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Bite Club 1  Drucken E-Mail
Comics: Amerika Krimi & Thriller
Geschrieben von Manuel Tants   
Montag, 2. Mrz 2009

Bite Club 1

Zeichner: David Hahn

Originaltitel: Bite Club
bersetzt von: Bernd Kronsbein

Reihe: Bite Club
1. Band der Reihe

Verlag: Vertigo
Format: Softcover
Erschienen: November 2008
ISBN: 978-3-86607-647-1
Preis: 16,95 EUR

148 Seiten
Inhalt
3.0
Zeichnungen
5.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
4.7

Wertung:
4.7
von 10
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Zum Inhalt:

Die Del Toros sind ein Clan von Vampiren, der seit fast einem Jahrhundert die organisierte Kriminalitt in Miami kontrolliert. Doch als Eduardo, der Patriarch der Familie, ermordet wird, werden allseits die Zhne gezeigt. Der jngste Sohn Leto schwor einst, dem familiren Reich der Snde den Rcken zu kehren, und entschloss sich, ein katholischer Priester zu werden. Seine ehrgeizige, genussschtige Schwester Risa wre heilfroh, wenn dies so bliebe. Eduardos letzter Wille verfgt jedoch, dass Leto der neue Boss des Del-Toro-Kartells wird und dass Daddys kleines Mdchen auen vor bleibt. Doch whrend Risa Plne schmiedet, ist Leto guten Glaubens - noch. Aber Geistlicher oder nicht, er ist immer noch ein Del Toro, und er hat sein ganzes Leben unter Raubtieren verbracht. Und deshalb wei er, dass seine Widersacher Blut gewittert haben und er von Feinden auer- wie innerhalb der Familie umgeben ist. Die Frage ist nur, welchen Weg er einschlagen wird: den des Paters - oder den des Paten?

Meinung:

Die Autoren Howard Chaykin (bekannt geworden durch den Underground-Comic "American Flagg!") und David Tischman stellen in ihrer abgeschlossenen Mini-Serie "Bite Club" eine leicht vernderte Herangehensweise an den etablierten Blutsauger-Mythos vor: Vampirismus gilt hier als Krankheit, die ursprnglich vom Biss einer sdamerikanischen Fledermaus ausgelst wird, danach aber auch von den zum Vampir gewordenen Opfern auf andere Menschen bertragen werden kann. Die Krankheit uert sich neben dem Appetit auf Menschenblut lediglich in extrem verlangsamter Alterung und erhhter Vergngungssucht des Infizierten.

Das mag auf den ersten Blick interessant klingen, doch aus dem Wegfall der althergebrachten Schwachpunkte der Vampire wie etwa Sonnenlicht und Kruzifixe folgt, dass es sich bei der Del-Toro-Familie letztendlich ebenso gut um ganz normale Mafiosi ohne Blutdurst handeln knnte - fr die Story wrde das kaum einen Unterschied machen. Und auch das Amt als katholischer Priester, das der berraschend zum Clan-Erben gewordene Leto bislang innehatte, stellt keinen Widerspruch zu seinem Vampirismus dar, da die Krankheit nicht im Entferntesten etwas mit okkulten oder unheiligen Einflssen zu tun hat. So wird aus dem "Twist" mit den blutsaugenden Gangstern und Kirchenmnnern am Ende nichts weiter als ein belangloses Gimmick, das vermutlich lediglich die Anhnger der zur Zeit boomenden Vampir-Hysterie als zustzliche Zielgruppe erschlieen soll.

"Bite Club" setzt dabei in erster Linie auf eine Mischung aus Mafia-Klischees mit heutzutage ein wenig altbacken wirkendem Pulp-Fiction-Humor, gepaart mit dem Versuch, durch grozgig eingestreute Sexszenen (bzw. das recht offene Thematisieren selbiger in den Dialogen) zu provozieren. Leser jenseits der Pubertt lassen sich von dieser Mixtur, hinter der das Kalkl allzu klar erkennbar ist, aber vermutlich nur bedingt amsieren. Zudem verlsst der Konflikt zwischen der Mafia-Familie und dem braven Priester, der sich einst von ihr abwandte, nun aber ihre Leitung bernehmen soll, niemals die ausgetretenen Pfade des Vorhersehbaren. Selbst wenn man sich die (fr den Plot ohnehin berflssigen) Eckzhne wegdenkt und "Bite Club" als reinen Mafia-Krimi betrachtet, entsteht also ein eher schwaches Bild, das darber hinaus von einigen logisch nicht nachvollziehbaren Entwicklungen im spteren Teil der Geschichte beeintrchtigt wird.

Hinzu kommt der auktoriale Erzhler, der den narrativen Stil von "Bite Club" dominiert, sich selbst aber viel zu wichtig nimmt und durch seine Informationsflut dafr sorgt, dass viele Panels nicht mehr als im Prinzip berflssige Illustrationen des Textes darstellen, dabei jedoch keinerlei eigene erzhlerische Kraft entfalten knnen. Zudem scheitert die berprsente "Stimme aus dem Off" klglich daran, das wohl beabsichtigte Pulp-Feeling heraufzubeschwren. Und so ist der Leser schnell genervt von den ewigen Info-Wiederholungen und den vermeintlich "coolen" Kommentaren des betont sachlich-distanzierten und lakonischen Erzhlers.

Die Zeichnungen von David Hahn sind berwiegend funktional, dabei aber etwas zu detailarm ausgefallen und wirken somit nicht besonders individuell. Die viel zu glatten Illustrationen bieten dem Auge des Betrachters keinerlei Ecken und Kanten, an denen sich das Verweilen lohnen wrde. Sie erreichen aber auch bei Weitem nicht das Ma an Eleganz, das einer starken Vereinfachung der Formen innewohnen kann. Auch die Kolorierung von Brian Miller ist extrem langweilig geraten: Jede Seite wird von einer gewissen Grundfarbe beherrscht, die in unterschiedlichen Schattierungen vorkommt, und alle paar Seiten wechselt diese Grundfarbe. So folgen auf drei rtliche Seiten zwei grnliche Seiten, bevor es dann mit vier gelblichen Seiten weitergeht - und so weiter. Durch die Farbwechsel werden zwar die einzelnen Szenen klar voneinander getrennt, aber kaum ein Leser htte dieses Hilfsmittel wohl wirklich ntig, und in Verbindung mit den faden Zeichnungen wirkt die Ton-in-Ton-Farbgebung auf Dauer lediglich ermdend.

Fazit:

"Bite Club" will auf Biegen und Brechen cool und sexy sein - doch das Ergebnis wirkt lediglich hlzern und verkrampft. Die Geschichte vom Mafia-Sohn, der durch seine Rechtschaffenheit aus der Art schlgt, aber trotzdem wider Willen die Leitung des Verbrecherkartells bernehmen muss, ist schon banal und abgenutzt genug. Dass die Gangster nebenbei zufllig auch noch vergngungsschtige, tabulose Blutsauger sind, ndert dabei obendrein berhaupt nichts am Verlauf der Handlung - alles wre genauso passiert, wenn es sich um herkmmliche Drogendealer, Erpresser und Auftragskiller ohne spitze Zhne handeln wrde. Somit dient der Vampirismus hier lediglich der (letztlich erfolglosen) Effekthascherei, die nicht ber die ausgeprgten Schwchen des Plots hinwegtuschen kann. Da auch die visuelle Seite von "Bite Club" mit ihren profillosen Zeichnungen und der uninteressanten Farbgebung keinerlei eigene Akzente zu setzen vermag, ist dieser Comic nicht in der Lage, auch nur ansatzweise zu unterhalten.
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