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Freyas Fluch  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bcher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 7. Mai 2008

Freyas Fluch

Verlag: Grafit
Erschienen: Februar 2008
ISBN: 978-3-89425-606-7
Preis: 11,00 EUR

384 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
8.8

Wertung:
8.8
von 10
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Zum Inhalt:

Die Zeit des Friedens zwischen dem rmisch besetzten Teil Germaniens und dem freien Germanien ist vorbei: Erst werden rmische Ansiedlungen berfallen, dann wird ein chattischer Stammesfrst ermordet. Als dessen Tochter Freya, eine Schamanin, den rmischen Prokonsul Quintus Caius Justinus mit einem Fluch belegt, scheint ein Krieg unvermeidbar. Doch Rainolf, ein junger Ubier und als Aedil in Colonia ttig, findet Hinweise, dass es jemanden gibt, der eine folgenschwere Intrige spinnt. Jemanden, der bewusst Verbrechen begangen und den Verdacht auf andere gelenkt hat. Wer hat etwas davon, einen Krieg anzuzetteln? Mhsam geht Rainolf jeder Spur nach, whrend Rmer und Chatten immer weiter aufrsten.

Meinung:

"Freyas Rache" ist der zweite Roman von Ingo Gach, in dem der junge Ubier Rainolf die Hauptrolle spielt. Dem Autor ist es allerdings gelungen, dieses Buch unabhngig vom vorhergehenden Band "Caligulas Rache" lesbar zu machen, so dass nur kleine Andeutungen dem Leser zeigen, dass es eine Vorgeschichte gab, die das Leben Rainolfs beeinflusste. In seiner Eigenschaft als Aedil ist der junge Ubier in der Stadt Colonia unterwegs, um einen Vorfall zu klren, als am Ufer des Rhenus Freya, die Schamanin der Chatten, erscheint und den Prokonsul Quintus Caius Justinus mit einem tdlichen Fluch belegt. Der Rmer hat angeblich den Stammesfrsten Agyntir hinterrcks ermordet und nun muss dieser feige Anschlag gercht werden.

Rainolf, dessen Aufgabenbereich es ist, die ffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten, sorgt sich um Colonia. Ein Krieg zwischen den Rmern und den Chatten wrde die Stadt gefhrden, es kme auf rmischer und germanischer Seite zu vielen tausend Toten, und als eingebrgerter Germane fhlt sich der Ubier fr beide Seiten verantwortlich. Mehr durch Zufall als durch gezielte Ermittlungen findet der junge Aedil eine Spur, die ihn auf den Gedanken bringt, dass Kriegstreiber hinter dem feigen Anschlag auf den chattischen Stammesfrsten stehen knnten.

Mit der Figur des Rainolf ist Ingo Gach das perfekte Bindeglied zwischen rmischer und germanischer Kultur gelungen. Der junge Ubier zeigt sich als neugieriger Mann, der aber nicht gerade zum gewieften Ermittler geeignet ist. Dafr ist der Aedil zu vertrauensselig und zu sehr an sein germanisches Ehrgefhl gebunden. Man merkt sofort, dass Rainolf sich in der intriganten Welt der Rmer nicht wohl fhlt und Probleme hat, dort nicht unterzugehen. Zum Glck steht ihm mit seiner temperamentvollen Verlobten Julia eine Rmerin zur Seite, die ihn durch die Untiefen der fremden Gesellschaft fhrt und mit Informationen versorgt, die seinen Ermittlungen zugute kommen.

Neben dem liebevollen und berzeugenden Charakterdesign besticht "Freyas Fluch" durch die unverbrauchte Kulisse. An historischen Kriminalromanen, die direkt in Rom spielen, hat der Leser ja inzwischen eine recht groe Auswahl. Doch dadurch, dass die Handlung an die Grenzgebiete verlagert ist und der Autor mit dem Kontrast zwischen Rmern und Germanen spielt, wird dieses Buch besonders lesenswert. Gerade die Tatsache, dass Ingo Gach mit den Chatten Stmme beschreibt, die noch nicht von Rom unterworfen wurden, sorgt dafr, dass dem Leser deutlich gemacht wird, wie weit diese Vlker in ihren Sitten und Gebruchen voneinander entfernt sind. Aber auch der junge Ubier und seine Familie haben sich durch den rmischen Einfluss schon weit von ihren germanischen Wurzeln gelst, ohne sich dabei mit der Lebensweise der Besatzer anfreunden zu knnen.

Der Autor schafft es, langsam aber stetig die Spannung zu steigern. Rainolf bekommt nur wenige Tage zugesprochen, um seine Ermittlungen im Geheimen voranzutreiben. Der junge Aedil scheint der einzige Mensch zu sein, den es interessiert, was wirklich hinter dem Tod des Chatten Agyntir steckt. Whrend der Ubier vergeblich verschiedenen Spuren nachgeht, kann der Leser mitverfolgen, wie auf beiden Seiten des Rhenus die Kriegsvorbereitungen ihren Lauf nehmen. Weder die Rmer noch die Chatten wollen wirklich, dass es zu Kampfhandlungen kommt, aber politische und militrische Erwgungen auf der einen Seite und Tradition und Ehre auf der anderen Seite lassen scheinbar keinen anderen Ausweg zu.

Ingo Gach sorgt in seinem Roman aber nicht nur fr ein hohes Ma an Spannung, auch der Humor kommt nicht zu kurz. Gerade Rainolfs Versuche, seinen eigenen Weg zwischen seinem rmischen Amt und seiner germanischen Abstammung zu finden, und seine zum Teil etwas hilflosen Ermittlungen sorgen fr mehr als nur ein kleines Schmunzeln beim Leser. Auch sein Freund Garawan und die eigenwillige Julia bringen den jungen Aedil nicht selten in eine komisch anmutende Bedrngnis.

Der Schreibstil des Autors lsst sich gut und flssig lesen. Die Sprache ist recht modern gehalten, aber in einem Rahmen, dass man sich daran nicht strt. Die verschiedenen rmischen Begriffe flieen relativ gelungen in den Text ein, auch wenn der Leser wohl doch das eine oder andere Wort fr ein besseres Verstndnis im Anhang nachschlagen wird. Hier kann man verschiedene persnliche Vorlieben haben, doch fr einen durchgehenden Lesefluss wren Funoten als Erklrung fr die ungewohnten Wrter vielleicht eine zustzliche Hilfe gewesen.

Ein kleines Manko hat "Freyas Fluch" allerdings auch aufzuweisen. Neben der Beschreibung des Verhltnisses zwischen Rmern und Germanen in der Stadt Colonia 123 n. Chr. und dem wunderbaren Charakterdesign kommt der Kriminalfall am Ende fast zu kurz. Die Auflsung liegt fr den aufmerksamen Beobachter, der weniger naiv ist als Rainolf, recht nah. Allerdings muss auch der kritischste Leser zugeben, dass der etwas schwache Abschluss der Ermittlungen durch ein furioses Duell, das sich ereignet whrend die gegnerischen Parteien schon voreinander Aufstellung nehmen, wieder wettgemacht wird.

Fazit:

Mit "Freyas Fluch" ist Ingo Gach ein berzeugender historischer Kriminalroman gelungen. Der Autor beschreibt die Stadt Colinia des Jahres 123 n. Chr. so detailliert und plastisch, dass sich der Leser das Leben an der Grenze des Rmischen Reiches sehr gut vorstellen kann. Gekrnt wird die spannende Erzhlung durch ein liebevolles Charakterdesign und auch der Humor kommt in dieser Geschichte bei Weitem nicht zu kurz. Allein die etwas enttuschende Auflsung des Kriminalfalls bietet Anlass zu milder Kritik, doch die Art und Weise ihrer Prsentation lsst den Leser ohne Probleme ber diese kleine Schwche hinwegsehen. "Freyas Fluch" ist fr alle Liebhaber von historischen Kriminalromanen empfehlenswert und weckt die Hoffnung, dass man in Zukunft noch mehr Romane von einem so talentierten Autoren in die Hnde bekommt.

 
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