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Kaltes Gift  Drucken E-Mail
Bcher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 2. Juli 2009

Kaltes Gift

Originaltitel: Still Waters
bersetzt von: Ilse Bezzenberger

Verlag: Droemer
Erschienen: April 2009
ISBN: 978-3-426-19791-2
Preis: 16,95 EUR

380 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Bei einem Verkehrsunfall wird zufllig die stark verweste Leiche einer alten Frau freigelegt. Sie kann als Violet Chambers identifiziert werden - und sie wurde vermutlich vergiftet. Als Detective Chief Inspector Mark Lapslie mit seinen Ermittlungen beginnt, steht er vor einem Rtsel: Denn die alte Mrs. Chambers erfreut sich offenbar weiterhin lebhaft ihres Daseins, zahlt Steuern, bezieht Mieteinknfte und schreibt ihren Nachbarn reizende Postkarten. Was geht hier vor?

Meinung:

Nigel McCrery prsentiert dem Leser mit "Kaltes Gift" nach einem schockierenden Auftakt einen eher gemtlichen Krimi. Empfindlicheren Gemtern drfte der Prolog, in dem eine berforderte Gromutter im Jahr 1944 mit der Gartenschere auf ihre Enkelkinder losgeht, schwer im Magen liegen. Auch die darauf folgende Szene, in der eine ltere Frau vergiftet wird, ist von dem Autor sehr plastisch und detailliert beschrieben worden. Doch nach diesen beiden eher ekelerregenden Momenten wartet eine atmosphrische Geschichte, in der es weniger darum geht, den Mrder zu finden, als die Hintergrnde der Taten zu ermitteln.

Denn schon von Anfang an ist klar, dass die ltere Dame, die der Leser erst einmal als Violet kennenlernt, nicht zum ersten Mal jemanden vergiftet hat. Hilfsbereit schleicht sie sich in das Leben einsamer Frauen, horcht sie ber ihre Vergangenheit aus und ttet sie dann. So gelingt es Violet, nicht nur an das Vermgen ihrer Opfer zu gelangen, sondern auch deren Identitt anzunehmen. Mit einem neuen Namen und einem dazu passenden Hintergrund ausgestattet, macht sie sich dann auf die Suche nach der nchsten alleinstehenden Frau, mit der sie sich anfreunden kann.

Eines Tages wird durch einen groen Zufall eine Leiche gefunden und als Violet Chambers identifiziert. Doch dann muss die Polizei feststellen, dass diese Frau nicht nur von niemandem vermisst wurde, sondern anscheinend auch noch bei bester Gesundheit ist. Fr Detective Chief Inspector Lapslie wird dieser Fall zu einem der schwierigsten in seiner bisherigen Laufbahn. Der Polizist war extra fr diese Ermittlungen von seiner Beurlaubung aus gesundheitlichen Grnden zurckgerufen worden. Durch eine extreme Synsthesie, bei der der Betroffene Gerusche als Geschmcker wahrnimmt, war es Mark Lapslie unmglich geworden, weiter seinem Beruf nachzugehen.

Aber die mysterise Frauenleiche scheint mit einem seiner alten Flle zusammenzuhngen und da seine Vorgesetzten dem Detective Chief Inspector keine weitere Beurlaubung einrumen wollen, ist Mark Lapslie gezwungen, die Arbeit aufzunehmen. Schnell kommt seine neue Kollegin Emma Bradbury dahinter, wie sehr seine ausgeprgte Synsthesie ihn im Alltag behindert, und versucht ihn so weit wie mglich zu untersttzen. Bald beschleicht die beiden Polizisten der Verdacht, dass die tote Violet Chambers wohl nicht das einzige Opfer einer Serienmrderin ist. Deshalb ist es auch umso rtselhafter, dass wohl ihre eigenen Vorgesetzten auf unerklrliche Weise unter Druck gesetzt werden und die Ermittlungen in diesem Mord erschweren.

"Kaltes Gift" ist kein rasanter Thriller, denn hier lsst sich der Autor sehr viel Zeit, um detailliert auf seine Figuren einzugehen. Aus zwei Perspektiven verfolgt der Leser die Geschehnisse und kann so nicht nur Mark Lapslies Bemhungen um Aufklrung verfolgen, sondern auch, wie die Mrderin sich an ihr nchstes Opfer heranpirscht. Dabei entwickelt man schnell eine ungeheure Faszination fr die Tterin, die, nachdem sie so viele fremde Identitten angenommen hatte, ihre eigene schon lngst verloren hat.

Gerade die Beschreibung von Sinneseindrcken und welche Empfindungen sie in den Charakteren hervorrufen, gehrt zu Nigel McCrerys groen Strken. So erlebt man Emma Bradburys Stimme aufgrund der Erkrankung von Mark Lapslie als erfrischenden Zitronengeschmack, whrend andere Klnge so unangenehm sind, dass selbst der Leser schlucken muss. Auf der anderen Seite lst zum Bespiel der Anblick des Meeres bei der Mrderin das Gefhl aus, nach Hause zu kommen, auch wenn sie sich nicht erinnern kann, schon einmal an diesem Ort gewesen zu sein.

Gemchlich prsentiert der Autor die verschiedenen Puzzlestcke, die letztendlich zu einem erschreckenden und faszinierenden Bild zusammengesetzt werden knnen. Gerade durch diese gemtliche und fast weitschweifig wirkende Erzhlweise kann dieser Roman eine berzeugende Atmosphre aufweisen, die den Leser fesselt. Ob nun dieser blutige Auftakt bei einem ansonsten eher klassischen englischen Krimi notwendig ist, bleibt fraglich. Und auch die Verwicklungen innerhalb der Behrden htten deutlich weniger Raum bekommen knnen. Doch dafr wird der Leser mit einer faszinierenden Geschichte voller interessanter Charaktere und einem spannenden Ende belohnt.

Fazit:

Nigel McCrerys Roman "Kaltes Gift" erinnert in seiner eher gemchlichen und detaillierten Erzhlweise an klassische englische Kriminalromane. Nach einem blutigen Auftakt erlebt der Leser aus zwei Perspektiven, wie sich das Rtsel um Violet Chambers weiterentwickelt. Mit Detective Chief Inspector Mark Lapslie hat der Autor einen reizvollen Charakter geschaffen, dessen Probleme durch seine extreme Synsthesie sehr plastisch geschildert werden. Doch vor allem die Figur der Mrderin zieht einen in ihren Bann, denn ihre Vergangenheit bildet fr den Leser ein faszinierendes Puzzle mit berraschenden Wendungen.
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