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Leichenblässe  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 10. Februar 2009

Leichenblässe

Originaltitel: Whispers of the Dead
Übersetzt von: Andree Hesse

Reihe: David Hunter
3. Band der Reihe

Verlag: Wunderlich
Erschienen: Januar 2009
ISBN: 978-3-8052-0866-6
Preis: 19,90 EUR

416 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Ein Toter in einer Jagdhütte in den Smoky Mountains. Die Leiche ist bis zur Unkenntlichkeit zersetzt. Sein alter Mentor Tom Lieberman bittet David Hunter um Unterstützung. Die Hinweise, die die beiden Experten für forensische Anthropologie finden, sind widersprüchlich. Jemand will David in die Irre führen, jemand, der viel näher ist, als David glaubt.

Meinung:

"Leichenblässe" ist Simon Becketts dritter Roman um den forensischen Anthropologen David Hunter und spielt im Gegensatz zu den beiden Vorgängern "Die Chemie des Todes" und "Kalte Asche" nicht im kühlen Großbritannien, sondern im Umkreis der amerikanischen "Body Farm" in Tennessee. Während seiner Tätigkeit als Journalist besuchte der Autor diese wissenschaftliche Einrichtung, die sich mit der Erforschung von Verwesungsprozessen an menschlichen Leichen beschäftigt, und entwickelte dadurch die Idee, britische Kriminalromane zu schreiben, deren Hauptfigur ein forensischer Anthropologe ist.

In einem Interview gab Simon Beckett an, dass er sich weder vor dem Besuch der "Body Farm" noch danach mit amerikanischen Büchern beschäftigt hätte, die den gleichen Schwerpunkt haben - wie zum Beispiel die Werke von Patricia Cornwell oder Kathy Reichs. Umso mehr überraschen den Leser diverse Parallelen zu diesen Romanen in seinem neuesten Titel "Leichenblässe". Aber auch einige Stereotype, wie man sie täglich in den diversen Fernsehserien zu diesem Themengebiet zu sehen bekommt, kann man in dem Buch wiederfinden.

Nach den dramatischen Ereignissen in "Kalte Asche" steht David Hunter nicht nur vor einer kaputten Beziehung, sondern hat auch das dringende Bedürfnis, London zu verlassen, um über seine Zukunft nachzudenken. Der erfolgreiche Wissenschaftler hat zwar drei sehr interessante Jobangebote, fühlt sich aber nach vielen Monaten im Krankenhaus nicht in der Lage, seinen Beruf weiterhin auszuüben. Eine Einladung seines ehemaligen Mentors Tom Lieberman kommt ihm in dieser Situation gerade recht.

Eine Zeit lang auf der amerikanischen "Body Farm" zu forschen, würde den forensischen Anthropologen beruflich weiterbringen und ihm die dringend nötige Auszeit verschaffen. Auch wenn der Messerstich, der ihn fast das Leben gekostet hätte, inzwischen gut verheilt ist und die Narben David Hunter kaum noch behindern, hat dieser Angriff sein Selbstbewusstsein doch fast vollständig zerstört. Umso unangenehmer ist es für ihn, als Tom Lieberman ihn um Hilfe bei einer Morduntersuchung bittet. David Hunter hatte noch nie mit den verschiedenen amerikanischen Polizeibehörden zu tun und wird von den Ermittlern auch nur sehr ungern als Berater geduldet, was die Arbeit für ihn zusätzlich erschwert. Schnell stellt sich heraus, dass der Tote in der Jagdhütte regelrecht platziert wurde. Ein Fingerabdruck führt zu einem weiteren Mordopfer und mit jedem neuen Hinweis erscheinen die Fälle rätselhafter.

Schon in den beiden anderen Romanen um David Hunter nahm sich Simon Beckett viel Zeit dafür, die Grundsituation aufzubauen und die Charaktere zu beschreiben, bevor es mit der Handlung richtig losging. In "Leichenblässe" wirkt der Personenkreis auf den ersten Blick weniger begrenzt, dafür werden die Figuren aber auch nicht so liebevoll beschrieben. Nur David Hunters Problemen nach dem überlebten Mordversuch wird so viel Raum gegeben, dass der Leser nach der Hälfte des Romans sehr froh ist, als sich der Wissenschaftler so langsam mehr mit dem aktuellen Kriminalfall beschäftigt als mit seiner eigenen Person.

Unterbrochen werden diese Selbstzweifelpassagen der Hauptfigur von Abschnitten, die aus der Sicht des Mörders geschrieben wurden. Auch wenn weder dieses Stilmittel noch das Motiv des Täters etwas Neues für einen Krimileser sind, gelingt es dem Autor, mit diesem Element deutlich zur Spannung beizutragen. Auch die eine oder andere überraschende Wendung hat Simon Beckett wieder in die Handlung eingebaut, ohne es dieses Mal so sehr zu übertreiben wie in "Kalte Asche".

Das Hauptargument für die Lektüre dieses Buches ist eindeutig die angenehme und flüssige Schreibweise des Autors. Egal, ob Simon Beckett die überaus ekelhaften Verwesungsstadien eines Leichnams beschreibt oder den Dialog zwischen einer übermäßig gepiercten Studentin und ihrem strengen, aber freundlichen Professor - für den Leser ist der gesamte Roman in einem Zug zu konsumieren. Wer über die diversen Parallelen mit anderen Werken und die nicht besonders tiefgehende Charaktergestaltung hinwegsehen kann, bekommt daher mit "Leichenblässe" immer noch eine unterhaltsame und spannende Lektüre.

Fazit:

"Leichenblässe" ist eindeutig nicht Simon Becketts bester Roman um den forensischen Anthropologen David Hunter. Vor allem die Passagen, in denen das Buch immer wieder an andere Werke zu diesem Thema erinnert, irritieren den Leser, auch wenn der Autor in einem Interview betonte, dass er sich bewusst nicht mit Romanen dieses Genres auseinandergesetzt hat. Wenn man darüber hinwegsehen kann, dass die Hauptfigur David Hunter sehr viel Zeit damit verbringt, über sich und seine Situation nachzudenken, während darunter die Charakterisierung der anderen Figuren etwas leidet, bekommt man trotz dieser Schwächen immer noch einen spannenden und unterhaltsamen Roman geliefert, der dank einiger überraschender Wendungen und der flüssigen Erzählweise in einem Zug zu lesen ist.
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