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Kirschblüten - Hanami  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 4. Mai 2010

Kirschblüten - Hanami

Untergenre: Filmbuch
Verlag: Diogenes
Erschienen: März 2008
ISBN: 978-3-257-06657-9
Preis: 19,90 EUR

216 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
8.7

Wertung:
8.7
von 10
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Zum Inhalt:

Rudi und Trudi sind seit dreißig Jahren ein Paar. Als Trudi plötzlich stirbt, fliegt Rudi zu Sohn Karl nach Japan, um das zu sehen, was Trudi wichtig war und was sie zusammen nicht mehr erleben konnten: ihren Sohn in Japan, die legendäre japanische Kirschblüte, den Fujiyama und auch den Butoh-Tanz, der früher einmal Trudis Leidenschaft gewesen war.

Meinung:

Mit "Kirschblüten - Hanami" hat der Diogenes-Verlag das Buch zu dem gleichnamigen Film von Doris Dörrie veröffentlicht. Der Band ist in drei Abschnitte unterteilt und bietet dem Leser über 100 Fotos, die zusammen mit den Bildunterschriften die Geschichte des Films erzählen. Außerdem enthält er das komplette Drehbuch und einen kurzen Abschnitt über die Regisseurin und Autorin Doris Dörrie, ihre Liebe zu Japan und die Dreharbeiten.

Mit "Hanami" wird im japanischen das Betrachten der Kirschblüte bezeichnet. Genau diesen Anblick wollte Trudi schon ihr ganzes Leben lang einmal genießen. Statt ihre Erfüllung als Butoh-Tänzerin zu finden, hatte sie vor vielen Jahren Rudi geheiratet. Ihn und die gemeinsamen Kinder liebt sie und in ihrer Ehe hat sie sich eigentlich immer wohlgefühlt. Doch nun ist Rudi krank und die Ärzte haben ihr die Entscheidung überlassen, ob man ihm mitteilen solle, dass er nicht mehr lange zu leben habe. Trudi beschließt, die verbleibende Zeit mit ihrem Mann so intensiv wie möglich zu verbringen und herauszufinden, was ihn glücklich machen würde.

Doch im Gegensatz zu ihr scheint Rudi keine Träume zu haben, die sie sich gemeinsam erfüllen könnten. Stattdessen lernt er auf einer kurzen gemeinsamen Reise, die die beiden zu ihren Kindern nach Berlin und an die Ostsee führt, wieder eine Seite an seiner Frau kennen, die ihn an die junge Trudi erinnert. Als sie dann überraschend stirbt, wird Rudi mit dem Verlust nicht fertig. Er hat das Gefühl, dass die Ehe mit ihm seine Frau um ihre Träume gebracht hat. Allein in ihrem gemeinsamen Haus entdeckt Rudi in jedem Raum Dinge, die ihn an Trudis Leidenschaft für Japan erinnern. So beschließt er, nach Tokio zu reisen, wo sein ältester Sohn lebt, und dort all die Sachen zu machen, von denen seine Frau einmal geträumt hat.

Für den Leser, der den Film "Kirschblüten - Hanami" nicht gesehen hat, bieten die vielen wunderschönen Fotos den perfekten Einstieg in die Geschichte. Wie bei einem Bilderbuch bekommt man über kurze Texte die Handlung erzählt und kann sich die Details aus den Fotos erschließen. Schnell berührt einen die leise Geschichte von Trudi und Rudi, die einander so zugetan sind und deren Leben doch im Alltag so grau geworden war. Vor allem fallen einem auf diese Weise viele kleine Elemente auf, die während einer Kinovorführung vermutlich in der Flut der Bilder untergegangen wären. Aber auch der Kontrast zwischen dem fast erstarrten Rudi und den lebhaften Straßenszenen in Japan oder die wunderschönen Naturbilder nehmen den Betrachter gefangen.

Noch mit den Bildern im Kopf beginnt man dann das Drehbuch zu lesen und wird hier noch tiefer in die Handlung hineingezogen. Auch das Vorwissen, das einem die Fotos verschafft haben, hält einen nicht davon ab, die Geschichte neugierig in sich aufzunehmen, die vielen kleinen Momente zu entdecken, die das Verhältnis zwischen Trudi und Rudi sowie zwischen ihnen und ihren Kindern beschreiben, und am Ende mit Tränen in den Augen dazusitzen. Doris Dörrie ist es gelungen, gerade durch die Alltäglichkeit dieser Familie zu berühren und tiefe Gefühle und Gedanken im Leser zu wecken.

Im letzten Abschnitt lernt man Japan durch die Augen von Doris Dörrie kennen. Die Regisseurin erzählt von ihrer Liebe zu diesem asiatischen Land, von persönlichen Erlebnissen und wie die Idee zu dem Film "Kirschblüten" entstand. Dies führt - ebenso wie die Einblicke in die Dreharbeiten - wieder zu einer neuen Sicht des Lesers auf die bewegende Geschichte. Immer wieder blättert man während des Lesens zu den Fotos oder bestimmten Stellen im Drehbuch zurück und entdeckt etwas Neues.

Durch diesen dreigeteilten Aufbau ist das Buch nicht nur für Leute geeignet, die den Film schon lieben und ihre Erinnerungen an diese wunderschöne Geschichte auffrischen, sondern auch für diejenigen, die Rudis Erlebnisse in Japan einmal aus einer anderen Perspektive erleben wollen - oder noch gar keine Berührung mit dem Film hatten. Noch lange nach dem Lesen dieses Titels klingen all die Gefühle, Gedanken und Informationen über Japan in einem nach und sorgen dafür, dass man auch in Zukunft immer wieder zu diesem Buch greifen wird, um eine neue Facette an diesen liebenswerten Charakteren und dem fremdartigen Land zu entdecken, das sie so fasziniert hat.

Fazit:

Mit "Kirschblüten - Hanami" bringt der Diogenes-Verlag mehr als ein einfaches Filmbuch heraus. Über 100 Fotos erwarten den Leser zu Beginn des Buches und bieten ihm die Möglichkeit, in Ruhe die Geschichte für sich zu entdecken, bevor er über das darauf folgende Drehbuch die Details der Handlung in sich aufnehmen kann. Im letzten Abschnitt erfährt man mehr über die Regisseurin und Autorin Doris Dörrie und die Entstehung des Kinofilms. Diese Hintergrundinformationen lassen einen die Geschichte rund um den trauernden Rudi, der durch eine Reise nach Japan die Träume seiner Frau Trudi verwirklichen will, wieder mit neuen Augen betrachten. All diese liebevollen Details sorgen dafür, dass man "Kirschblüten - Hanami" wohl immer wieder in die Hand nehmen und sich an der anrührenden Handlung, den sympathischen Charakteren und dem kleinen Stückchen Japan darin erfreuen wird.
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