/* ]]> */
Banner bookdepository.com

Loveless 1: Blutrache  Drucken E-Mail
Comics: Amerika Historisches
Geschrieben von Manuel Tants   
Dienstag, 17. Februar 2009

Loveless 1: Blutrache

Zeichner: Marcelo Frusin

Originaltitel: Loveless 1 - 5
bersetzt von: Bernd Kronsbein

Reihe: Loveless
1. Band der Reihe

Verlag: Vertigo
Format: Softcover
Erschienen: Juli 2008
ISBN: 978-3-86607-621-1
Preis: 14,95 EUR

128 Seiten
Inhalt
6.0
Zeichnungen
6.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
6.3

Wertung:
6.3
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Wes Cutter ist ein gesuchter Mann, der vor seiner blutigen Vergangenheit davonluft - vor den Schrecken des amerikanischen Brgerkriegs, dem mrderischen Aufenthalt in einem Gefangenenlager der Union und den grausamen Auswirkungen des Wiederaufbaus. Aber nun ist er heimgekehrt in eine Stadt voller tdlicher Geheimnisse, um seine Frau Ruth zu suchen - eine geschundene Frau, die ihre eigenen dunklen Geheimnisse verbirgt. Als Bonnie & Clyde des Wilden Westens schlagen sie eine blutige Schneise der Vergeltung durch das Land - auf der Suche nach der einen Sache, die ihnen immer versagt war: Frieden.

Meinung:

Brian Azzarello hat sich in den letzten Jahren zu einem der gefeiertsten US-Comic-Autoren hochgearbeitet: Er schrieb sowohl fr renommierte Serien wie "Hellblazer", hat aber auch mit selbst erschaffenen Reihen wie etwa dem bis ins letzte Detail durchkomponierten Thriller "100 Bullets" groe Erfolge verbucht. Mit "Loveless" versucht er nun, das in den Vereinigten Staaten lange Zeit vergessene Western-Genre neu zu beleben. Dabei steht ihm erneut sein ehemaliger "Hellblazer"-Zeichner Marcelo Frusin zur Seite. Der Band "Blutrache" versammelt die ersten fnf der insgesamt 24 Einzelhefte, aus denen die Serie besteht.

In der Zeit kurz nach dem Sezessionskrieg kehrt Wes Cutter in seinen Sdstaaten-Heimatort Blackwater zurck - dort ist er allerdings nicht gern gesehen. Schon vor dem Krieg war der eigensinnige Mann nicht bei jedem seiner Nachbarn beliebt, doch der Militrdienst und der anschlieende Aufenthalt in einem Gefangenenlager haben ihn zudem noch hart und rcksichtslos werden lassen. Viele der Einwohner von Blackwater hatten daher gehofft, Cutter wrde nicht lebend aus dem Krieg zurckkehren. Obendrein ist Cutters ehemaliges Farmhaus inzwischen zum Sttzpunkt der Unionsarmee geworden. Mit Mut und Hrte kann er es fr sich zurckerobern, doch dieses offensichtlich aufmpfige Verhalten lsst die Dorfbewohner ihm gegenber nur noch ablehnender werden, da sie befrchten, dass die Repressalien der Besatzer auch sie treffen knnten.

Wes Cutter wei jedoch genau, wen er manipulieren muss, wenn er seinen Traum von der Vergeltung an allen, die ihm Unrecht getan haben, umsetzen will. Und er schreckt dabei auch nicht vor dem Einsatz tdlicher Gewalt zurck, auch wenn sie sich gegen nur am Rande Beteiligte richtet. Auf diese Weise spielt er ehemalige Freunde, fr die der Krieg gegen den Norden noch nicht vorbei ist, die eingeschchterten Brger von Blackwater und die Yankee-Truppen geschickt gegeneinander aus, um an sein endgltiges Ziel zu kommen. Zudem wird er von einem geheimnisvollen Begleiter untersttzt, den keiner seiner Widersacher auf der Rechnung hat.

Das Konzept verspricht also knallharte Rache-Action, und in dieser Hinsicht erfllt der Comic durchaus die Erwartungen. Kaltschnuzig und unerschrocken stellt sich Wes Cutter jedem entgegen, der seine Rckkehr nach Blackwater und die Suche nach seiner anscheinend verschollenen Frau und seinem Bruder auch nur ansatzweise behindern knnte. Derartige Szenen hat man jedoch schon hufig genug in einschlgigen Filmen gesehen, und die angedeuteten wirtschaftlichen Interessen der Politik sowie die Probleme mit dem Aufkeimen des Ku-Klux-Clans stehen zu weit im Hintergrund, um wirklich neue Aspekte zu setzen. Interessant wird es lediglich, wenn Erinnerungen aus der Zeit vor dem Krieg als sepiafarbene "Geister" in den Panels auftauchen, die gleichzeitig die aktuelle Handlung erzhlen. Hier wird eine einzigartige Mglichkeit des Mediums Comic hervorragend genutzt, zumal Vergangenheit und Gegenwart stets als passender Kommentar zur jeweils anderen Zeitschiene verstanden werden knnen.

Abgesehen von diesem geschickten Erzhl-Kniff, der in den Bildern von Marcelo Frusin gekonnt umgesetzt wird, kann die Arbeit des Zeichners nur bedingt berzeugen. Der ehemalige Schler von Eduardo Risso (Azzarellos Zeichner bei "100 Bullets") hat im Grunde einen angenehm kantigen Strich und verzichtet wie sein Lehrmeister oft auf Details, was gerade bei im Schatten verborgenen Gesichtern recht effektiv wirkt. Frusin beherzigt jedoch leider nicht, dass diese Details mitunter auch durchaus notwendig sein knnen - die Zahl der Mnner mit Vollbart und Hut, die in diesem Band vorkommen, ist gro genug dafr, dass zumindest einige von ihnen ein paar individuellere Merkmale verdient htten. So kann die Arbeit des Argentiniers letztendlich leider nicht durchweg berzeugen.

Fazit:

Brian Azzarello liefert mit "Loveless" eine fr seine Verhltnisse eher schwache Leistung ab: Zwar sind die Passagen, in denen Vergangenheit und Gegenwart quasi parallel ablaufen, recht gelungen, doch insgesamt kann sich die Geschichte kaum ber die etablierten Standards des Rache-Westerns hinaus erheben. Damit bleibt Azzarello deutlich hinter den Mglichkeiten zurck, die er in vielen seiner anderen Werke an den Tag gelegt hat. Auch die Zeichnungen von Marcelo Frusin bewegen sich lediglich auf Mittelma-Niveau und lassen so manches notwendige Detail vermissen. So kann "Loveless" das Versprechen vom knallharten Rache-Epos in der Zeit nach dem US-Brgerkrieg nur bedingt halten.
Weiterfhrende Infos

 
Copyright 2008-2019 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.