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Hellboy 7: Seltsame Orte  Drucken E-Mail
Comics: Amerika Horror & Mystery
Geschrieben von Manuel Tants   
Freitag, 12. Dezember 2008

Hellboy 7: Seltsame Orte

Autor: Mike Mignola
Zeichner: Mike Mignola

Originaltitel: Mike Mignola's Hellboy: Strange Places
Reihe: Hellboy
7. Band der Reihe

Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Erschienen: Mai 2006
ISBN: 978-3-936480-07-8
Preis: 18,00 EUR

160 Seiten
Inhalt
9.0
Zeichnungen
10.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
9.3

Wertung:
9.3
von 10
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Zum Inhalt:

Irgendwo auf dem Grund des Ozeans. Die Bog Roosh, ein riesiger, sprechender Fisch, verheit drei Meerjungfrauen die Erfllung aller Wnsche, so sie ihr ihren grten Feind in die Hnde liefern ... Hellboy. Dieser folgt dem Ruf des Meeres bis in die finstersten Tiefen und wird schlielich an seltsame Gestade verschlagen: Im dichten Nebel einer gespenstischen, von Schiffswracks umringten Insel blickt er dem Ende seines bisherigen Lebens ins Auge ... Ein uralter Zauberdoktor, eine grausame Seehexe und der Hter der wahren Geschichte der Welt zwingen Hellboy, sich seiner Bestimmung innerhalb der bevorstehenden Apokalypse zu stellen. In diesem von gttergleichen Monstern und singenden Skeletten bevlkerten Abenteuer lftet Mike Mignola erstmals einige der groen Geheimnisse, die seit Hellboys Schpfung im Dunkeln lagen.

Meinung:

"Seltsame Orte", der siebte Hellboy-Band, vereint die beiden inhaltlich eng zusammengehrigen Hellboy-Geschichten "Der dritte Wunsch" und "Die Insel". Nach Aussage von Autor und Zeichner Mike Mignola stellen diese beiden Episoden den Abschluss des ersten Kapitels in Hellboys Leben dar - jetzt gibt es die "normalen" Ermittlungen im paranormalen Bereich also endgltig nur noch in Rckblicken; von nun an muss der Geisterjger aus der Hlle sich vor allem mit seiner eigenen Bestimmung auseinandersetzen, wozu er nach wie vor nur widerwillig bereit ist.

Der Leser hat Hellboy schon oft in arger Bedrngnis erlebt, in Situationen, aus denen er sich nur mit Hilfe des Zufalls oder externer Helfer befreien konnte. Doch noch nie war die Lage fr ihn so ernst und aussichtslos wie in "Der dritte Wunsch". Nach einem kurzen und herrlich schrgen Auftakt in Afrika folgt Hellboy mehr oder weniger freiwillig dem Ruf des Ozeans. Dort liefern ihn drei Meerjungfrauen der mchtigen Meerhexe Bog Roosh aus, die Hellboy vernichten will, um die Apokalypse abzuwenden, die er seiner Bestimmung zufolge einluten soll. Und Hellboy, in spezielle Ketten gelegt und durch einen magischen Nagel in seiner Stirn gebunden, muss tatenlos mit ansehen, wie die ebenfalls vom Schicksal gebeutelten Meerjungfrauen den Lohn fr ihre Dienstleistung bekommen, whrend er darauf wartet, dass die Fischhexe ihre Drohungen gegen ihn wahr macht.

Diese Geschichte - die Mignola im Grunde schon vor der Existenz von Hellboy mit sich herumtrug und immer wieder in Interviews angekndigt hat, aber erst im Jahre 2001 tatschlich umsetzte - gehrt zweifellos zu den rhrendsten Comicerzhlungen, die der US-Comicmarkt in den letzten Jahrzehnten zu bieten hatte. Das bittere Schicksal der drei Meerjungfrauen ist im Grunde klassischer Mrchenstoff, weckt aber beim Leser viel Melancholie und Mitgefhl. Auch Hellboy selbst kann sich der Anteilnahme fr die Unterwassergeschpfe kaum erwehren, ist aber nicht in der Lage, selbst einzugreifen, und kann den frechen Sprchen, mit denen er die unheilschwangeren Monologe der Meerhexe kommentiert, keine Taten folgen lassen - fr ihn ein geradezu unertrglicher Zustand.

Einige Jahre nach diesem Abenteuer auf dem Meeresgrund wird Hellboy in "Die Insel" an den Strand eines Eilands vor der Kste Portugals gesplt, wo er sich in einem Schiffswrack mit den Geistern verstorbener Seefahrer die Zeit vertreibt, bevor seine Erzfeindin Hekate die rumselige Idylle strt und dort fortfhrt, wo die Bog Roosh in der vorigen Geschichte aufhrte. Wie gewohnt ignoriert Hellboy die Ankndigungen der Knigin aller Hexen geflissentlich, doch schon bald wird er schwer verletzt und bekommt von einem unheimlichen wiedergeborenen Ketzer nichts Geringeres als die geheime Geschichte der Welt prsentiert - deren Schlsselobjekt Hellboys rechte Hand ist.

In "Die Insel" legt Mignola tatschlich (fast) alle Karten auf den Tisch: Nicht nur die Entstehung von Hellboys ebenso mysteriser wie mchtiger Faust wird geklrt, auch die Verbindung zu den grotesken "Ogdru Jahad", die im All schlummern, wird besttigt und nher beleuchtet. Die hier gebotenen Informationen setzen dem ersten Kapitel in Hellboys Leben ein denkwrdiges Ende und bereiten die passende Bhne fr die weiteren Erlebnisse des Dmons im Trenchcoat, die geradezu apokalyptische Ausmae anzunehmen versprechen.

Dass auch Mignolas unverkennbarer Zeichenstil seit Beginn der Hellboy-Serie einige Vernderungen durchlaufen hat, wird in "Seltsame Orte" besonders deutlich, denn zwischen der Entstehung der beiden hier enthaltenen Geschichten lagen mehrere Jahre, in denen der Knstler sich sichtbar weiterentwickelt hat. So verzichtet er mittlerweile noch strker auf Details, was seine Bilder noch abstrakter erscheinen lsst. Durch diese Entwicklung passt sich die optische Seite ideal dem wortkargen, aber effektiven Erzhlton an, denn auch als Autor ist Mignola inzwischen zu einem wahren Meister seines Faches mit ganz eigenem Ausdruck gereift.

Der Anhang enthlt diesmal einen ganz besonderen Einblick in die Werkstatt Mike Mignolas: Wie er berichtet, fiel ihm das Schreiben und Zeichnen beider Episoden, besonders aber von "Die Insel", auerordentlich schwer, da es sich um entscheidende Momente im Leben des Protagonisten handelte, deren Umsetzung absolut stimmen musste, um die gewnschte Wirkung zu erzielen. Der vorliegende Band enthlt zahlreiche zum Teil extra fr den Sammelband getuschte Seiten aus seinen ersten beiden (gescheiterten) Versuchen, sich der Geschichte anzunhern. Nur wenige Knstler besitzen die Gre, ihre Leser so direkt Zeuge ihrer Fehlversuche werden zu lassen - und nur bei wenigen Knstlern sehen selbst Fehlversuche so groartig aus wie bei Mignola. Abgesehen davon beeindruckt der Band mit der gewohnt hochwertigen Cross-Cult-Aufmachung in Schwarzwei mit edlem Hardcover-Einband.

Fazit:

Wer von "Seltsame Orte" actionreiche Momente erhofft, in denen Hellboy seine Fuste fliegen lsst, wird womglich enttuscht sein. Doch dafr liefert Mike Mignola in seinen wie gewohnt einzigartigen Zeichnungen eine ganze Reihe wohlplatzierter emotionaler Tiefschlge, die beim Leser noch lange nachwirken, und verrt obendrein entscheidende Informationen ber Hellboys Herkunft, die seinen weiteren Weg deutlich prgen werden. Damit ist gewhrleistet, dass es den ehemaligen B.U.A.P.-Agenten in Zukunft sogar an noch seltsamere Orte verschlagen drfte als in diesem Band. Fr ihn wird das gewiss unangenehm, doch als Leser kann man von dieser Entwicklung nur profitieren.

 
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