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B.U.A.P. 1: Hohle Erde  Drucken E-Mail
Comics: Amerika Horror & Mystery
Geschrieben von Manuel Tants   
Mittwoch, 29. Oktober 2008

B.U.A.P. 1: Hohle Erde

Originaltitel: B.P.R.D.: Hollow Earth and Other Stories
Reihe: B.U.A.P.
1. Band der Reihe

Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-936480-52-8
Preis: 19,80 EUR

160 Seiten
Inhalt
8.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
8.2

Wertung:
8.2
von 10
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Zum Inhalt:

Die Behrde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen (B.U.A.P.) setzt alles daran, ihre Agentin Liz Sherman zu retten, die von geheimnisvollen Mchten ins Innere der Erde entfhrt worden ist. Dabei mssen sich die Agenten um den Fischmenschen Abe Sapien auch an ein Leben ohne Hellboy gewhnen, der die Behrde am Ende des "Sieger Wurm"-Einsatzes verlassen hat. Und dann ist da noch ihr neuer Kollege, der deutschstmmige ektoplasmische B.U.A.P.-Agent Johann Kraus. Weitere Abenteuer fhren Abe Sapien in die unheimlichen Tiefen der Sdsee, Liz und Roger versuchen das Geheimnis eines Geisterzugs zu lften, und der legendre Held Lobster Johnson bekommt es mit einem verrckten Wissenschaftler zu tun.

Meinung:

Durch Hellboys Ausstieg aus den Reihen der B.U.A.P. ist dem Team nicht nur ein schlagkrftiger Agent abhanden gekommen, sondern auch eine Symbolfigur, die viel dazu beitrug, die Moral unter den brigen Mitarbeitern aufrecht zu erhalten. Hellboy, der praktisch seit Grndung der Behrde dazu gehrte, gab all den anderen Ausgestoenen das Gefhl, dass die Regierungseinrichtung eine Art Heimat fr sie sei. Doch mit seinem Weggang und der damit einhergehenden bitteren Erkenntnis, dass die Brokraten an der Spitze der Behrde den "Freaks" durchaus skeptisch gegenberstehen, macht sich auch bei den brigen Agenten Aufbruchstimmung breit: Zu Beginn des Bandes "Hohle Erde" hat Liz Sherman sich in ein Kloster im Ural begeben, um dort ihren inneren Frieden und damit eventuell auch die Kontrolle ber die in ihr ruhende Kraft des Feuers zu finden. Und auch Abe Sapien ist fest entschlossen, der Behrde den Rcken zuzukehren.

An dieser Unzufriedenheit ndert auch die Ankunft eines neuen Kollegen erst einmal nichts: Johann Kraus, ein Medium aus Heidelberg, hat bei einer spirituellen Katastrophe seinen Krper verloren und besteht nun nur noch aus Ektoplasma, das in einem speziellen Schutzanzug zusammengehalten wird. Und der hfliche und sorgfltige, aber auch neugierige Deutsche kommt schneller als erwartet zu seinem ersten Aueneinsatz, denn den schon im Auszug begriffenen Abe erreicht ein bersinnlicher Hilferuf von Liz. Und so reist das Team, zu dem auch der Homunkulus Roger gehrt, zum letzten bekannten Aufenthaltsort der Pyrokinetikerin und entdeckt dort einen Weg, der weit unter die Erde fhrt, wo einst ein uraltes Volk heimisch war.

Mike Mignola hatte "Hohle Erde" ursprnglich als Versuchsballon gedacht, mit dem erforscht werden sollte, ob die Leser auch eine B.U.A.P.-Serie ohne Hellboy akzeptieren wrden. Die vorliegende Geschichte beruft sich mit der Legende von der Erde als Hohlwelt auch gleich auf ein beliebtes Thema der reierischen Abenteuerliteratur der 30er Jahre und fgt sich damit nahtlos in die Welt Hellboys ein, die stets zwischen augenzwinkerndem Verweis auf Schundliteratur und verblffend kreativem Umgang mit bestehenden Sagenstoffen pendelt. Obendrein wird mit Johann Kraus eine wahrlich faszinierende neue Figur ins Team eingefhrt, und auch die brigen Charaktere und ihre Beziehungen untereinander haben ausreichend Raum bekommen.

Ryan Sook ist ein ausgesprochen wandlungsfhiger Zeichner. Fr "Hohle Erde" hat er sich stark am Stil Mike Mignolas orientiert, was nicht nur naheliegend ist, sondern gewiss auch vom Verlag erwnscht war, um alteingesessene Hellboy-Leser bei der ersten lngeren Geschichte ohne ihren roten Hllenhelden nicht auch noch durch eine vllig neue Optik zu verstren. Das Imitieren des Hellboy-Schpfers gelingt Sook dabei so gut, dass man diese Geschichte bei flchtiger Betrachtung durchaus fr ein "Original" halten knnte. Erst beim nheren Hinsehen erkennt man, dass er einen etwas leichteren Strich hat und die Details ein wenig anders betont, wodurch die Zeichnungen ein gewisses Ma an Eigenstndigkeit gewinnen.

Neben der titelgebenden Story enthlt der Band zudem einen Einblick in die Entstehungsgeschichte von Johann Kraus, die Kurzepisode "Abe Sapien versus Wissenschaft", die im Hinblick auf Rogers Weg zum B.U.A.P.-Agenten die Lcke zwischen "Fast ein Gigant" und "Sieger Wurm" schliet, und den mittlerweile legendren ersten Auftritt des Pulp-Helden Lobster Johnson in der Geschichte "Der Killer in meinem Kopf". Auerdem gibt es ein von Brian McDonald geschriebenes, etwas lngeres Solo-Abenteuer von Abe Sapien namens "Die Trommeln der Toten" zu lesen, das aber sowohl inhaltlich als auch von den Zeichnungen her, fr die Derek Thompson verantwortlich ist, ein wenig gegenber dem Rest des Bandes abfllt.

Die aktuelle Neuauflage von "Hohle Erde" weist zudem noch eine vollstndige Bonus-Story auf, die hier erstmals in Deutschland verffentlicht wird: In "Nachtzug", geschrieben von Geoff Johns und gezeichnet von Scott Kolins, bekommen es Liz und Roger mit den Fahrgsten eines unheimlichen Geisterzugs und einem Altnazi zu tun, drfen dabei aber zum Glck auf die Hilfe von Lobster Johnson zhlen. Auch sonst hat Cross Cult bei dieser zweiten Auflage nicht gegeizt: Zur Anpassung an die folgenden Ausgaben der Reihe erscheint der ehemals schwarzweie Band nun vollstndig in (ausgesprochen stimmungsvoller) Farbe. Der Comic liegt in der vom Verlag gewohnten prchtigen Aufmachung als Hardcover auf hochwertigem Papier vor und enthlt als Extras interessante Skizzen von Sook und Mignola sowie einmal mehr exklusive Pin-ups von deutschen Knstlern.

Fazit:

Die Behrde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen kommt auch ohne Hellboy gut ber die Runden, das macht der Band "Hohle Erde" deutlich. Sobald der Ermittler aus der Hlle nicht mehr das Rampenlicht auf sich zieht, knnen die anderen Mitglieder des Teams endlich beweisen, was in ihnen steckt. Auch der Neuzugang Johann Kraus fgt der Mannschaft mit seinen ungewhnlichen Fhigkeiten und seiner etwas gestelzten Ausdrucksweise ganz neue Aspekte hinzu. Das Experiment "B.U.A.P. ohne Hellboy" darf somit als vollauf geglckt betrachtet werden. Und angesichts der ppigen Neuerungen in dieser jngst erschienenen Zweitauflage knnten sogar Besitzer der ursprnglichen Ausgabe ins Grbeln kommen, ob sich eine erneute Anschaffung lohnt.

 
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