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Frau Maier fischt im Trüben  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 25. Februar 2013

Frau Maier fischt im Trüben

Reihe: Frau Maier
1. Band der Reihe

Verlag: Pendragon
Erschienen: Juli 2012
ISBN: 978-3-86532-340-8
Preis: 12,95 EUR

312 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
7.9

Wertung:
7.9
von 10
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Zum Inhalt:

Frau Maier lebt mit ihrer Katze in einem kleinen Haus am Chiemsee. Eigentlich ist die ältere Dame die Ruhe in Person. Doch als sie an einem ganz normalen Montagmorgen eine Frauenleiche am Ufer findet, ist nichts mehr so, wie es war: Ein nächtlicher Besucher schleicht um ihr Haus und hinterlässt unheimliche Nachrichten, die Schwester der Ermordeten wird bedroht und eine weitere Leiche lässt nicht lange auf sich warten. Weil die Polizei sie für senil hält, ermittelt Frau Maier auf eigene Faust und bringt sich dabei in höchste Gefahr ...

Meinung:

Mit ihrem Debütroman bietet Jessica Kremser nicht nur eine unterhaltsame Kriminalgeschichte, sondern mit ihrer Protagonistin Frau Maier auch eine Bereicherung für die deutsche Krimilandschaft. Frau Maier lebt seit ihrer Kindheit in dem kleinen Dorf Kauzing am Chiemsee und hat dort als Putzfrau ein bescheidenes Auskommen. Obwohl sie im Ort keine Freunde hat, da sie selbst nach all den Jahren noch als eine "Zugereiste" gilt, die nicht zur Dorfgemeinschaft gehört, ist sie recht zufrieden mit ihrem Leben. Ihre große Liebe gilt dem Chiemsee, den sie seit fast sechzig Jahren Tag für Tag beobachtet, und dem Fischer-Karli, auch wenn dieser vor langer Zeit eine Einheimische geheiratet hat.

Schon mit ihren ersten Sätzen gelingt es Jessica Kremser, den Leser auf Frau Maier neugierig zu machen - anfangs sogar neugieriger als auf die Tote im See und die Hintergründe ihrer Ermordung. Die alte Dame lebt - nicht nur räumlich gesehen - am Rande der Dorfgemeinschaft und hat außer ihrer Katze niemanden zur Gesellschaft. Doch auch wenn das Leben manchmal etwas einsam ist, hat sie sich doch gut damit arrangiert. Sie genießt ihre kleinen Morgenrituale (im inzwischen zerschlissenen Morgenmantel Kaffee trinken), sie ist eine aufmerksame Beobachterin der Natur (und ihrer Nachbarn) und strahlt so insgesamt eine Ruhe und Gelassenheit aus, dass man sich als Leser schon nach wenigen Sätzen regelrecht geerdet fühlt.

Nachdem Frau Maier an einem Montag den Fund einer Leiche im Chiemsee meldet, ist es daher umso empörender, dass die Polizei sich sicher ist, dass die alte Frau verwirrt ist oder - schlimmer noch - nur nach Aufmerksamkeit heischt. Einzig Elfriede Gruber, die Leiterin der örtlichen Sparkasse, und Frank Schön, ein Psychologe, der von der Polizei beauftragt wurde, Frau Maiers Verfassung einzuschätzen, glauben der alten Dame. Doch selbst diesen beiden vertraut sich Frau Maier nicht an, als auf einmal seltsame Dinge rund um ihr Haus geschehen. Sie ist sich bewusst, dass der Täter mit seinen Aktionen, wie zum Beispiel dem Aushängen der Gartenpforte oder dem Hinterlassen eines toten Fisches auf ihrer Türschwelle, den Eindruck untermauern will, dass sie im Alter verrückt geworden sei.

Stattdessen spornen der Spott und das Mitleid der Polizei Frau Maier ebenso zum Ermitteln an wie die Angst, die der Mörder ihr einzujagen versucht. Nach all den Jahren, die sie als stille Beobachterin des dörflichen Geschehens verbracht hat, wird Frau Maier zum ersten Mal aktiv. Dabei helfen ihr all die Wissensfragmente, die sie in der Vergangenheit gesammelt hat, ebenso wie der Zugang, den sie als Putzfrau zum Haus der Schwester der Ermordeten hat. Schnell findet sie heraus, dass die getötete Anita Graf vor dreißig Jahren regelrecht nach Amerika geflohen ist, doch um den Grund für diese Handlung herauszufinden, muss Frau Maier tief in die Vergangenheit zurückgehen.

Während der Kriminalfall von Jessica Kremser nicht so gestaltet wurde, dass der Leser groß mitermitteln kann oder gar Frau Maier einen Schritt voraus ist, macht es wirklich großen Spaß, die alte Dame bei ihren Untersuchungen zu begleiten. Für Frau Maier bringt dieser Fall letztlich - trotz aller Ängste, die sie ausstehen muss - eine regelrechte Befreiung von ihrem eingefahrenen Alltag. Hatte sie die letzten Jahre immer unauffällig und still ihr Leben geführt, so muss sie jetzt über ihren eigenen Schatten springen und Vorstöße wagen, die vor einigen Tagen noch undenkbar gewesen wären.

So weckt Frau Maier mit ihrem bescheidenen und stimmig gestalteten Wesen nicht nur die Sympathie des Lesers, sondern auch seine Neugier. Während selbst ihre Ermittlungen auf den ersten Blick so wenig aufregend sind wie ein See an einem windstillen Tag, fiebert man auf jedes Detail über die Vergangenheit und das Leben der zurückhaltenden Frau hin. Und je mehr man über sie erfährt, desto mehr schätzt man ihre bodenständige Art, ihre Leidenschaft für Elvis und ihren starken Willen, der sie durch so manchen ängstlichen Moment führt. Frau Maier beweist mehr als deutlich, dass ein Mensch mit Lebenserfahrung und einem gelassenen Gemüt häufig mehr erreicht als mit Vorverurteilungen und der vermeintlichen Überlegenheit der vitaleren Jüngeren. So unterhält "Frau Maier fischt im Trüben" den Leser auf eine leise und unwiderstehliche Art, die weniger mit der durchaus reizvollen Krimihandlung oder dem immer wieder aufblitzenden verhaltenen Humor zu tun hat als vielmehr mit der wunderbar sperrigen Persönlichkeit der Protagonistin.

Fazit:

Jessica Kremser beweist mit ihrem Debütroman "Frau Maier fischt im Trüben", dass eine ältere weibliche Ermittlerin in einem Kriminalroman sich deutlich von dem klassischen Vorbild der Miss Marple unterscheiden und doch wunderbar stimmig unterhalten kann. In ihrer pragmatischen und dickköpfigen Art weckt Frau Maier von der ersten Seite an die Sympathien des Lesers, obwohl die Figur den Leser lange Zeit auf Abstand hält und nun sehr zurückhaltend ihre Geheimnisse preisgibt. Diese stimmige Figur, die realistisch beschriebene Dorfgemeinschaft am Chiemsee und die zauberhafte Landschaft schlagen den Leser fast mehr in ihren Bann als die solide konstruierte und unterhaltsame Krimi-Idee. Auf jeden Fall macht dieser Roman Lust auf weitere Geschichten mit dieser zurückhaltenden alten Dame und weckt die Hoffnung, dass man noch viel mehr über Frau Maier und den kleinen Ort Kauzing zu lesen bekommt.
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