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Feder im Sturm  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bcher: Belletristik Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 29. August 2009

Feder im Sturm - Meine Kindheit in China

Originaltitel: Feather in the Storm: A Childhood Lost in Chaos
Untergenre: Biografie
Verlag: Knaur
Erschienen: April 2009
ISBN: 978-3-426-78179-1
Preis: 8,95 EUR

408 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Emily Wu ist noch ein Kind, als Maos Kulturrevolution ihre Welt ins Chaos strzt. Als Tochter eines Professors erlebt sie Unvorstellbares: Schikane, Folter und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung - und immer wieder Repressionen und Demtigungen. Nur mit viel Mut und Erfindungsreichtum kann Emily den tglichen berlebenskampf gewinnen. Am Ende geht sie als starke junge Frau aus den Jahren des Schreckens hervor - und einer ersten Liebe entgegen ...

Meinung:

Biografische Romane wie "Feder im Sturm" lassen historische Momente fr den Leser lebendig und erlebbar werden. Yimao (Emily) Wu berichtet schonungslos, aber nur selten anklagend ber ihre Kindheit in einem China, das durch die Kulturrevolution Maos einen vollkommenen und brutalen Wandel durchmacht. Gerade die Tatsache, dass die Autorin nur selten das Verhalten der Menschen bewertet und stattdessen ihre Taten sprechen lsst, macht das Buch fr den Leser zu einem eindringlichen Erlebnis.

Die ersten Jahre ihres Lebens verbringt die kleine Yimao bei Verwandten, denn eine groe Hungersnot hatte es fr die Familie Wu unmglich gemacht, ihre drei Kinder zu ernhren. So ist es kein Wunder, dass fr das kleine Mdchen seine Eltern erst einmal Fremde sind, die es nher kennenzulernen gilt. Schon frh wird klar, dass sogar in dem aufgeklrten Professorenhaushalt eine Tochter weniger wert ist als ein Sohn. Whrend der Bruder in den Universittskindergarten gehen darf, bleibt Yimao daheim beim Vater, der sich um den Haushalt kmmert und Romane aus dem Englischen ins Chinesische bersetzt.

1962 darf Yimaos Vater, nachdem er erst in einem Straflager arbeiten und dann zur relativen Unttigkeit zuhause verdammt war, endlich wieder an einer Universitt unterrichten und entwickelt sich schnell zu einem bei den Studenten beliebten Professor. Durch die Augen des Mdchens erlebt man, wie sich whrend der Kulturrevolution die Studenten, die vorher noch stolz darauf waren, wenn sie in die Wohnung ihres Lehrers eingeladen wurden, in einen brutalen Mob verwandeln. Yimao und die anderen Kinder begreifen kaum, was sich zutrgt. Inmitten all dieser Gewalt versuchen sie einen Sinn in den Vorgngen zu finden.

Morde, Misshandlungen und Vergewaltigungen beherrschen von einem Tag auf den anderen die sowieso schon nicht gerade leichte Kindheit dieser Generation. Yimao wird mit ihrer Familie, wie so viele andere Intellektuelle, zu einem Leben auf dem Land verurteilt. In dem kleinen Ort sind sie von den Launen eines niedrigen Parteimitglieds abhngig, das ihnen das Leben gern zur Hlle macht, um seine eigene Wichtigkeit zu beweisen.

Doch nicht nur die Verbrechen, die durch die Kulturrevolution an den Menschen und der Kultur Chinas begangen wurden, werden in diesem Roman dargestellt. Emily Wu gelingt es auch, ohne dies extra betonen zu mssen, auf den Wert der Frau in der damaligen chinesischen Gesellschaft einzugehen. So ist Yimao in ihrer Familie zwar weniger wert als die beiden Brder, was sich an vielen Kleinigkeiten zeigt, wie der Essens- und Arbeitsverteilung und der Tatsache, dass es ihr nicht erlaubt ist zuzuhren, wenn der Vater den Brdern Gute-Nacht-Geschichten erzhlt, aber es geht ihr immer noch verhltnismig gut.

Besonders im lndlichen Gebiet beobachtet das aufgeweckte Mdchen, wie Frauen durch ihre Ehemnner misshandelt werden, wie die Nachbarstochter gegen ihren Willen verheiratet wird - und wie selbstverstndlich neugeborene Mdchen umgebracht werden, da diese angeblich nur Kosten und wenig Nutzen fr ihre Familien bringen. So wenig wertend die Autorin von ihren Erinnerungen erzhlt, so sehr nehmen sie den Leser mit. Gerade die Tatsache, dass viele dieser unmenschlichen Handlungen im Zusammenhang fast schon verstndlich sind, dass den Ttern das Bewusstsein fr das Unrecht ihrer Taten fehlt und dass ein so menschenverachtendes Regime eben auch brutale Reaktionen innerhalb der Bevlkerung hervorruft, lassen einen mit stockendem Atem diese Geschehnisse miterleben.

Fazit:

Die schrecklichen Vorgnge in China whrend der Kulturrevolution und die Jahrzehnte andauernden Folgen von Maos Regime drften jedem Europer zumindest grob bekannt sein. Aber nur so persnliche Berichte wie "Feder im Sturm" machen diese historischen Fakten zu einem erschtternden Erlebnis, welches nicht nur das Bedrfnis weckt, mehr ber die Hintergrnde dieser politischen Vorgnge zu erfahren, sondern auch hoffentlich dazu fhrt, dass man sich aktiver in die Geschehnisse der Welt einmischt. Emily Wu gelingt es trotz allem, was sie als Kind erlebt hat, erstaunlich zurckhaltend ber die Vergangenheit zu berichten und bietet dem Leser so die Mglichkeit, sich selbst ein Urteil ber die Menschen und die Vorgnge zu bilden.
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