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Wanted  Drucken E-Mail
Comics: Amerika Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Manuel Tants   
Sonntag, 4. September 2011

Wanted

Autor: Mark Millar
Zeichner: J. G. Jones

Originaltitel: Wanted
bersetzt von: Bernd Kronsbein

Verlag: Panini Comics
Format: Softcover
Erschienen: September 2009
ISBN: 978-3-86607-887-1
Preis: 16,95 EUR

192 Seiten
Inhalt
4.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.5

Wertung:
6.5
von 10
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Zum Inhalt:

Wesley Gibson sitzt in seiner Box in einem Groraumbro und denkt, er wre genau wie alle anderen. Aber sein Leben wird in der Sekunde auf den Kopf gestellt, als er erfhrt, dass er der Sohn von "Killer" ist, einem Mitglied der Bruderschaft der Superschurken, die seit 1986 heimlich die Welt regiert.
Nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters wird Wesley in die Bruderschaft aufgenommen und erkennt, dass er ber dieselben Fhigkeiten verfgt wie sein Vater. Er wird der neue Killer und sieht die Welt mit neuen Augen. Eine Welt, in der die Superhelden tot sind. Er geniet sein neues Leben als Superschurke in vollen Zgen und versucht, den Mord an seinem Vater aufzuklren. Wesley Gibson ist der "Killer", ein Schurke, ein Held ... und von allen begehrt.

Meinung:

Der Schotte Mark Millar hat eine Vorliebe dafr, in seinen Comics Geschichten zu erzhlen, die besonders extreme Ausformungen des Themas "Superhelden" behandeln: In "The Authority" schrieb er ber ein Heldenteam, das so mchtig ist, dass es sich selbst ber jede Regierung der Welt stellt. In "Die Ultimativen" warf er einen zynischen Blick auf die inneren Brche, die in Superhelden entstehen, wenn sie ihre Krfte als Handlanger der Regierung im realen "Krieg gegen den Terror" einsetzen mssen. Und in jngerer Zeit erzhlte Millar in "Kick-Ass" die Geschichte eines Teenagers, der sich zum "Amateur-Superhelden" aufschwingt, ohne Superkrfte zu besitzen.

Auch "Wanted", im Jahr 2004 beim Independent-Verlag "Top Cow" erschienen, passt in diese Reihe. "Wanted" dreht sich um Wesley Gibson, einen antriebslosen Durchschnittstypen, der duldsam alle Erniedrigungen des Alltags ber sich ergehen lsst. Eines Tages jedoch wird Wesley unter Waffeneinsatz von einer geheimnisvollen Frau entfhrt. Die Dame stellt sich als "Fox" vor und erffnet ihm, dass sein Vater (den Wesley nie kennengelernt hatte) nicht etwa Pilot war, sondern der "Killer" - ein Superschurke, dessen Fhigkeit es war, quasi intuitiv jedes beliebige Opfer zu tten. Nun wurde der Killer allerdings ermordet und laut Testament erbt Wesley nicht nur dessen betrchtliches Vermgen, sondern auch den Posten des Killers in der "Bruderschaft der Superschurken".

Fox und Professor Seltzer, der fr diese Bruderschaft ber den amerikanischen Kontinent herrscht, erlutern Wesley, wie es mglich ist, dass niemand von der Existenz der Superschurken wei: Ursprnglich gab es sowohl Superhelden als auch deren bse Gegenspieler, die sich ffentlich bekmpften. Im Jahre 1986 jedoch beschlossen die zuvor unabhngig voneinander agierenden Schurken, gemeinsame Sache zu machen und alle Helden der Welt auf einen Schlag auszurotten. Nachdem dieser Coup erfolgreich absolviert war, lschten sie die Erinnerung der Menschen an Helden und Schurken aus und regieren seitdem aus dem Hintergrund als Geheimgesellschaft, die ber jedem Gesetz steht, die Erde. Lediglich Comichefte - die aber natrlich als reine Fiktion gelten - berichten noch von den einstigen Taten der Superhelden.

Wesleys Verwirrung angesichts dieser Enthllungen whrt nur kurz. Er entdeckt, dass er das Talent zum Tten von seinem Vater geerbt hat, und binnen weniger Wochen senkt er seine anerzogene Hemmschwelle auf ein Minimum, um fortan in Hedonismus und willkrlicher Gewaltausbung jeglicher Art zu schwelgen. Schnell fgt er sich in die Schurken-Gemeinschaft ein und wird zum persnlichen Leibwchter Professor Seltzers. So erfhrt Wesley aus erster Hand, dass andere fhrende Mitglieder der Bruderschaft der Superschurken, allen voran der finstere Mr. Rictus, mit dem Leben in Heimlichkeit mittlerweile nicht mehr zufrieden sind und ihre Schandtaten zuknftig wieder in aller ffentlichkeit begehen wollen.

Als Protagonist bleibt Wesley Gibson erstaunlich blass: Nach seinem Wandel vom Langweiler zur Ttungsmaschine, der binnen weniger Seiten abgehandelt wird, erwhnt er gelegentlich, dass er den Mrder seines Vaters identifizieren mchte. Im Anschluss an die Einfhrung Wesleys in den Zirkel der Verbrecher widmet der Comic sich jedoch vor allem dem Machtgefge innerhalb der Fhrungsriege der Bruderschaft. Wesley bleibt somit ber weite Strecken der - letztlich austauschbare - "Newcomer" in der Bruderschaft, der vor allem den Anlass dafr liefert, dass alteingesessene Mitglieder ihm (und dem Leser) erklren, wie diese Geheimgesellschaft strukturiert ist und wer ihre Mitglieder sind.

Dieser etwas unstete Fokus der Handlung verstrkt den Eindruck, dass viele Szenen - gerade die mit besonders extremer Wortwahl oder ausnehmend brutalen Aktionen - in erster Linie zum Selbstzweck in den Comic aufgenommen wurden. Auch diverse Charaktere wie der aus Fkalien bestehende "Shit-Head" drften vor allem dem Amsement eines Publikums dienen, das sich mitten in der Pubertt befindet. Vor diesem Hintergrund wirkt es geradezu vermessen, wenn Brian K. Vaughn ("Y: The Last Man") im Vorwort zu "Wanted" Parallelen zu Alan Moores "Watchmen" zieht: Wo "Watchmen" vor Intertextualitt und Meta-Ebenen nur so strotzt, kann "Wanted" lediglich einige Querverweise auf Superhelden und diverse auf pure Provokation angelegte Schockmomente vorweisen.

Wenn man "Wanted" als reine Action-Geschichte betrachtet, funktioniert der Comic allerdings bis zu einem gewissen Grad und Zeichner J. G. Jones liefert die passenden Bilder dazu: Seine klaren Zeichnungen stellen die Handlung auf optisch bis ins Letzte durchkomponierten Seiten dar. Jones setzt dabei vor allem die Actionsequenzen sehr dynamisch um, ohne dabei jedoch an Details zu sparen. Die krftigen, aber nicht zu aufdringlichen Farben von Paul Mounts unterstreichen den Hochglanz-Eindruck des Comics zustzlich. Auch die Aufmachung ist dem Verlag durchaus gelungen: Der alle sechs "Wanted"-Einzelhefte umfassende Band wurde um einen umfangreichen Anhang ergnzt, der zahlreiche Cover-Varianten abbildet und mit Charakterprofilen sowie Skizzen und Entwrfen aus der Hand von J. G. Jones aufwarten kann. Fr den stattlichen Umfang von 192 Seiten ist der Preis also durchaus angemessen.

Fazit:

Mit "Wanted" lsst Mark Millar sich die Chance entgehen, intensiver zu erforschen, was mit dem Charakter eines Menschen geschieht, der pltzlich groe Macht gewinnt und gleichzeitig keinen gesellschaftlichen Zwngen mehr unterliegt. Stattdessen belsst er es dabei, die durchaus interessante Prmisse als plakative Gewaltfantasie umzusetzen, die vor allem mnnlichen Teenager zusagen drfte, aber letztlich keine tieferen Deutungen zulsst. Passend zum vordergrndig bleibenden Inhalt bietet "Wanted" in visueller Hinsicht allerdings viel Hochglanz-Action, die von Zeichner J. G. Jones durchaus sehenswert in Szene gesetzt wurde. Somit hat "Wanted" immerhin noch seine Daseinsberechtigung als Action-Titel, der vor allem durch exzessive Gewaltszenen auffllt.
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