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Borderlands  Drucken E-Mail
Bcher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 18. September 2008

Borderlands

Originaltitel: Borderlands
bersetzt von: Alice Jakubeit

1. Band der Reihe

Verlag: DuMont
Erschienen: August 2007
ISBN: 978-3-8321-8032-4
Preis: 19,90 EUR

285 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
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Wertung:
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Zum Inhalt:

Es ist tiefster Winter, als die Leiche der kaum fnfzehnjhrigen Angela Cashell im Niemandsland der Tyrone-Donegal-Grenze nach Nordirland gefunden wird. Der schweigsame, vielleicht ein wenig zu weichherzige Garda-Inspektor Benedict Devlin leitet die Ermittlungen. Die einzigen Spuren sind ein wertvoller goldener Ring am Finger des Mdchens - dessen Familie von der Sttze lebt - und ein Hinweis auf Drogen. Whrend die Garda nach Angelas Mrder sucht, hat deren Vater seine eigenen Vorstellungen davon, wer sein Kind auf dem Gewissen hat - und wie man es rcht.

Meinung:

Brian McGilloways Debtkrimi "Borderlands" spielt im nrdlichsten County der Republik Irland, direkt an der Grenze zu Nordirland - und mit den Problemen, die durch die Grenzsituation bei den Ermittlungen aufgeworfen werden, steigt der Leser in einen faszinierenden Kriminalroman ein. Die Zeit des Kriegs zwischen Nord und Sd ist seit vielen Jahren vorbei, die IRA verbt keine Anschlge mehr und Normalitt ist eingekehrt zwischen den beiden Teilen der Grnen Insel. Umso erschreckender ist der Fund einer Mdchenleiche fr die Bewohner der Borderlands. So sieht sich Inspektor Devlin statt mit Weihnachtsvorbereitungen mit der ersten Mordermittlung in Lifford seit 1883 beschftigt.

Die Polizisten von Lifford hatten es noch nie mit einem so schwerwiegenden Verbrechen zu tun wie mit dem Mord an der jungen Angela Cashell - und ihre Arbeit wird in keiner Weise dadurch erleichtert, dass sie den Vater der Toten regelmig in ihrer Ausnchterungszelle gefangen halten. Die ganze Familie misstraut den Ermittlern und gibt nur sehr zgerlich Informationen ber die verstorbene Tochter und ihr Leben preis.

Inspektor Devlin, der selbst Familienvater ist, fhlt sich durch das tote Mdchen besonders betroffen. Seine erste Mordermittlung verunsichert ihn und zustzlich wird sein Privatleben durch das Wiedersehen mit einer alten Freundin auf den Kopf gestellt. Erste Spuren, die auf die Beteiligung eines bekannten Drogendealers, Liam "Whitey" McKelvey, hindeuten, scheinen zu einer schnellen Aufklrung der Tat zu fhren - wre da nicht ein kostbarer Goldring an Angelas Finger, der auf die Beteiligung eines Unbekannten schlieen lsst.

Die Frage, wer die junge Angela gettet und im inneririschen Grenzgebiet deponiert hat, fhrt fr den Leser zu einem spannenden und faszinierenden Kriminalroman. Brian McGilloway, der hauptberuflich als Englischlehrer am St. Columb's College in Derry arbeitet, bedient sich einer gepflegten und ansprechenden Sprache, die den Leser schnell in ihren Bann zieht. Die verschiedenen Charaktere sind realistisch und - mit all ihren Fehlern - sympathisch ausgearbeitet. Vor allem die Hauptfigur Inspektor Devlin wchst einem ans Herz.

Doch besonders faszinierend sind die Einblicke, die der Leser in das Leben in den Borderlands bekommt. Jeder Irlandreisende hat schon mal "Traveller" gesehen - fahrendes Volk, das sich gern auf Parkpltzen, unter Brcken und an hnlichen Orten niederlsst und von der Regierung schon seit Jahren auf ausgewiesenen Gebieten angesiedelt werden soll. Doch so einfach kann man einer so groen Gemeinschaft die jahrhundertealten Lebensweisen nicht abgewhnen. Auch die politisch-historische Verbindung, die fast jeder Bewohner des Grenzgebiets zur IRA hat, und der fast dreiig Jahre andauernde Terror haben nicht nur ihre Spuren hinterlassen, sondern erschweren auch Ermittlungen in Fllen, die vielleicht einen Bezug zur Vergangenheit haben.

Aber in erster Linie ist der Blick auf das Miteinander der Iren fr den Leser von einem gewissen Reiz. Die Zusammenarbeit der Polizei ber die Grenze hinweg bietet genauso interessante Einblicke wie der Umgang mit Verdchtigen. Einfach ist es auf jeden Fall nicht, wenn man in einer so kleinen Gemeinde ermittelt, in der jeder die Schwchen des anderen kennt; egal, ob es nun um eine Polizistin geht, bei der bekannt ist, dass sie von ihrem Ehemann misshandelt wurde, um ehemalige Liebesbeziehungen zur Ehefrau eines einflussreichen Politikers oder um Mitleid mit einer Ehefrau, deren Mann hufiger im Gefngnis ist als zuhause bei ihr und den Kindern. All dieses Wissen ber das Leben der anderen lsst jeden Ermittlungsschritt zu einer persnlichen und sehr schwierigen Angelegenheit werden.

Die hier und da auftretenden Schwchen im Spannungsbogen der Geschichte kann man wohl darauf zurckfhren, dass "Borderlands" der erste Roman von Brian McGilloway ist. Auch war es dem Autor eindeutig sehr wichtig, ein Bild des heutigen Irlands darzustellen, was dann doch ein wenig zu Lasten der Kriminalgeschichte geht. Doch insgesamt ist es Brian McGilloway gelungen, einen ungewhnlichen Krimi zu schreiben, der hoffen lsst, dass auch der zweite Inspektor-Devlin-Roman bald auf Deutsch erscheinen wird.

Fazit:

"Borderlands" ist ein spannender Kriminalroman, der in einem faszinierenden Teil Irlands spielt. Eine Leiche, die im inneririschen Grenzgebiet gefunden wird, stellt fr die Polizei der friedlichen Gegend eine ganz besondere Herausforderung dar - und wird fr den Leser zu einer Eintrittkarte in das heutige Irland. Sympathische Charaktere voller Ecken und Kanten und ein Fall, bei dem man jeden Arbeitsschritt der Polizei nachvollziehen kann, fhren zu einem sehr unterhaltsamen Lesevergngen. Die wenigen leichten Schwchen im Spannungsbogen zugunsten des Lokalkolorits kann man Brian McGilloway auf jeden Fall verzeihen, da sie den Genuss beim Lesen kaum trben.

 
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