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Amsterdam - Ein Meisterdieb jagt seinen Schatten  Drucken E-Mail
Bcher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 31. Januar 2010

Amsterdam - Ein Meisterdieb jagt seinen Schatten

Originaltitel: The Good Thief's Guide to Amsterdam
bersetzt von: Stefanie Retterbush

1. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lbbe
Erschienen: November 2008
ISBN: 978-3-404-15925-3
Preis: 7,95 EUR

334 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Charlie Howard ist Krimiautor. Er ist auerdem ein Dieb. Seine Auftraggeber sucht er sich normalerweise ganz genau aus, aber dem merkwrdigen Angebot des Amerikaners kann er nicht widerstehen. Zwei vllig wertlose Gipsfiguren soll er stehlen. An zwei ganz unterschiedlichen Orten. In nur einer Nacht. Alles reine Routine. Doch dann findet Charlie die Leiche des Amerikaners ...

Meinung:

In Chris Ewans Debtroman "Amsterdam" ist Charlie Howard die Hauptfigur, ein Englnder, der zwei ungewhnlichen Berufen nachgeht: Er ist ein Kriminalschriftsteller und ein Dieb. Doch Charlie ist kein normaler Einbrecher, ihn reizt die Herausforderung mehr als die Beute, auch wenn er es durchaus begrt, dass er auf diese Weise sein mageres Einkommen als Autor aufbessern kann. Zur Zeit versucht der Schriftsteller, in Amsterdam sein aktuelles Manuskript endgltig abzuschlieen, auch wenn es ihm nicht gelingt, einen bsen Handlungsfehler auszumerzen.

Obwohl Charlie als Jugendlicher mal bei einem Einbruch erwischt wurde, hat der Englnder eigentlich eine weie Weste - und geht natrlich mit seinem Nebenerwerb auch nicht hausieren. Umso mehr berrascht es ihn, als eines Tages ein Amerikaner ber seine Autoren-Homepage Kontakt zu ihm aufnimmt und ihm einen Auftrag anbietet. Entgegen besseren Wissens lsst sich Charlie auf ein Treffen in einem Caf ein und ist kurz darauf von dem Anliegen des Amerikaners irritiert. Denn der Dieb soll aus zwei Wohnungen jeweils eine Affenfigur aus Gips stehlen.

Die Figuren sind angeblich absolut wertlos und trotzdem soll er fr ihre Besorgung eine wirklich grozgige Summe bekommen. Auerdem erleichtert ihm sein Auftraggeber die Arbeit, indem er dafr sorgt, dass die beiden Besitzer an dem Abend mit ihm verabredet sind, und er berreicht Charlie auch detaillierte Angaben zur Sicherung der Wohnungen und den Verstecken der kleinen Affen. Obwohl dem Dieb die ganze Sache nicht geheuer ist, lsst er sich von seiner Neugier dazu verleiten, die Einbrche durchzufhren. Doch als er seine Beute dem Amerikaner berreichen will, findet er ihn ermordet vor. Schnell steht Charlie unter Verdacht und wird von gleich mehreren Parteien durch Amsterdam gejagt, die die Affenfiguren in ihren Besitz bringen wollen.

Chris Ewan gelingt es, eine unterhaltsame Handlung rund um seine sympathische Hauptfigur zu spinnen. Charlie und die vielen verschiedenen Personen, mit denen er im Laufe dieses Romans zu tun hat, werden liebevoll beschrieben. Vor allem bei dem Dieb fllt auf, dass der Autor diesen nicht klischeebesetzt mit einer traumatischen Kindheit belastet. Charlie ist nicht aus Not heraus ein Einbrecher geworden, sondern aufgrund seiner unstillbaren Neugier. Auch ist es sehr schn zu verfolgen, wie sorgfltig und grndlich der Mann jeden seiner Schritte normalerweise plant und mit welchen berlegungen er an einen Auftrag herangeht, auch wenn diese Detailfreude an mancher Stelle von Chris Ewan schon fast bertrieben wurde.

So vorsichtig Charlie normalerweise zu sein scheint, so sehr verwundert es den Leser auch, wie vertrauensselig er erst einmal alle Aussagen seiner Gesprchpartner hinnimmt. Diese schon fast an Naivitt grenzende Eigenschaft ist es, die den Dieb im Laufe der Geschichte immer wieder in Schwierigkeiten bringt - und die dafr sorgt, dass die Handlung fr einen ganzen Roman reicht. Dafr wird die Spannung in Bezug auf Charlies Entdeckungen whrend seiner Suche nach den wahren Ttern eher knstlich in die Lnge gezogen, denn regelmig wird erst im Folgekapitel enthllt, welche wichtige Entdeckung der Dieb gerade gemacht hat.

Obwohl Charlies nicht ganz glaubwrdige Charaktereigenschaften und die Neigung des Autors zum Cliffhanger normalerweise in einem gut konstruierten Krimi fehl am Platz wren, verzeiht man Chris Ewan diese beiden Mngel in "Amsterdam" gern. Denn ihm gelingt es, eine unterhaltsame Geschichte mit ungewhnlichen und liebevoll aufgebauten Figuren zu erzhlen, die den Leser wirklich gut unterhlt. Charlies ungewhnliches Problem, seine Neigung, in anderer Menschen Leben herumzuschnffeln, und seine erstaunlich offenen Gesprche mit seiner Agentin bieten Raum fr viele interessante Szenen. Auch Chris Ewans atmosphrische Beschreibungen von Amsterdam tragen zur insgesamt runden Stimmung in diesem Roman bei.

Fazit:

Mit seinem Debtroman "Amsterdam" gelingt es Chris Ewan, den Leser insgesamt gut zu unterhalten. Obwohl sich sein Protagonist, der Dieb und Schriftsteller Charlie Howard, nicht immer seinem Naturell entsprechend verhlt, gewinnt er schnell die Sympathie des Lesers. Auch die Cliffhanger am Ende eines jeden Kapitels, die wie das unbeholfene Mittel eines noch unerfahrenen Autoren wirken, verzeiht man gern, da dieser Krimi ansonsten durch atmosphrische Beschreibungen, liebenswerte Figuren und viele amsante Szenen durchaus zu berzeugen wei.
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