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Schneeweißchen und Rosentot  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 5. August 2008

Schneeweißchen und Rosentot

Originaltitel: A Field of Darkness
Übersetzt von: Sophie Zeitz

Verlag: dtv
Erschienen: Mai 2008
ISBN: 978-3-423-24668-2
Preis: 14,80 EUR

430 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Madeline Dare lebt mit ihrem Mann in einer amerikanischen Provinzstadt. Als sie von einem fast zwanzig Jahre zurückliegenden Mord an zwei jungen Mädchen erfährt und eine mögliche Verbindung zu ihrer eigenen Familie entdeckt, lässt ihr das keine Ruhe. Sie muss mehr über das herausfinden, was damals geschah. Doch ihre Nachforschungen bleiben nicht ohne Folgen: Es werden weitere Morde begangen, und zwar auf besonders bizarre Weise ...

Meinung:

Cornelia Reads Debütroman "Schneeweißchen und Rosentot" wurde in Amerika für einige renommierte Literaturpreise nominiert, wie zum Beispiel den Edgar Award. Die Autorin hat mit diesem Buch einen ungewöhnlichen und witzigen Krimi geschaffen, der weniger durch den zu lösenden Fall als durch die dargestellten Charaktere und deren stimmiges Umfeld zu überzeugen weiß. Bei der Beschreibung der Stadt Syracuse profitierte Cornelia Read davon, dass ihre Schwiegereltern in dieser Kleinstadt leben und sie deshalb auf reale Eindrücke zurückgreifen kann - und auch die Hauptfigur soll einige autobiografische Elemente der Autorin beinhalten.

Madeline Dare hasst es, in der kleinen Stadt Syracuse leben zu müssen, aber solange ihr Mann und sie nicht an etwas Geld kommen, können sich die beiden den Umzug in eine größere Stadt nicht leisten. Noch schlimmer als in dieser Kleinstadt gestrandet zu sein, ist es für die junge Frau, dass ihr Mann Dean für seine Arbeit regelmäßig wochenlang nach Kanada reisen muss. Depressive Stimmungen sind für Madeline während Deans Abwesenheit an der Tagesordnung und die unerträgliche Hitze des Sommers hilft dagegen genauso wenig wie der nicht besonders anspruchsvolle Job bei der Lokalzeitung. Dabei war die Stelle als Journalistin noch das Beste, was Syracuse zu bieten hatte.

Bei einem Essen mit den Schwiegereltern erfährt Madeline von einem rätselhaften Mordfall, der vor zwanzig Jahren in Syracuse geschah. Zwei Mädchen wurden ermordet am Rande eines Feldes aufgefunden, beide hatten Rosenkränze auf ihren Köpfen - und niemand wusste, wer die beiden waren. Der Mörder dieser jungen Frauen wurde nie gefunden und auch ihre Identität nie festgestellt. Doch Madelines Schwiegervater Cal hatte damals eine Erkennungsmarke in der Nähe des Tatorts gefunden, die er nie der Polizei übergab - und zu ihrem großen Entsetzen liest die junge Journalistin den Namen ihres Cousins Lapthorne Townsend auf der Marke.

Nun lässt ihr diese alte Geschichte keine Ruhe mehr. Madeline muss herausfinden, was ihr Lieblingscousin mit den Morden zu tun hat und wie seine Marke in die Nähe des Tatorts kam. Während ihrer Recherche stellt sie schnell fest, dass es bei den Ermittlungen damals zu einigen Ungereimtheiten kam. Nicht nur Lapthorne und sein Kamerad Chris aus dem Fort Drum kamen als Täter in Frage, auch das Verhalten des Polizisten, der den Mörder finden sollte, lässt einige Zweifel an seiner Unschuld aufkommen. Und in der Redaktion der Lokalzeitung gibt es ebenfalls ein paar Kollegen, die anscheinend mehr über den Tathergang wissen, als man normalerweise als einfacher Reporter erfahren kann.

Eher hilflos und etwas panisch stolpert Madeline von einer Spur zur anderen, bis sie am Ende dann des Rätsels Lösung in den Händen hält. Doch die Ermittlungen in diesem zwanzig Jahre alten Mordfall sind es weniger, die den Leser bei der Stange halten. Jeder erfahrene Krimileser dürfte in der Lage sein, die falschen Spuren von den richtigen zu unterscheiden und kann sich spätestens ab der Mitte des Buches zurücklehnen und abwarten, wie die Autorin ihre Geschichte auflösen wird.

Cornelia Reads Stärke liegt in der Darstellung ihrer Charaktere. Madeline, die aus dem verarmten Zweig einer vermögenden und einflussreichen Familie stammt, balanciert zwischen ihrem Leben als Ehefrau, Journalistin und Abkömmling aus gutem Hause. Sie ist unzufrieden damit, in Syracuse leben zu müssen und ihre ganze Hoffnungen liegen in einer Erfindung, an der ihr Mann Dean arbeitet. Ihre Erziehung hat Madeline auf ein Leben in der höheren Gesellschaft vorbereitet und trotzdem ist sie gezwungen, ihre Wohnung mit geschenkten Möbeln der Verwandtschaft und den Dingen, die ihre Mutter im Gerümpel der Nachbarn findet, einzurichten.

Obwohl es ihr finanziell schlechter geht als den Kollegen bei der Zeitung oder ihren Freunden, wird sie von diesen immer noch als Teil einer besser gestellten Gesellschaftsschicht angesehen. Genau genommen gehört Madeline weder zu ihrer snobistischen Familie noch zu den Menschen, mit denen sie tagtäglich zu tun hat. Und gerade in der Darstellung dieses widersprüchlichen Lebens glänzt die Autorin. Da begegnet der Leser zum Beispiel Madelines Mutter, deren Lebensgefährte Reichtümer angehäuft hat, die aber trotzdem die angeschlagenen Dosen mit Bohnen aus dem Sonderangebot kauft, da man so ein paar Cent sparen kann.

Die Szenen mit Madelines arroganter Familie, die bildhafte Beschreibung der verschiedenen Charaktere und die zum Teil skurrilen Hintergründe der Personen üben auf den Leser einen ganz eigenen Reiz aus. Nur wenige Figuren sind wirklich sympathisch dargestellt, aber die leichte Fassungslosigkeit aufgrund der bizarren Verhaltensweisen und das Schmunzeln, das einen beim Lesen überkommt, sorgen dafür, dass man von der Geschichte gefangen wird. Zum Schluss legt man den Roman aus der Hand und hat ein paar wunderbar unterhaltsame Lesestunden hinter sich, die trotz eines nicht so ganz gelungenen Kriminalfalls mit einem spannenden Ende gekrönt wurden.

Fazit:

Cornelia Reads Debütroman "Schneeweißchen und Rosentot" fesselt den Leser vor allem durch die liebevollen und detailliert dargestellten Charaktere, die von einer hervorragenden Beobachtungsgabe der Autorin zeugen. Besonders die Hauptperson Madeline Dare, die zwischen ihrer Abstammung aus der gehobenen Gesellschaft, ihrem Leben in Syracuse und ihren Hoffnungen für die Zukunft hin und her gerissen wird, wächst einem ans Herz. Auch wenn der Kriminalfall nicht besonders raffiniert konstruiert wurde, gibt es genügend offene Fragen, die den Leser nicht das Interesse verlieren lassen. Am Schluss wartet ein spannendes Ende, das einen für so manche logische Lücke in der Geschichte entschädigt.
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