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Unter Wasser stirbt man nicht!  Drucken E-Mail
Bcher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 27. Oktober 2008

Unter Wasser stirbt man nicht!

Originaltitel: The Drowning Pool
bersetzt von: Hubert Deymann

Verlag: Diogenes
Erschienen: Januar 2008
ISBN: 978-3-257-23710-8
Preis: 6,00 EUR

224 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Anfangs machen fast alle Auftrge an Lew Archer einen relativ simplen Eindruck. So scheint auch diesmal Routine angesagt, abgesehen davon, dass sich der Privatdetektiv ber das Verbot, die zentrale Person zu kontaktieren, hinwegsetzen muss. Doch schon an seinem ersten Tag im neuen Job findet der Ermittler eine Leiche und schon sieht sich Lew Archer zwischen den verschiedenen Fronten.

Meinung:

Ross Macdonald gilt neben Raymond Chandler und Dashiell Hammett als einer der fhrenden Vertreter der hardboiled novels. "Unter Wasser stirbt man nicht" ist sein zweiter Roman um den Privatdetektiv Lew Archer. Dieser Roman erschien in Deutschland auch schon unter den Titeln "Wer zgert ist verloren" und "Kein l fr Mrs. Slocum" - und wurde mit Paul Newman in der Titelrolle verfilmt.

Auch wenn der Auftrag fr den Privatdetektiv ungewhnlich ist, vermutet Lew Archer hinter diesem Job keine greren Schwierigkeiten. Seine Klientin Maude Slocum hat einen Brief abgefangen, der an ihren Mann gerichtet war. Darin wird Mr. Slocum davon unterrichtet, dass seine Frau ihn betrgt - und dazu angestachelt, etwas gegen dieses Verhalten zu unternehmen. Mrs. Slocum geht es weniger darum, den Verfasser dieses Briefes zur Verantwortung zu ziehen, als vielmehr darum zu verhindern, dass noch mehr solcher Anschreiben folgen, von denen dann eins in die Hnde ihres Mannes geraten knnte. Lew Archer macht sich auf nach Nopal Valley, wo er auf dem Anwesen der Slocums eine hchst seltsame Familie vorfindet. Die Tatsache, dass er keine Fragen stellen darf, damit niemand dahinter kommt, dass er ein Detektiv und von Maude engagiert worden ist, macht ihm seine Ermittlungen nicht einfacher.

James Slocum versucht sein Glck in der Schauspielerei zu finden, untersttzt von seinem Freund, dem Regisseur und Autor Francis Marvell. Whrend ihr Vater seine Befriedigung auf der Bhne sucht und ihre Mutter mit dem beschrnkten Leben auf dem Anwesen in Nopal Valley eindeutig nicht glcklich ist, muss sich Tchterchen Cathy der unwillkommenen bergriffe des Chauffeurs Reavis erwehren - und ber allem hockt Olivia Slocum. James Mutter ist es, die den kostbaren Grund besitzt, fr dessen Nutzungsrechte lfirmen eine Menge geben wrden. Doch das Geld lockt die alte Dame nicht. Sie geniet ihr Alter in der Landschaft, die sie und ihren Mann verzauberte, als sie sich in dem Tal niederlieen - und sie geniet die Macht, die sie aufgrund der finanziellen Verhltnisse ber die Mitglieder ihrer Familie hat.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Olivia Slocum kurz nach Lew Archers Ankunft tot im Swimmingpool aufgefunden wird. Ein Verdchtiger ist auch schnell gefunden, treibt neben der Leiche doch die Mtze des soeben entlassenen Chauffeurs. Aber auch wenn Polizeichef Knudson mit einer so einfachen Lsung zufrieden ist, reicht Lew Archer dieses Indiz allein nicht, um die Suche nach dem Tter zu beenden.

Doch fr Ross Macdonald steht in seinen Geschichten weniger die Frage nach dem Tter, sondern die nach dem Motiv im Vordergrund. Lew Archer, der wie viele Privatdetektive in die Kategorie "ehemaliger Polizist" fllt, beobachtet seine Umgebung nur allzu gut und bemerkt viele Details, die die Beteiligten zu gern unter den Teppich kehren wrden. Aber der Detektiv ist nicht nur ein guter Beobachter, er ist auch betroffen von dem, was er sieht und erlebt.

Ob es um die Frau aus reichem Hause geht, die sich ihre Falle selbst gegraben hat und nun zu schwach ist, um einen anderen Weg zu finden, oder um die kleine Barbedienung, die doch nur vom huslichen Glck als Ehefrau trumt, Lew Archer fhlt mit diesen Personen mit - und versucht sein Mglichstes, um diesen Menschen ein Stckchen weiterzuhelfen. Im Gegensatz zu einem Sam Spade oder Philip Marlowe beobachtet er nicht nur das Geschehen um sich herum, sondern greift auch mal aktiv ein. Seine Integritt streicht die kleinen und groen Vergehen der anderen Charaktere nur noch deutlicher heraus.

Neben den vielschichtigen Figuren und ihren verflochtenen Beziehungen besticht der Roman auch durch die allgemeine Schilderung des Nopal Valley. Diese vor Kurzem so vergessene Stadt, deren Frieden von nichts gestrt wurde, ist in die Hnde der lfirmen gefallen. Und mit der Entdeckung der lvorkommen kamen nicht nur die rauen und ungehobelten Bohrturm-Arbeiter in die Gegend, auch Verbrecher folgten dem Geruch des Geldes, zogen ihr Netz durch die vormals so lndliche Region und hinterlieen ihre verderblichen Spuren in der Gesellschaft.

Fazit:

Ross Macdonald wird in der Regel in einem Atemzug mit Raymond Chandler und Dashiell Hammett genannt. Doch seine Figur Lew Archer unterscheidet sich in ihrem Charakter von den eher distanzierten Protagonisten der anderen Autoren. Der Privatdetektiv ist nicht nur ein guter Beobachter, der die Schwchen der Personen in seiner Umgebung przise aufdeckt, ihn bewegt auch ein ganz besonderes Mitgefhl. Seine Beobachtungen und sein liebevoller Umgang mit den Menschen machen "Unter Wasser stirbt man nicht" nicht nur zu einem spannenden Lesevergngen, sondern auch zu einem faszinierenden Abbild einer Gesellschaft, in der der Frieden einer Region der Macht des ls weichen muss.
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