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Hellboy 2: Der Teufel erwacht  Drucken E-Mail
Comics: Amerika Horror & Mystery
Geschrieben von Manuel Tants   
Mittwoch, 8. Oktober 2008

Hellboy 2: Der Teufel erwacht

Autor: Mike Mignola
Zeichner: Mike Mignola

Originaltitel: Mike Mignola's Hellboy: Wake The Devil
Reihe: Hellboy
2. Band der Reihe

Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Erschienen: August 2006
ISBN: 978-3-936480-09-2
Preis: 19,80 EUR

172 Seiten
Inhalt
10.0
Zeichnungen
10.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
9.7

Wertung:
9.7
von 10
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Zum Inhalt:

Soho, New York City. Der Leiter eines Wachsfiguren-Kabinetts wird erschossen in seinem unheimlichen Museum aufgefunden. Ermittlungen ergeben, dass eine ber zwei Meter groe Holzkiste mit der Aufschrift "Giurescu, Objekt #666" verschwunden ist. Der vermutete Inhalt der Kiste ruft Hellboy und die "Behrde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen" auf den Plan. Die alte Legende um den blutrnstigen Adligen Vladimir Giurescu fhrt sie zu einem mittelalterlichen Schloss in Rumnien, wo sie ein wahrer Albtraum erwartet ...
Hellboy sieht sich nicht nur mit Untoten und Hexen konfrontiert, sondern zudem mit seiner apokalyptischen Bestimmung: Ist er wirklich in dieser Welt, um das Ende der Menschheit einzuluten?

Meinung:

"Der Teufel erwacht", die zweite lange Hellboy-Geschichte, findet wie schon "Saat der Zerstrung" berwiegend in einem entlegenen, bauflligen Gemuer statt, und auch diesmal legt der paranormale Ermittler aus der Hlle groe Wegstrecken im freien Fall zurck. Aber an dieser Stelle enden die inhaltlichen Gemeinsamkeiten auch fast schon. Denn zum einen ist die Grundstimmung der Erzhlung eine deutlich andere - die lakonischen Kommentare aus Hellboys eigener Perspektive gab es nur im ersten Band der Serie. Zum anderen geht bei diesem Einsatz des B.U.A.P.-Auenteams eine ganze Menge gehrig schief.

Bereits in "Saat der Zerstrung" war Hellboy von Rasputin, der ihn vor ber 50 Jahren auf die Erde geholt hatte, darber aufgeklrt worden, dass ihm bei der Apokalypse eine tragende Rolle zuteil werden soll. Damals konnte der rothutige Ex-Dmon noch geflissentlich ber die Prophezeiungen des Magiers hinweghren. Doch in "Der Teufel erwacht" fhrt ihn die Jagd nach Vladimir Giurescu zu Begegnungen mit allerlei anderen mythischen Wesen aus aller Welt, darunter vor allem Hekate, Knigin aller Hexen, die ihn auf derart drastische Weise mit seiner Bestimmung konfrontiert, dass er sie nicht lnger ignorieren kann - so gern er das auch tun wrde.

Das allein sorgt schon fr gengend Missmut bei Hellboy, doch es kommt noch schlimmer: Der Einsatz geht fr einige B.U.A.P.-Mitarbeiter, darunter auch Hellboys enge Freundin Liz Sherman, leider nicht besonders glimpflich aus. Diese dramatischen Entwicklungen verleihen dem Hellboy-Universum eine zustzliche Tiefe, die in den kommenden Geschichten noch deutlich weiter ausgebaut wird. Doch bereits in diesem zweiten Band wird klar: Die Unbekmmertheit, die er fast sein ganzes bisheriges Leben lang wie einen Schatz gehtet hat, wird Hellboy nicht auf ewig aufrechterhalten knnen. Denn wenn die eigenen Familienbande bis in die Hlle zurckreichen, muss man sich frher oder spter mit der unliebsamen Verwandtschaft auseinandersetzen.

Whrend sich Mike Mignola in "Saat der Zerstrung" vor allem auf kosmisches Grauen und Tentakelmonster la Lovecraft berief, zeigten die kurz darauf erschienenen Kurzgeschichten (die bei Cross Cult in Band 4 nachgereicht werden) bereits, dass er sich auch gerne bei Volkssagen und Mythologie aus aller Welt bedient, wenn es darum geht, Hellboy in interessante Begegnungen zu verwickeln. "Der Teufel erwacht" setzt diesen Trend nahtlos fort, und so werden dem Leser neben den bereits erwhnten Kreaturen wie Hekate und einem sehr klassisch angelegten Vampir auch die russische Hexe Baba Jaga, die Daoine Sdhe (das keltische "Feenvolk") und der nordische Weltenbaum Yggdrasil an den Kopf geworfen, ohne dass man sich irgendwie an dieser bunten Mixtur stren wrde. Im Gegenteil: Mignolas Umgang mit den kulturellen Versatzstcken ist so souvern und berzeugend, dass man bei der Lektre fast das Gefhl bekommt, dass diese vllig verschiedenen Sagenkreise eigentlich schon immer zusammengehrten.

Wie immer, wenn Mike Mignola am Werk war, wirken die Zeichnungen, als wre das Wei aus einem massiven Block Schwrze herausgemeielt worden. Die kantigen, mitunter abstrakten Formen verstrmen aber dennoch einen ungemein organischen Eindruck, der vom groen Knnen dieses Ausnahmezeichners zeugt. Mignola baut zudem sein Talent dafr, ein ganz eigenes Erzhltempo zu finden, in "Der Teufel erwacht" noch weiter aus und streckt den Ablauf der Bilder vermehrt mit Szenen wie etwa zwitschernden Vgeln - ein enorm wirksamer Kunstgriff, der inzwischen diverse Nachahmer gefunden hat.

Auch dieser Hellboy-Band erscheint im typischen "Cross-Cult-Hausformat", will sagen: Auf A5 verkleinert, schwarzwei und in einem ebenso robust wie edel wirkenden Hardcover-Einband. Wie gewohnt gibt es obendrein einige exklusive Extras. In diesem Fall sind das neben einigen Pin-ups deutscher Zeichner ein Interview mit Mike Mignola aus der Zeit, in der er gerade die Arbeit an "Der Teufel erwacht" beendet hatte, sowie ein weiteres Gesprch mit seinem Redakteur Scott Allie, das hochinteressante Einblicke in die Zusammenarbeit mit diesem einzigartigen Knstler gewhrt.

Fazit:

In "Der Teufel erwacht" beweist Mike Mignola, dass er als Autor die Schtzenhilfe eines John Byrne keineswegs ntig hat. Im Gegenteil, mit seinem eigenen, etwas wortkargeren Schreibstil bietet er den Lesern gengend Freiraum, sodass sie alle Emotionen der Figuren den imposanten, ausdrucksstarken Bildern entnehmen knnen. Der Fokus der Handlung liegt diesmal noch strker auf Hellboys Bestimmung als Bestie der Apokalypse - und seiner anhaltenden Verweigerung, sich mit diesem Thema zu befassen. Das verleiht der Figur, die zugegebenermaen auch als eher oberflchlicher Actionheld bestens funktioniert, noch mehr Tiefe. Somit stellt "Der Teufel erwacht" bereits einen ersten Gipfel in einer generell herausragenden Serie dar und lsst erahnen, welche Dramatik in zuknftigen Geschichten um den hllischen Geisterjger noch auf den Leser wartet.

 
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