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Wer sich in Gefahr begibt  Drucken E-Mail
Bcher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 1. April 2009

Wer sich in Gefahr begibt

Originaltitel: A Rare Interest in Corpses
bersetzt von: Axel Merz

1. Band der Reihe

Untergenre: Historisch
Verlag: Bastei Lbbe
Erschienen: November 2008
ISBN: 978-3-404-15945-1
Preis: 8,95 EUR

365 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
6.1

Wertung:
6.1
von 10
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Zum Inhalt:

England, 1864. Als Lizzie Martin mit dem Zug nach London kommt, um eine neue Stelle anzutreten, ahnt sie nicht, welche Abenteuer hier auf sie warten. Doch schon der erste Eindruck, den sie von der Stadt bekommt, ist bedrckend. Bereits vor dem Bahnhof begegnet sie einem Leichenwagen, der eine tote Frau abtransportiert. Und in ihrem neuen Heim angekommen, erfhrt sie, dass ihre Vorgngerin unter mysterisen Umstnden von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden ist. Lizzies Neugier ist geweckt. Zusammen mit ihrem alten Bekannten Inspector Benjamin Ross beginnt sie nachzuforschen und muss schon bald erfahren, dass ein Mrder, der sich in die Enge getrieben fhlt, wohl der gefhrlichste aller Verbrecher ist ...

Meinung:

Nach den Mitchell-und-Markby-Romanen und ihrer Fran-Varady-Reihe beginnt Ann Granger mit "Wer sich in Gefahr begibt" eine Krimiserie, die im historischen London spielt. Die Stadt erlebt gerade einen gewaltigen Wandel: Ganze Viertel werden abgerissen, um dem geplanten Bahnhof zu weichen und den Ausbau der Eisenbahn voranzutreiben. Diese ueren Vernderungen sind zum Teil auch die Ursache fr den inneren Wandel der Bevlkerung, die veralteten gesellschaftlichen Grenzen lockern sich und es entstehen neue Karrieremglichkeiten fr die unteren Schichten.

Lizzie Martin stammt aus Derbyshire und war nach dem Tod ihres Vaters gezwungen, eine Anstellung zu suchen, um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern. Da kam das Angebot von Mrs. Parry, fr die sie in London als Gesellschafterin arbeiten soll, gerade recht. Doch schnell findet Lizzie heraus, dass es nicht reine Herzensgte war, die Mrs. Parry dazu veranlasst hat, sie einzustellen. Ihre vorherige Gesellschafterin, Madeleine Hexham, ist anscheinend mit einem Mann durchgebrannt und eine solche Enttuschung mchte die Witwe nie wieder erleben - vor allem, da dieser Fehltritt ihrer Angestellten auch auf ihren guten Ruf abfrben knnte.

Diese Haltung, die vor allem darauf aus ist, das Ansehen des Haushalts zu wahren, macht es Inspector Benjamin Ross von Scotland Yard nicht gerade einfacher, Antworten auf seine Fragen zu finden, als die Leiche von Miss Hexham gefunden wird. Niemand scheint daran interessiert zu sein, den Mrder der jungen Frau zu finden. Stattdessen ist Mrs. Parry damit beschftigt, dass keine Verbindung zu ihrer Familie hergestellt wird, whrend die Eisenbahngesellschaft, auf deren Grund und Boden die Leiche gefunden wurde, nur darauf bedacht ist, mit den Bauarbeiten fr den neuen Bahnhof nicht in Verzug zu geraten.

Als Benjamin Ross feststellen muss, dass Lizzie Martin inzwischen in dem betroffenen Haushalt als Gesellschafterin arbeitet, ist der aufstrebende Polizist zwiegespalten. Lizzies Vater war sein Frderer und ihm war es zu verdanken, dass der Sohn eines Bergarbeiters eine Schulbildung - und somit die Chance auf einen besseren Beruf - bekam. Es wre ein schlechter Dank fr die Gte des Vaters, wenn Ross zulassen wrde, dass Lizzie in ihrer neuen Stellung in Gefahr geraten wrde. Doch ohne die Informationen, die ihm die junge Frau ber die Hausbewohner und die verstorbene Madeleine Hexham geben kann, wrde der Inspector mit seinen Ermittlungen kaum weiterkommen.

Wer gern und hufig Romane dieses Genres liest, dem wird sehr schnell auffallen, dass die beiden Hauptfiguren Lizzie Martin und Benjamin Ross sehr viele hnlichkeiten mit den Charakteren der Autorin Anne Perry haben. Doch trotz aller Parallelen unterscheiden sich die Schreibstile von Ann Granger und Anne Perry so sehr, dass man "Wer sich in Gefahr begibt" ohne das rgerliche Gefhl lesen kann, dass hier kopiert wurde. Allerdings ist es bedauerlich, dass Ann Granger - wie so viele andere Autorinnen von historischen Kriminalromanen vor ihr - auf eine Frauenfigur zurckgreift, die aufgrund der sorglosen Erziehung durch den verwitweten Vater mehr Bildung aufgesogen hat, als ihrem Stand angemessen ist.

Ann Granger konzentriert sich zwar in den Teilen der Geschichte, die von Lizzie Martin erzhlt werden, in erster Linie auf die gehobene Gesellschaft, fr die sie arbeitet, aber trotzdem bekommt die junge Frau einiges von dem mit, was sich zum Beispiel im Dienstbotenbereich oder in ihrer nheren Umgebung auf den Londoner Straen abspielt. Die Kapitel um Benjamin Ross hingegen zeigen ein deutlich gemischteres Bild der Stadt, denn der Inspector streift bei seinen Ermittlungen ebenso durch die Armenviertel und ber die Baustelle der Eisenbahngesellschaft wie durch die Salons der begterten Bewohner Londons. Natrlich entsteht so kein historisch korrektes Bild, aber dafr gelingt es Ann Granger, dem Leser das Gefhl zu vermitteln, sich eine stimmige Vorstellung der Lebensumstnde zu dieser Zeit machen zu knnen.

Diese Darstellung der verschiedenen Gesellschaftsschichten steht ebenso wie die Charakterisierung der unterschiedlichen Figuren im Vordergrund, whrend der Mord an Miss Hexham nur den Rahmen fr diese Elemente bietet. Doch obwohl die Ermittlungen um den frchterlichen Tod der jungen Gesellschafterin so unaufdringlich geschehen, hlt Ann Granger gengend Spannung aufrecht, um die Aufmerksamkeit des Lesers zu erhalten. Die Autorin verzichtet auf blutrnstige Detailbeschreibungen und konzentriert sich eher darauf, eine klassische Whodunit-Handlung zu erzhlen, bei der man sich angenehmerweise seine eigenen Gedanken zum Tter machen kann. Auch wenn einige der berraschenden Wendungen ein wenig sehr vorhersehbar sind, sorgt Ann Grangers leichte Erzhlweise doch fr unterhaltsame Stunden mit Lizzie Martin und Benjamin Ross.

Fazit:

Mit ihrem ersten historischen Kriminalroman, "Wer sich in Gefahr begibt", liefert Ann Granger eine routinierte Geschichte nach vertrautem Schema. Doch auch wenn der erfahrene Leser dieses Genres viele Elemente oder Charaktertypen in der Geschichte wiederzuerkennen meint, sorgt der leichte und unterhaltsame Erzhlstil der Autorin genauso wie die sympathischen Hauptfiguren dafr, dass man ber eventuelle hnlichkeiten hinwegsehen und das Buch einfach genieen kann. Zusammen mit Lizzie Martin und Benjamin Ross kann der Leser die Ermittlungen um den Tod einer naiven jungen Gesellschafterin aufnehmen und sich seine Gedanken um die Identitt des Mrders machen.
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