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Nur der Tod kann dich retten  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 19. Mai 2008

Nur der Tod kann dich retten

Originaltitel: Heartstopper
Übersetzt von: Kristian Lutze

Verlag: Goldmann
Erschienen: September 2007
ISBN: 978-3-442-31151-4
Preis: 19,95 EUR

478 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Eigentlich ist Torrance im Süden Floridas mit seinen gerade einmal viertausend Einwohnern eine sympathische Kleinstadt. Nichts stört hier den ruhigen Gang der Dinge, man kennt sich untereinander und niemand käme auf die Idee, von seinem Nächsten etwas Böses zu vermuten. Der Schock ist umso größer, als an der örtlichen High School eines Tages ein Mädchen verschwindet - und man die Leiche der bildhübschen Liana Martin nach Tagen banger Suche in einer entlegenen Gegend auffindet. Sheriff John Weber übernimmt die Ermittlungen, aber trotz intensiver Bemühungen tappt die Polizei im Dunkeln. Noch ahnt Weber nicht, dass sich seine schrecklichste Vermutung bald bewahrheiten wird: Denn der Mord an Liana war nur der erste Streich eines psychopathischen Serienmörders, der sein nächstes Opfer bereits im Visier hat.

Meinung:

Mit ihrem dreizehnten Kriminalroman bewegt sich die Kanadierin Joy Fielding in vertrautem Terrain. "Nur der Tod kann dich retten" spielt im Süden Floridas, in Torrance, einem kleinen Ort nicht weit von Miami entfernt, und auch die Autorin lebt einen Teil des Jahres in Palm Beach. So kann wohl davon ausgegangen werden, dass die Umgebungsbeschreibungen und wahrscheinlich auch die detaillierten Beobachtungen des Lebens im Süden Floridas auf eigenen Erfahrungen beruhen.

Gerade diese genauen Beschreibungen der Bewohner von Torrance und ihrer Eigenheiten machen den Reiz des Romans aus. Joy Fielding verzichtet in ihrer Erzählung auf blutrünstige Momente und konzentriert sich eher darauf, den sich langsam aufbauenden Schrecken zu beschreiben, der das Leben vergiftet und dafür sorgt, dass man selbst den engsten Angehörigen misstraut. Ausgelöst wird dieses Gefühl durch das Verschwinden eines beliebten Mädchens von der High School.

Als die Vermisstenanzeige von ihren Eltern aufgegeben wird, hofft Sheriff John Weber noch darauf, dass Liana nur aus einer teenagerhaften Laune heraus weggelaufen ist. Doch schnell wird klar, dass das Mädchen entführt wurde, auch wenn keiner der Beteiligten sich ein Motiv für eine solche Tat denken kann. Dem Leser hingegen wird dieses gleich zu Beginn des Romans präsentiert: Es geht um die Macht über Frauen, die "zum Sterben schön sind".

In einem so genannten Totenbuch erlebt der Leser die Gedanken des Verbrechers mit, kann nachlesen, wie in der Vergangenheit Schritt für Schritt die Entwicklung zum Mörder passierte und weiß, dass die Verbrechen in der kleinen Stadt Torrance wohl so schnell kein Ende haben werden. Mit der Frage im Hinterkopf, wer wohl das nächste Opfer sein wird, kommen einem die zum Teil sehr ausführlichen Beschreibungen rund um die vielen Charaktere spannender vor, als sie es genau betrachtet sind.

Leider hat es die Autorin mit der Zahl ihrer Figuren fast schon übertrieben. Gerade zu Beginn des Romans bereitet es dem Leser Mühe, die verschiedenen Namen den einzelnen Personen zuzuordnen und vor allem auch in Erinnerung zu behalten, wer in welchem Verhältnis zu welcher Person steht. Bei all den unschönen Verwicklungen hat man schnell das Gefühl, statt in einer friedlichen Kleinstadt Floridas mitten in einem Sumpf menschlicher Verfehlungen zu landen.

Egal, ob es sich um die Schüler der High School handelt oder um ihre eigentlich erwachsenen Eltern und Lehrer - ein jeder ist mehr mit sich, seinen Beziehungen und seiner Wirkung auf andere beschäftigt als mit allem anderen. Blind für die Auswirkungen, die seine Handlungen auf andere haben, geht ein jeder den eigenen egoistischen Impulsen nach. Dies lässt nur wenige Charaktere wirklich sympathisch wirken und beim Leser letztlich sogar einen kleinen Funken Verständnis für den Mörder aufkommen.

Mit dieser Herangehensweise hebt sich das Buch, genauso wie durch seinen Schauplatz, von den anderen Romanen Joy Fieldings ab. Während die Autorin normalerweise erst einmal eher eine heile Welt schafft, die langsam und systematisch von einem verbrecherischen Menschen zerstört wird, findet man hier von Beginn an eine Gesellschaft, die allerhöchstens auf den ersten Blick harmonisch wirkt. Jeder Einwohner weiß von den Verfehlungen des anderen, ein jeder ist informiert über Ehebruch, Misshandlung und andere Sünden des Nachbarn. So erscheint Torrance zwar realistischer als die übliche Kulisse, die man sonst in Büchern vorgesetzt bekommt, doch dafür fehlt die Schockwirkung, die man normalerweise beim Einbruch eines Verbrechens in eine Idylle empfindet.

Insgesamt plätschert "Nur der Tod kann dich retten" ein wenig vor sich hin. Auch die Auflösung, wer nun wirklich der Täter ist, kommt letztendlich nicht überraschend, das Ende wirkt fast ein bisschen zu abrupt nach den ausführlichen Beschreibungen im Mittelteil des Krimis. Dafür punktet der Roman durch seine realistische und ausführliche Beschreibung des Lebens in einer Kleinstadt im Süden Floridas.

Fazit:

"Nur der Tod kann dich retten" ist nicht gerade einer der besten Romane, die bislang aus der Feder von Joy Fielding kamen. Gerade im Vergleich mit Titeln wie "Lauf Jane lauf" fällt die Qualität weit ab. Dafür muss man allerdings anerkennen, dass die Autorin in ihrer Erzählung mit einem neuen Schauplatz und einer realistischeren Umgebung mal einen anderen Weg eingeschlagen hat. Wer sich an den Beschreibungen des Lebens in einer Kleinstadt in Florida erfreuen kann und die fehlende Spannung verzeiht, bekommt mit diesem Roman ein paar unterhaltsame Lesestunden geboten.

 
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