/* ]]> */
Banner bookdepository.com

Partitur des Todes  Drucken E-Mail
Bcher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 19. Mai 2008

Partitur des Todes

Verlag: Wunderlich
Erschienen: Januar 2008
ISBN: 978-3-80052-0839-0
Preis: 19,90 EUR

480 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Sechzig Jahre lang glaubte Georges Hofmann, alles vergessen zu knnen: seine Kindheit, seine Eltern, sein Heimatland. Doch dann bergibt man ihm auf einem kleinen Schloss bei Paris einen geheimnisvollen alten Umschlag. Darauf ein Name und als Absender das Wort "Auschwitz". Wenige Tage spter geschieht in Frankfurt ein grauenvolles Verbrechen: Fnf Menschen sterben auf einem Schiff am Mainufer. Eine junge Journalistin verschwindet, in ihrem Besitz eine verschollen geglaubte Partitur. Dafr taucht ein Mann auf, den alle fr tot hielten. Whrend Hauptkommissar Marthaler fieberhaft ermittelt, konfrontiert ihn seine Freundin Tereza mit einer Neuigkeit, die sein Leben grundlegend verndern wird.

Meinung:

Im Jahr 2004 erschien der erste Kriminalroman von Jan Seghers (ein Pseudonym des Journalisten und Autors Matthias Altenburg) rund um die Figur des Polizisten Robert Marthaler. "Partitur des Todes" ist das dritte Buch mit dem Frankfurter Hauptkommissar und fhrt den Leser von der Figur des freundlichen Georges Hofmann in Paris bis hin zu den brutalen Morden auf einem Restaurantschiff am Frankfurter Mainufer. Besonders durch den Kontrast zwischen dem eher unspektakulren und hflichen lteren Herren, der in Paris seinen Lebensabend geniet, und der darauf folgenden Unfassbarkeit der Szene auf dem Schiff kommt eine Geschichte in Gang, die den Leser bis zum Ende der Lektre mitreit.

Eine groe Begabung von Jan Seghers ist es, realistische und glaubwrdige Figuren zu schaffen. Seine Ermittler sind Menschen, die mehr als nur ihre Arbeit im Kopf haben und sich trotzdem von dieser das Privatleben zerstren lassen. Man liest von nachvollziehbaren Fehlern, wie sie Tag fr Tag passieren, die aber im Laufe einer Mordermittlung groe Auswirkungen zur Folge haben. Und mit einem breiten Grinsen erlebt man, wie eine Romanfigur einem Politiker Dinge an den Kopf wirft, wie man sie in einer solchen Situation gern selbst uern wrde, aber sich aufgrund von fehlgeleiteter Hflichkeit oder anderen Beweggrnden dann doch verkneift.

So glaubwrdig der Autor seine Charaktere auch beschreibt, so gibt es doch einige Figuren, bei denen sich der Leser fragt, warum sie berhaupt eingefhrt wurden. Da kommen zwei neue Kollegen, die aber fr den Fall keine Relevanz haben. Um aufzuzeigen, dass viel Recherche, Fuarbeit und das Beackern von hunderten unntzer Hinweise fr die Lsung eines Mordes ntig sind, wren die Kollegen Delius und Becker nicht unbedingt ntig gewesen. Ebenso verzichtbar ist der Vorzeigeermittler Frantisek, der zu dem Fall nur Wissen beitrgt, das genauso gut auf andere Weise htte herausgefunden werden knnte. Zustzlich unternimmt er Alleingnge, die gerade fr einen "Elitepolizisten" von unbeschreiblicher Dummheit zeugen.

Ein weiteres Manko des Krimis ist die Verbindung des Falles mit der deutschen Geschichte rund um das Konzentrationslager Auschwitz. Jan Seghers hat versucht, die Recherchen Marthalers zu diesem Thema stimmig zu beschreiben. Und der geneigte Leser kann dem Autor zugute halten, dass die Verbrechen im Dritten Reich zwar ausgiebig im Geschichtsunterricht behandelt werden, aber im Alltag so wenig Relevanz haben, dass das Wissen womglich irgendwann wieder verloren geht. Trotzdem wirkt es wenig berzeugend, dass der keineswegs ungebildete Hauptkommissar ber die Vorgnge in Konzentrationslagern erstaunlich wenig informiert ist.

Natrlich ist es wichtig, dass die Taten der Deutschen whrend der Nazizeit nicht vergessen werden. Ebenso darf nicht unterschlagen werden, dass viele dieser Handlungen und Personen noch bis heute Einfluss auf das Leben der Menschen haben. Doch so, wie Jan Seghert das Thema in "Partitur des Todes" aufbereitet, wirkt diese Verwicklung allzu bemht. Das Anliegen des Autors, die Erinnerungen an den Nationalsozialismus wach zu halten, macht das Buch zu einer von vielen Erzhlungen in der Masse der Krimis mit historischen Bezgen. Eine Geschichte, die sich strker auf das wiederentdeckte Musikstck Offenbachs konzentriert, wre wohl ungleich origineller und deshalb reizvoller gewesen.

Trotz der aufgefhrten Kritikpunkte bietet dieser Krimi spannende Unterhaltung mit grtenteils berzeugenden Charakteren. Besonders hervorheben sollte man noch die Detailliebe, mit der der Autor auf seine Schaupltze eingeht. Man hat regelrecht das Gefhl, mit den Figuren zusammen durch die Straen Frankfurts zu streichen und erwrmt sich fr eine Stadt, die in den berregionalen Medien nicht immer ihre schnste Seite prsentiert.

Jan Seghers ist es gelungen, mit "Partitur des Todes" einen Krimi zu schreiben, der sich von eventuellen skandinavischen Vorbildern emanzipiert hat und zu etwas ganz Eigenem wird. Dieser Roman hebt sich auch angenehm von den vielen "Regionalkrimis" ab, bei denen der rtliche Bezug fr die Verkaufszahlen sorgt, ohne dass sich dahinter fundierte Handwerkskunst verbirgt. Auch verzichtet der Autor auf diese alles durchtrnkende Melancholie, die den nordischen Krimis zueigen zu sein scheint, und zeigt dafr ein zwar manchmal zynisches, aber doch angenehm realistisches Bild des heutigen Deutschlands.

Fazit:

Auch wenn Jan Segher leider nicht das volle Potenzial nutzt, das ihm die Idee um die wiederentdeckte Komposition Offenbachs geboten htte, bietet "Partitur des Todes" dem Leser doch eine Menge fr sein Geld. Ein langsam erzhlter, spannender Kriminalfall mit realistisch und detailliert beschriebenen Charakteren sorgt trotz der einen oder anderen Unstimmigkeit fr viele Stunden Unterhaltung. Der Autor hat es geschafft, einen berzeugenden deutschen Krimi zu schreiben, auch wenn die Bezge zum Nationalsozialismus ein wenig zu gewollt wirken.

 
Copyright 2008-2019 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.