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Träume süß, Dornröschen  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 2. September 2009

Träume süß, Dornröschen

Originaltitel: A Kind of Vanishing
Übersetzt von: Veronika Dünninger

Verlag: BLT
Erschienen: März 2009
ISBN: 978-3-404-92319-9
Preis: 8,95 EUR

462 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Ein Sommertag an der englischen Südküste. Alice und Eleanor, zwei neunjährige Mädchen, spielen in den Ruinen eines verlassenen Dorfes Verstecken. Alice wird nie mehr von diesem Ausflug zurückkehren. Sie verschwindet. Ohne jede Spur. Und Eleanor hüllt sich in Schweigen. Was ist an jenem Nachmittag in den Ruinen wirklich passiert? Ist es möglich, dass Eleanor mehr weiß, als sie zugibt?

Meinung:

Wie bei Stewart O'Nans Titel "Alle, alle lieben dich" stehen auch bei "Träume süß, Dornröschen" weniger die Ermittlungen in einem Kriminalfall im Vordergrund, sondern vielmehr die Auswirkungen eines Verbrechens auf die Umgebung. Lesley Thomson geht aber in einem weniger dokumentarischen Stil an die Geschichte heran und bemüht sich stattdessen, den Leser in die gleiche verwirrende emotionale Spirale zu ziehen, die die betroffenen Personen erfasst hat.

Im Juni 1968 verschwindet ein kleines Mädchen spurlos aus einem kleinen Ort an der englischen Küste. Für den Leser beginnt die Geschichte aus der Perspektive der gleichaltrigen Eleanor Ramsay, die gezwungen wurde, ihre kostbaren Ferientage zusammen mit Alice aus dem Ort zu verbringen. Schnell wird deutlich, dass die beiden so gar keine Gemeinsamkeiten haben und nur deshalb zusammen spielen, weil ihre Eltern der Meinung sind, dass sie es tun sollten.

Während Eleanor in einer Intellektuellen-Familie aufwächst, in der sich die Eltern recht wenig um die Kinder kümmern, kommt Alice aus einem sehr behüteten Elternhaus. Sie wird von ihrer Mutter zu einer netten und höflichen jungen Dame erzogen und vom Vater verwöhnt. Auch aus ihrer Sicht bekommt man das erzwungene Zusammensein mit dem anderen Mädchen gezeigt und schnell wird klar, dass Alice noch nie zuvor so nah dran war, ihren Eltern ungehorsam zu sein. Sie kann mit Eleanors burschikoser Art einfach nicht umgehen. Nur die Tatsache, dass der nette Doktor Mark Ramsay das schüchterne Mädchen nie in Verlegenheit bringt und ihm anscheinend wirklich daran gelegen ist, dass Alice mit seiner Tochter spielt, bringt sie dazu, weiterhin ihre Zeit mit Eleanor zu verbringen.

Nach und nach lässt die Autorin die Fassaden bröckeln, hinter denen sich anfangs die klischeebehafteten Familien verstecken. Es zeigt sich, dass vor allem in Eleanors Familie nicht alles so heil ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Isabel Ramsay bildet zwar den heiteren Mittelpunkt einer jeden Party, verkriecht sich aber dann mit Depressionen in ihrem abgedunkelten Zimmer und hat keinen Blick für ihre Kinder mehr übrig. Für die spontane und ein wenig wilde Eleanor bedeutet dies eine große Belastung. Stets bemüht, der Mutter zu gefallen, erntet sie doch ständig nur Klagen über ihr ungestümes Betragen. Während der Leser noch über die genaueren Hintergründe spekuliert, springt die Geschichte in den Sommer 1999.

Einunddreißig Jahre nach dem Verschwinden von Alice geht das Leben in dem kleinen Ort Charbury seinen normalen Gang. Doch das ungeklärte Verbrechen hat seine Spuren hinterlassen. Alices Mutter Kathleen wird von ihren Nachbarn inzwischen für verrückt gehalten, da sie immer noch von ihrer Tochter spricht, als wäre sie am Leben - und Unmengen von Geld ausgibt, um Kleidung für ein neunjähriges Mädchen zu kaufen, das schon vor über dreißig Jahren verschwunden ist.

In einer kleinen Wohnung in London lebt Alice mit ihrer Tochter Chris. Diese muss schon seit vielen Jahren alle Besorgungen für ihre Mutter übernehmen, da Alice sich nicht vor die Wohnungstür traut. Mit der Beerdigung von Mark Ramsay verändert sich Chris' Leben gewaltig. Sie hatte nicht gewusst, dass es eine Verbindung zwischen ihrer Mutter und der Familie Ramsay gab, doch als sie weiter nachforscht, stößt sie auf das rätselhafte Verschwinden eines kleinen Mädchens in dem Ort Charbury.

Auch wenn für den Leser schnell klar ist, was es mit der Londoner Alice auf sich hat und welches Geheimnis diese Frau veranlasst hat, sich jahrelang in ihrer Wohnung zu verstecken, ist es doch spannend zu erleben, wie nach so langer Zeit neue Spuren in diesem Verbrechen auftauchen. Doch vor allem die psychischen Auswirkungen auf die betroffenen Personen hat Lesley Thomson wunderbar beschrieben: Die verzweifelte Mutter und den resignierten Vater von Alice sowie Eleanor, die voller Schuldgefühle ist, weil sie ihre Spielkameradin nicht leiden konnte und im Stich gelassen hat.

Gerade die Verbindung zwischen der Familie Ramsay und dem "Weißen Haus", in dem sie ihre Ferien in Charbury immer verbringen, sorgt für einen besonderen Reiz in der Geschichte. Schon in dritter Generation ist das Haus im Familienbesitz und verbirgt so manch grauenhaftes Geheimnis, welches erst nach Jahrzehnten entdeckt wird. So verwebt Lesley Thomson geschickt die Vergangenheit dieses Gebäudes mit dem Verschwinden von Alice und der letztendlichen Lösung der verschiedenen Rätsel.

Fazit:

Lesley Thomson beschäftigt sich in ihrem Roman "Träume süß, Dornröschen" auf überaus spannende Weise mit der Frage, welche Auswirkungen das Verschwinden eines kleinen Mädchens auf seine Umgebung hat. Besonders bei Alices Spielkameradin Eleanor hinterlässt dieser traumatische Moment überraschende Spuren, während das krankhafte Ignorieren der Realität bei ihrer Mutter schon fast vorhersehbar war. Gekonnt verbindet die Autorin längst vergangene Vorgänge im Sommerhaus der Familie Ramsay, das erschreckende Verschwinden von Alice und die dreißig Jahre später sichtbaren Spuren, die dies hinterlassen hat, zu einer faszinierenden Geschichte, die den Leser so schnell nicht wieder loslassen wird.
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