzt: Brian Michael Bendis ist einer der Top-Autoren im Marvel-Universum. Bekannt wurde er mit seiner Serie "Powers", die er gemeinsam mit dem Künstler Michael Avon Oeming gestaltete. Bei Marvel Comics konnte er dann mit der Serie "Ultimate Spider-Man" durchstarten. Aktuell schreibt er unter anderem die Serien "New Avengers" und "Dark Avengers". Sein Co-Autor ist Brian Reed, der zuvor jahrelang Videospiele entwickelt hatte, darunter auch "Spider-Man: Friend or Foe". Mit der Serie "Ms. Marvel" gelang ihm der Durchbruch bei Marvel Comics. Jim Cheung ist der Comic-Zeichner, der früher Titel wie "Maverick" oder "X-Force" künstlerisch gestalten durfte. Nach einem Abstecher zum Crossgen-Verlag, wo er seinen Zeichenstil bei der Serie "Scion" enorm weiterentwickelte, kam er 2005 wieder zurück zu Marvel. Dort zeichnete er unter anderem die Serie "Young Avengers", die von Kritikern und Fans gleichermaßen gelobt wurde.

Die Idee, die hinter der Miniserie steckt, klingt durchaus interessant. Erzählt werden sollen die verschiedenen Abenteuer der sechs mächtigsten Helden aus dem Marvel-Universum. Und ihre Erlebnisse greifen berühmte Handlungsstränge der Comics wieder auf. So spielt beispielsweise der erste Teil nach dem Kree-Skrull-War, einer berühmten Geschichte aus den Anfangsjahren von Marvel. Das dritte Kapitel hingegen findet nach dem Secret-War-Crossover statt, welches eines der ersten Großereignisse des Verlages war. Eigentlich gute Voraussetzungen, um darauf basierend gute Geschichten zu erzählen. Doch leider schaffen die Autoren es nicht, dieses Potenzial auszuschöpfen.

Dies liegt an verschiedenen Problemen: So wirken die Geschichten ziemlich fragmentarisch und die Figuren agieren teilweise doch stark anders, als man es von ihren bisherigen Auftritten her kannte. Und schließlich gibt es da noch massive Probleme mit der Marvel-Kontinuität. Der Band soll auf das Crossover "Secret Invasion" hinarbeiten, wofür eigentlich nur die erste und die letzte Geschichte von Belang sind. Und auch nur zwischen diesen beiden existiert ein roter Faden. Ansonsten sind alle Erzählungen im Prinzip nicht mehr als One-Shots, die zufälligerweise in einer Miniserie erscheinen. Es fehlt der innere Zusammenhang, eine heftübergreifende Handlung, die alles zusammenhält. Das Grundprinzip, die Erlebnisse der Illuminati zu erzählen, reicht dafür nicht aus.

Zuletzt ist für Fans, die auf eine gewisse Stringenz innerhalb des Marvel-Universums setzen, das Problem mit der Kontinuität am schlimmsten. Unter der Ägide des Chefredakteur Joe Quesada nahm man es mit dem inneren Kontext nicht mehr ganz so genau und die Folgen davon sieht man hier anhand der zweiten Geschichte, die nach dem Infinity-Gauntlet-Crossover spielt. Reed Richards und die anderen sammeln die einzelnen Infinity Gems und beschließen am Ende der Geschichte, die Steine aufzubewahren. Das Ganze beißt sich jedoch mit einem ganzen Haufen anderer Handlungsstränge, darunter auch der Serie "Thanos", die erst vor ein paar Jahren erschienen ist. In allen Erzählungen waren diese mächtigen Edelsteine in den Händen von anderen Personen, aber nicht in denen der Illuminati. Wenn die Geschichte in der aktuellen Marvel-Zeit spielen würde, wäre das sicherlich kein Problem, doch anhand bestimmter Indizien, wie zum Beispiel dem Kostüm von Reed Richards, muss man die Geschichte früher in der Kontinuität platzieren.

Jim Cheungs Zeichnungen sind eine Klasse für sich. Sie sind äußerst detailliert und wissen selbst in Kleinigkeiten zu überzeugen. So sieht man zum Beispiel, wie die Gesichter der sechs Männer im Laufe der einzelnen Hefte immer mehr altern und aufgrund ihrer Erlebnisse schon teilweise fast verhärmt wirken. Dies fällt besonders an dem von Dr. Strange, dem Erzmagier des Marvel Universums, auf. Reinhard Schweizer liefert bei seiner Übersetzung eine gute Arbeit ab. Ihm gelingt es problemlos, die vielen wortreichen Dialoge ins Deutsche zu übertragen.

Fazit:

Trotz der guten Voraussetzungen durch das Kreativteam aus Brian Michael Bendis und Brian Reed kann "Die neuen Rächer - Illuminati" nicht sehr überzeugend. So ist die Erzählung stark fragmentarisch und ohne einen durchgehenden roten Faden, der die einzelnen Kapitel miteinander verknüpft, aufgebaut. Zusätzlich gibt es noch zu viele Out-of-Character-Szenen bei den Illuminati. Doch was für Fans wohl am schlimmsten sein dürfte, ist der ziemlich freie Umgang mit der Marvel-Kontinuität. Die Erzählungen widersprechen anderen Geschichten, die teilweise erst wenige Jahre alt sind. Sehr überzeugend ist hingegen die Arbeit von Jim Cheung. Seine Zeichnungen zeigen sehr viel Detailliebe, wie zum Beispiel die älter werdenden Gesichter der agierenden Figuren.

 
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