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Der Geschmack der Tollkirsche  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bcher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 16. Dezember 2008

Der Geschmack der Tollkirsche

Untergenre: Historischer Roman
Verlag: Grafit
Erschienen: Mai 2008
ISBN: 978-3-89425-608-1
Preis: 10,50 EUR

477 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

95 nach Christus im rmisch besetzten Germanien: Die junge Witwe Arria steht kurz davor, ein neues Leben zu beginnen: Ein letztes Mal kocht sie im Dienste eines fremden Herrn, dann will sie ihre eigene Taberna erffnen. Aber ehe das Fest, das der Militrtribun Claudius anlsslich seiner Amtseinfhrung ausrichtet, zu Ende ist, zerplatzen alle Trume der Kchin. Cassius, ein Gast, stirbt an Gift und sie gert in Verdacht. Durch die Hilfe von unbekannter Hand kann Arria fliehen. Ihr wird klar, dass sie nur eine Chance hat: Sie muss den wahren Mrder finden. Ihr Verfolger, Valerian, ein frherer Zenturio, der wegen einer Verletzung aus der rmischen Armee ausscheiden musste, hat keinen Zweifel an ihrer Schuld. Dann allerdings bekommt Valerian am eigenen Leib zu spren, wie schnell ein Jger zu einem Gejagten werden kann ...

Meinung:

Beate Sauer verffentlicht schon seit einigen Jahren erfolgreich Romane, vor allem im Bereich der historischen Krimis. Ihr Buch "Der Geschmack der Tollkirsche" fesselt den Leser von der ersten Seite an. Auf der Suche nach seinem verirrten Schaf macht sich der Bauer Quintus an der rmisch-germanischen Grenze auf den Weg - und trifft auf eine feindliche Truppe. Dieser Auftakt stellt von Anfang an klar, dass hinter den folgenden Erlebnissen rund um die Kchin Arria mehr steckt als nur ein kleiner, persnlich motivierter Mord.

Eigentlich bereitet sich die vor kurzem verwitwete Arria gerade darauf vor, ihre eigene Taberna zu erffnen. Aber wenn man wenig Geld hat und auf den Einfluss eines reichen Gnners angewiesen ist, dann kann man nicht ablehnen, wenn man gebeten wird, ein Festmahl zu kochen. Anlsslich der Amtseinfhrung des Militrtribuns Claudius werden alle Leckereien und Spezialitten aufgetischt, die im rmisch-germanischen Grenzgebiet zu bekommen sind. Natrlich versammelt sich zu dieser Gelegenheit alles, was Rang und Namen hat, in dem Anwesen des Militrtribuns - umso schockierender ist es, als am Morgen nach dem ersten Festabend der Finanzprokurator Cassius mit seinem Frhstck vergiftet wird.

Unter Verdacht gert selbstverstndlich die Kchin, die das Essen zubereitet hat - und auch wenn Arria rmische Brgerin ist, hat sie doch eindeutig germanische Wurzeln, die in den Augen der rmischen Herren als Motiv ausreichen. Auch ihre Verbindung zu dem in der Nhe gesichteten Frowin, Huptling einiger treverischer Drfer, erhrten nur die Anklage gegen die Witwe. Doch durch einen glcklichen Zufall - oder durch die Hilfe eines geheimnisvollen Unbekannten - kann die junge Frau fliehen.

Zu ihrer Verfolgung wird der ehemalige Zenturio Valerian losgeschickt, der seit einer schlimmen Verletzung im Kampf nicht mehr als Soldat dienen kann. Abgesehen davon, dass sein Freund, der Militrtribun Claudius, davon berzeugt ist, dass Valerian intelligent genug ist, um die Flchtige wieder einzufangen, soll dieser Auftrag auch den depressiven Valerian aus seiner trben Stimmung reien und ihm ein neues Ziel im Leben geben. Doch als Arria und Valerian aufeinandertreffen und zusammen gegen eine Gruppe feindlicher Chatten bestehen mssen, gelingt es der Kchin, den ehemaligen Zenturio dazu zu bewegen, dass er sich ihre Argumente fr ihre Unschuld anhrt.

Als die beiden ihr Wissen austauschen, stellen sie schnell fest, dass mehr hinter dem Mord an dem Finanzprokurator Cassius stecken muss als nur eine private Auseinandersetzung oder der rger der Germanen ber zu hohe Abgaben. Um ein Komplott aufzudecken, das das ganze rmische Reich erschttern knnte, mssen die beiden zusammenarbeiten und den eigentlichen Mrder Cassius' finden. Verfolgt von rmischen Soldaten und feindlichen Germanen, machen sich Arria und Valerian - zusammen mit Verbndeten auf beiden Seiten der rmisch-germanischen Grenze - daran herauszufinden, welche Drahtzieher hinter dem Verbrechen stecken.

Die Autorin hat ihr Buch "Der Geschmack der Tollkirsche" mit rasanten Szenen, spannenden Situationen und auch einigen humorvollen Momenten gespickt. Zwar verlsst sie - vor allem mit ihrer Charaktergestaltung - nur selten die ausgetretenen Pfade eines klassischen Romanaufbaus, doch verwendet sie die bekannten Elemente so geschickt, dass der Leser von den Geschehnissen rund um Arria und Valerian einfach mitgerissen wird. Vor allem sind die Beschreibungen der Autorin so gelungen, dass man die Hitze in der Kche, die Klte in der Nacht und den Schrecken ber die unglaublichen Erlebnisse der einzelnen Personen am eigenen Leib zu spren meint.

Der schwermtige Valerian, der ohne eine Aufgabe keinen Sinn in seinem Leben mehr sieht - und trotzdem versucht, einigermaen zurechtzukommen -, und die hitzkpfige Kchin Arria, die sich nichts sehnlicher wnscht, als einfach nur in Ruhe ihre Taberna betreiben zu knnen, sind so liebevoll und berzeugend dargestellt, dass man sie regelrecht vor sich sieht. Auch die verschiedenen anderen Figuren sind so gut beschrieben, dass der Leser trotz der groen Flle an Namen und Charakteren nie den berblick verliert und immer genau wei, wen er da in einer Szene vor sich hat.

Auch die Verflechtung des spannenden Kriminalfalls mit unzhligen Details aus dem rmisch-germanischen Leben um 95 n. Chr. ist so geschickt vorgenommen worden, dass diese Masse an Informationen den Leser nicht aus der Handlung herausreit, sondern die Stimmung des jeweiligen Moments nur untersttzt, wobei Beate Sauer sich schon ein paar kleine Freiheiten herausgenommen hat, wie sie in ihrem Nachwort auch offen zugibt. Aber wer mchte bei einem so gut geschriebenen Roman schon jedes einzelne Detail nachschlagen oder kontrollieren, ob der lateinisch anmutende Begriff nun auch wirklich korrekt verwendet wurde? Die Gesamtstimmung ist auf jeden Fall berzeugend und sorgt fr eine interessante und aufregende Lektre, die einen so schnell nicht wieder loslsst.

Fazit:

Mit "Der Geschmack der Tollkirsche" hat Beate Sauer einen rundum gelungenen und spannenden Kriminalfall vorgelegt. Die Autorin schafft es, auf so berzeugende Weise das Leben an der rmisch-germanischen Grenze im Jahr 95 n. Chr. darzustellen, dass sich wohl kaum ein Leser die Mhe machen wird, Details nachzuschlagen, um zu kontrollieren, wie korrekt diese Darstellungen sind. Auch wenn die Charaktere und viele Handlungselemente in diesem Roman sehr klischeebehaftet sind, kann das Gesamtwerk durch die spannenden, witzigen und interessanten Szenen und Details beraus mitreien und berzeugen. "Der Geschmack der Tollkirsche" ist ein Buch, das der Leser erst wieder aus der Hand legen kann, wenn die letzte Seite verschlungen ist.
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