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Vor dem Regen kommt der Tod  Drucken E-Mail
Bcher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 21. November 2011

Vor dem Regen kommt der Tod

Originaltitel: De geur van regen
bersetzt von: Christiane Burkhardt

Reihe: Paul Vegter
2. Band der Reihe

Verlag: dtv
Erschienen: September 2011
ISBN: 978-3-423-24855-6
Preis: 14,90 EUR

336 Seiten
Inhalt
5.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
5.3

Wertung:
5.3
von 10
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Zum Inhalt:

Eine junge Polizistin wird an ihrer Wohnungstr berfallen und brutal niedergestochen. Das nchste Opfer ist eine Studentin. Beide Frauen sind rothaarig. Auch die Galeristin Vivienne hat rote Haare - sie wird von Angst und qulendem Misstrauen erfasst. Hat der Killer sie als nchstes Opfer auserkoren? Inspecteur Paul Vegter, der die Ermittlungen leitet, sprt, dass ihm nicht viel Zeit bleibt, bis der Mrder wieder zuschlgt ...

Meinung:

Obwohl "Vor dem Regen kommt der Tod" von Lieneke Dijkzeul als erster ins Deutsche bersetzt wurde, ist der Roman schon der zweite Band der Autorin mit Inspecteur Paul Vegter. Der vom dtv-Verlag im kommenden Jahr verffentlichte Titel "Schweigende Snde" hingegen ist der erste Krimi mit dem hollndischen Polizisten. Glcklicherweise kann "Vor dem Regen kommt der Tod" ohne Vorwissen gelesen werden - auch wenn hier und da der Verdacht aufkommt, dass eine Szene etwas nachvollziehbarer wre, wenn man ein paar detailliertere Hintergrnde zu Paul Vegter und seinem Team htte.

Der Roman beginnt mit einem berfall auf die Polizistin Rene, die - nachdem sie den Abend mit einem Mann in einem Restaurant verbracht hat - beim ffnen ihrer Wohnungstr angegriffen wird. Sehr ausfhrlich beschreibt die Autorin dabei Renes Gedanken bei dem folgenden Kampf: die anfngliche Zuversicht, weil sie eine groe und trainierte Frau ist, die berlegung, dass sie alle Atemluft braucht, um sich zu wehren und deshalb nicht schreien kann, das Abschweifen der Gedanken zu einer ganz besonderen Vase, die bei dem Kampf zerbricht, bis zu dem Moment, an dem sich Rene sicher ist, dass sie nun sterben wird. Diese Detailliertheit fhrt allerdings beim Leser zu einem gewissen Abstand zu den Ereignissen und verhindert so, dass man mit der Polizistin mitfiebert.

Zwar gelingt es Lieneke Dijkzeul, die Hilflosigkeit der jungen Frau zu beschreiben, aber nicht, sie so weit zu vermitteln, dass man um das Leben von Rene bangt. Eher beschftigt einen die Frage nach den Hintergrnden dieses Angriffs - und kurz darauf auch danach, warum der Tter anscheinend so unbeteiligt zu Werke geht. Denn neben der Perspektive von Rene und der von Inspecteur Paul Vegter, der die Ermittlungen aufnimmt, kann der Leser auch noch das Handeln und die Gedanken des Angreifers mitverfolgen. So bekommt man auch schnell mit, dass dieser erste Mordversuch nur ein Probelauf fr den Tter ist und dass er sich schon sein nchstes Opfer ausgesucht hat.

Whrend fr den Leser die Motive des Verbrechers bald auf der Hand liegen, tappt Paul Vegter mit seinem Team lange Zeit im Dunklen. Abgelenkt wird der Inspecteur bei seinen Ermittlungen auch dadurch, dass er fr die schwer verletzte Rene tiefere Gefhle hegt. Doch mit diesen kann er aufgrund des groen Altersunterschieds und der Tatsache, dass seine Frau noch nicht so lange tot ist, nicht umgehen. So obliegt es vor allem Pauls Kollegen, den Fall voranzutreiben und in mhsamer Fuarbeit herauszufinden, mit wem Rene privat Kontakt gehabt hatte und ob einer dieser Mnner ein Motiv fr eine solche Tat haben knnte.

Zustzlich kommt im Laufe des Buches noch die Perspektive von Vivienne hinzu, einer Galeristin, die nach dem zweiten Mord an einer rothaarigen Frau um ihr eigenes Leben zu frchten beginnt. Vivienne ist keine Schnheit, etwas zu dick und leicht behindert - und doch glcklich mit einem aufmerksamen, attraktiven und etwas jngeren Mann verheiratet. Aber in den letzten Wochen gab es immer wieder kleine Momente in ihrem Leben, in denen Vivienne das Gefhl hatte, dass sie ihren Ehemann gar nicht kennen wrde. Nach den Berichten ber die Angriffe auf rothaarige Frauen wachsen in ihr unkontrollierbare ngste. Sie fhlt sich bedroht und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, um herauszufinden, ob ihr Mann mit den Taten etwas zu tun haben knnte.

Allein schon dadurch, dass der Leser sehr frh die Identitt des Tters kennt und sich ohne Probleme sein Motiv zusammenreimen kann, mangelt es Lieneke Dijkzeuls Roman leider an Spannung. Auch wenn es unbersehbar ist, dass die Autorin sich weniger auf die Suche nach dem Verbrecher als auf die psychologischen Hintergrnde und Auswirkungen einer solchen Tat konzentriert, wre es angenehmer gewesen, wenn dem Leser nicht smtliche Tatsachen auf dem Silbertablett prsentiert worden wren - vor allem angesichts des Umstands, dass die Polizei whrenddessen noch im Dunkeln tappt.

Und so interessant der Ansatz von Lieneke Dijkzeul ist, sich auf der einen Seite auf Renes Versuch zu konzentrieren, mit dem, was ihr angetan wurde, fertig zu werden, und auf der anderen Seite die Gedankengnge und Schritte des nchsten Opfers darzustellen, so langatmig sind diese Passagen leider nicht selten geraten. Auch kann einen die Darstellung des Tters einfach nicht berzeugen, da er zwar als genialer Planer (zumindest in der Vergangenheit) bezeichnet wird, sich dem Leser aber als Egozentriker prsentiert, der in seiner Selbstgeflligkeit so viele stmperhafte Fehler macht, dass es fr einen Krimiliebhaber beinahe unertrglich wird.

So bietet "Vor dem Regen kommt der Tod" zwar einige gute Anstze und - vom Tter abgesehen - recht realistische Charaktere, kann aber bedingt durch die widersprchliche Darstellung des Mrders und einige ausschweifende Passagen nicht so recht berzeugen. Auch die Erzhlweise von Lieneke Dijkzeul ist etwas gewhnungsbedrftig, schon aufgrund des stetig hnlichen Satzbaus, der nur manchmal ein Gefhl von Dringlichkeit erzeugt und sonst eher fr eine Distanz zwischen dem Leser und der Handlung sorgt. Dabei hat die bersetzerin Christiane Burkhardt versucht, durch kleine Elemente das Lokalkolorit zu erhalten: So wurde die Bezeichnung "Inspecteur" ebenso beibehalten wie die hollndische Anrede "Mevrouw".

Fazit:

Fr ihren Roman "Vor dem Regen kommt der Tod" hat die Autorin Lieneke Dijkzeul einen sehr interessanten Ansatz gefunden, in dem sie sich auf die psychologische Seite des Verbrechens konzentriert und weniger die Suche nach dem Tter in den Vordergrund stellt. Doch leider gelingt es ihr nicht, diese Idee auch spannend und fesselnd umzusetzen. So sorgt nicht nur die Tatsache, dass die Identitt des Mrders sehr frh bekannt ist, sondern auch die Durchschaubarkeit und Belanglosigkeit seines Motivs dafr, dass sich die Handlung fr den Leser in die Lnge zieht. Doch vor allem die Distanz, die der Leser zu den Charakteren und ihren Gedanken empfindet, nimmt der Geschichte die Spannung. So ist "Vor dem Regen kommt der Tod" leider nicht der mitreiende Thriller geworden, zu dem die Grundidee htte fhren knnen.
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