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Tannöd  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 22. März 2008

Tannöd

Verlag: btb
Erschienen: Februar 2008
ISBN: 978-3-442-73673-7
Preis: 7,00 EUR

144 Seiten
Inhalt
3.0
Preis/Leistung
2.0
Gesamtwertung
2.9

Wertung:
2.9
von 10
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Zum Inhalt:

Der Roman "Tannöd" von Andrea M. Schenkel erzählt von einem schrecklichen Verbrechen in einem kleinen Dorf zur Zeit der 50er Jahre. Auf einem Einsiedlerhof wird die Bauernfamilie samt der Magd mit einer Spitzhacke erschlagen aufgefunden. Einen Hinweis auf den Täter gibt es nicht, auch wenn der Bauer und seine Frau sich keine Freunde im Ort gemacht hatten. Einfache Leute waren es, unfreundlich und geizig, aber sind das ausreichende Gründe für eine solch schreckliche Tat?

Meinung:

Im letzten Jahr wurde die bayrische Autorin Andrea M. Schenkel für ihr Erstlingswerk "Tannöd" mit dem Deutschen Krimi-Preis 2007 ausgezeichnet. Der Roman basiert auf einem authentischen Fall und kommt, im Gegensatz zum klassischen Krimi, ohne Polizei oder sonstige Ermittler aus. Dafür lässt er die Nachbarn der Opfer nach und nach zu Wort kommen, die ihre Sicht der Geschehnisse schildern. Diese dokumentarischen Teile werden ergänzt von erzählenden Elementen, die den Alltag des Mörders nach der Tat aufzeigen, ohne dabei dessen Identität zu verraten.

Diese gegensätzlichen Einblicke in den Mordfall und seine Wirkung auf die nächste Umgebung des Tatorts haben ihre ganze eigene, beklemmende Wirkung. Mitleiden oder gar mitfiebern kann der Leser bei diesem Buch nicht. Allein die unschuldigen Kinder und die Magd, die in ihrer ersten Nacht auf dem Tannödhof ermordet wird, lassen einen Moment des Bedauerns aufkommen. Ansonsten sorgt der dokumentarische Stil für emotionalen Abstand beim Leser, der allerdings nicht verhindert, dass man sich hineingezogen fühlt in das enge soziale Geflecht, dass in diesem kleinen Dorf vorherrscht.

Die Folgen des Zweiten Weltkriegs sind auch fast zehn Jahre danach deutlich zu spüren: Zum Teil bestehen noch die alten Schwarzmarktverbindungen aus Kriegszeiten, es werden Geschichten erzählt von Zwangsarbeitern, Unterlagen sind in den Monaten nach Kriegsende verloren gegangen und der ermordete Bauer scheint seine Schäfchen zu jeder Zeit ins Trockene gebracht zu haben. Das freundlichste, was über diesen Mann gesagt wird, ist, dass er zu arbeiten verstand.

Aus den kleinen Aussagen der Nachbarn, Schulkameraden und Würdenträgern des Ortes entsteht das Bild einer unfreundlichen und freudlosen Familie. Vielfältige Gerüchte sind im Umlauf, doch keines davon scheint jemanden zum Handeln zu bewegen. Solange man Sonntags in die Kirche ging und niemand öffentlich Anklage erhob, war es wichtiger, den Schein zu wahren. Was der andere tat, ging keinen etwas an und doch schien jeder das Gefühl zu haben, alles über seine Nachbarn zu wissen, was es zu wissen gab.

Ein Manko dieses Buches ist, dass der Kriminalfall an sich ein sehr kleiner, banaler Mord ist. So schrecklich die Geschehnisse auch sein mögen: Die bloße Darlegung der Tat inklusive der Lebensumstände der Opfer reicht nicht aus, um beim Leser mehr als bloße Anerkennung für die interessante Erzählweise der Autorin zu wecken. Vielleicht streift einen der Gedanke an "Tannöd", wenn man das nächste Mal durch ein Dorf fährt und sich womöglich fragt, welche dunklen Geheimnisse hinter der ländlichen Kulisse verborgen sind. Aber ansonsten bietet das Buch ungefähr die gleiche Erfahrung wie das Anschauen der täglichen Schreckensnachrichten im Vorabendprogramm des Fernsehens.

Gerade mal 120 Seiten stark ist der Roman von Andrea M. Schenkel, und doch gibt es jede Menge freie Fläche. Ein jeder, der zu Wort kommt, hat sein eigenes kleines Kapitel, das oft gerade mal eineinhalb Seiten lang ist. Und auch die Elemente, die den Alltag des Mörders nach der Tat beschreiben, nehmen nicht mehr Raum ein. Zwischen diese Elemente hat die Autorin Gebete gesetzt, die nicht ganz in den ansonsten so klaren und dokumentarischen Stil des Romans passen wollen. Insgesamt kommt spätesten am Ende der Lektüre das Gefühl auf, dass man doch recht wenig Umfang für sein Geld bekommen hat.

Fazit:

Die interessante Erzählstruktur bietet einen ganze besonderen Blick auf das Verbrechen. Und der Versuch, die komplexe und doch so begrenzte Welt der Bewohner eines kleinen Dorfes in den 50er Jahren darzulegen, ist Andrea M. Schenkel in "Tannöd" recht gut gelungen. Doch diese beiden positiven Punkte reichen nicht aus, um diesen Roman zu einem intensiven Leseerlebnis zu machen. Der emotionale Abstand, die traurige Banalität des Verbrechens und letztendlich die Tatsache, dass Umfang und Preis in keinem wirklich stimmigen Verhältnis stehen, lassen am Ende der Lektüre leider ein eher unbefriedigendes Gefühl zurück.

 
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