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The Goon 1: Krudes Zeug  Drucken E-Mail
Comics: Amerika Horror & Mystery
Geschrieben von Manuel Tants   
Samstag, 6. Dezember 2008

The Goon 1: Krudes Zeug

Autor: Eric Powell
Zeichner: Eric Powell

Originaltitel: The Goon: Rough Stuff
bersetzt von: Frank Neubauer

Reihe: The Goon
1. Band der Reihe

Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Erschienen: November 2008
ISBN: 978-3-936480-94-8
Preis: 14,80 EUR

100 Seiten
Inhalt
7.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.6

Wertung:
7.6
von 10
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Zum Inhalt:

Eigentlich wollten die Zombies ja nur die Macht in der Stadt an sich reien ... aber da waren auch noch die Vampire, die Monster, die Mutanten und die Mafia, die das Gebiet schon unter sich aufteilten. Und die Jungs vom FBI mischten auch irgendwie mit. Kurz: es war ein heilloses Chaos. Aber zum Glck gibt es den Goon. Er ist hsslich. Er ist fies. Er hat eine groe Wumme und einen kleinen Sidekick. Er hat einen Boss namens Labrazio. Und er rumt auf mit den Horrorplagen, die ihn davon abhalten, in Ruhe sein Bier in Norton's Pub zu trinken.

Meinung:

In den USA wurde "The Goon" vom gemeinsamen Verlag Dark Horse oft mit "Hellboy" verglichen, und in Deutschland werden beide Reihen ebenfalls unter einem Dach, nmlich dem von Cross Cult, verffentlicht. Auf den ersten Blick knnte man auch tatschlich meinen, dass hier starke Parallelen bestehen: In beiden Serien geht es um einen robusten und im Pulproman verwurzelten Helden, der sich mit einer gewissen Arbeiterklasse-Mentalitt um das Verdreschen von Vampiren, Werwlfen, Zombies und dergleichen kmmert.

Doch die Art der Umsetzung knnte kaum verschiedener sein: Wo Mike Mignola seinen paranormalen Ermittler um die ganze Welt schickt, um Sagengestalten aus aller Herren Lnder in die Mrchenbcher zurckzuprgeln, aus denen sie entsprungen sind, bleibt Eric Powells Goon stets in seinem angestammten Revier. Auch die Art des beiderorts vorkommenden Humors ist vllig unterschiedlich: Mignolas trockener und subtil-verschrobener Witz steht den lauten, politisch inkorrekten, mitunter geradezu pubertren und regelmig weit unter der Grtellinie liegenden Zoten, die Powell bevorzugt, diametral entgegen.

Zartbesaitete Leser knnten sich an dieser Ausrichtung von "The Goon" durchaus stren. Wer jedoch auch nur ansatzweise einen Sinn fr derartige Derbheiten hat, drfte sich hier prchtig amsieren. Allein die Grundsituation verspricht schon grenzenlose, frhliche Gewalt-Orgien: Goon (zu deutsch: "Handlanger", "Schlger") ist ein vernarbter Kerl mit Schiebermtze und Gorilla-Statur, der in einer namen- und zeitlosen Stadt den grten Teil des Tages am Tresen von Norton's Pub verbringt und von dort aus ber das Viertel wacht, das unter der Kontrolle seines Arbeitgebers, des mysterisen Mafiabosses Labrazio, steht. In letzter Zeit mssen Goon und sein kleiner, aber umso fieserer Spiegeselle Franky allerdings immer fter ihre Stammpltze verlassen, denn ein Zombie-Priester hat sich vorgenommen, die ganze Stadt mit seinen untoten Heerscharen zu berrennen. Und als wren die wandelnden Leichen allein noch nicht rgerlich genug, betteln zudem auch Hillbilly-Werwlfe, berhebliche Vampire, Fischmonster und Rockabilly-Gnome mit an der Hand festgewachsenen Bowlingkugeln regelmig um eine ernsthafte Tracht Prgel, whrend FBI-Ermittler sich an die Fersen von Labrazio heften.

Das rcksichtslose Schlachtfest, das sich aus dieser konfliktreichen Konstellation ergibt, wre unter normalen Umstnden schon drastisch genug, doch Eric Powell belsst es nur selten bei einfachem Hauen und Stechen: Frher oder spter kommen unweigerlich garstige Utensilien wie sprechende Kettensgen oder VHS-Bnder mit teuflischen Film-Snden ins Spiel. Als besonders destruktiv erweist sich hier der uerlich eher schmchtige Franky, der Hilfsangebote ehemaliger Gegner auch schon einmal mit dem beherzten Ausruf "Messer ins Auge!" (sowie der entsprechenden Handlung) quittiert. Dabei tut "The Goon" zum Glck gar nicht erst so, als gbe es eine ausgefeilte Handlung, die alles zusammenhlt: Hier geht es vor allem darum, Goon und Franky immer wieder aufs Neue in Schwierigkeiten zu bringen. Umso angenehmer ist der Leser berrascht, wenn dann pltzlich doch einmal ein halbwegs ernsthaftes Story-Fragment zwischen den hanebchenen Balgereien auftaucht.

Ursprnglich erschienen die in "Krudes Zeug" zusammengefassten Hefte in Schwarzwei. Fr die Sammelband-Verffentlichung wurden sie jedoch von Dave Stewart koloriert, der hier die berzeugende Qualitt abliefert, die man von ihm gewohnt ist. Trotzdem steht dieser Auftaktband in visueller Hinsicht ein wenig hinter den noch folgenden Verffentlichungen dieser Reihe zurck, denn einerseits ist Powells cartoonhafter Zeichenstil in dieser frhen Goon-Phase noch nicht ganz so ausgereift wie spter, und andererseits wird er in spteren Ausgaben die Kolorierung selbst bernehmen. Dazu wird er auf das Nachtuschen seiner Zeichnungen verzichten (was in "Krudes Zeug" wegen der ursprnglichen Schwarzwei-Form nicht mglich war) und sehr nuancenreiche Farben direkt ber seine Bleistiftzeichnungen legen, wodurch er besonders subtile Schattierungen erzeugen kann - im vorliegenden Band wendet er diese uerst effektvolle Technik nur in zwei kurzen Flashback-Passagen an.

Dass die Optik der Serie sich in Zukunft noch steigern wird, soll aber nicht bedeuten, dass der vorliegende Band schlecht ausshe: Die im Grunde semi-realistischen Zeichnungen sind tief in der Welt der Cartoons verwurzelt: Fast jedes Gesicht besitzt irgendein bertrieben hervorgehobenes Merkmal, seien es nun Glubschaugen oder schiefe Zhne - so wirken die Figuren beinahe wie bsartige Karikaturen von ohnehin schon uerst hsslichen Personen und sorgen dadurch auch auf visuellem Wege fr so manches unglubige Schmunzeln beim Betrachter. In einem ausgesprochen informativen Anhang voller Skizzen und Kommentare, der den hochwertig gestalteten Hardcover-Band im A5-Format abschliet, erlutert Eric Powell zudem die Entstehungsgeschichte des Goons und seines Umfelds.

Fazit:

Als Auftakt und Einstimmung bietet "Krudes Zeug" einen angemessenen Vorgeschmack auf das, was Eric Powell in Zukunft noch mit dem Goon und seinem wahrlich durchgedrehten Sidekick Franky anstellt: Schlgereien mit B-Film-Monstern, absurde Situationen am laufenden Band, Humor jenseits aller Geschmacksgrenzen - und ab und zu eine Prise echten Gefhls. Sowohl zeichnerisch als auch als Autor hat Powell in diesem frhen Werk noch lngst nicht seinen Zenit erreicht, aber auch diese erste Ausgabe von "The Goon" kann sich bereits sehen lassen und drfte bei jedem Leser, der nicht zimperlich vor derben Scherzen zurckschreckt, fr so manchen herzhaften Lacher sorgen.

 
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