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Briefe an einen Blinden  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bcher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 22. August 2011

Briefe an einen Blinden

Originaltitel: Anarchy and Old Dogs
bersetzt von: Thomas Mohr

4. Band der Reihe

Verlag: Manhattan
Erschienen: Mai 2011
ISBN: 978-3-442-54680-0
Preis: 17,99 EUR

320 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Als ein blinder Zahnarzt von einem Holzlaster berfahren wird, staunt Dr. Siri zunchst nur ber die Todesursache: In Laos gelten zwei Fahrzeuge auf der Strae bereits als Verkehrschaos. Dann entdeckt der Leichenbeschauer bei dem Toten einen Brief, der eine mit unsichtbarer Tinte geschriebene Botschaft enthlt. Dr. Siris Neugier ist geweckt, und als er der Sache nachgeht, kommt er einem brisanten Geheimnis auf die Spur. Bei seinen Ermittlungen konsultiert er den Kartenleger und Transvestiten Tante Bpoo, schwimmt mit einem Delphin und verliert sein Herz an eine bezaubernde Frau ...

Meinung:

Auch der vierte Band rund um den ungewhnlichen laotischen Leichenbeschauer Dr. Siri beginnt mit einem groen Rtsel fr den einzigen Pathologen des Landes. Vor der Hauptpost in Vientiane wird ein blinder Mann berfahren, der dort regelmig Briefe abholte. Whrend es schon ungewhnlich genug ist, dass ein Blinder regelmig den weiten Weg vom Land mit dem Bus in die Stadt auf sich nimmt, um dort Briefe aus einem Postfach zu holen, ist die Art seines Todes fast noch aufsehenerregender. Denn im Laos der siebziger Jahre gibt es so wenige Laster, dass ein Zusammensto zwischen einem Menschen und einem Automobil zu den unvorhersehbarsten Zufllen zu rechnen ist.

So kann Dr. Siri auch in diesem Fall seine Neugier nicht bezhmen und beginnt zu recherchieren. Dabei findet der Arzt nicht nur heraus, dass der blinde Mann bis vor Kurzem noch als Zahnarzt ttig war, sondern er vermutet auch, dass die Briefe geheime Nachrichten enthalten haben, die zu einer Verschwrung gegen die Regierung fhren sollen. Gemeinsam mit dem Polizisten Phosy und seinem alten Freund Civilai beginnt Dr. Siri zu ermitteln, whrend er gleichzeitig in die Provinz Champasak abberufen wird, um den Tod des dortigen Gouverneurs zu untersuchen.

Dass die gesamten Ermittlungen nicht ohne die Einmischung der laotischen Geisterwelt vonstatten gehen, zu der Dr. Siri aufgrund seiner Verbindung zu einem legendren Schamanen ganz besonderen Kontakt hat, muss man beim vierten Teil dieser Reihe vermutlich gar nicht mehr erwhnen. Dabei trifft der agile Arzt dieses Mal bei seinen Nachforschungen auf eine alte Bekannte und wird auf vielerlei Art an seine Vergangenheit erinnert, als er noch zu den Revolutionren gehrte, die versuchten, die korrupte Monarchie zu strzen.

Auch die Krankenschwester Dtui trgt wieder ihren Teil zu den Untersuchungen bei und bringt sich und den Polizisten Phosy mit all ihren Ideen in nicht gerade geringe Gefahr, whrend Dr. Siris bewhrter Helfer in der Pathologie, Herr Geung, immer noch die Folgen seines tagelangen Fumarsches auskurieren muss. So lebt auch dieser Roman wieder von dem wunderbaren Humor des Autors, den skurrilen und liebenswerten Nebenfiguren und dem fesselnden Einblick in dieses so fremde Land Laos.

Vor allem sticht in "Briefe an einen Blinden" ins Auge, dass die Stimmung in Laos langsam kippt. Die kommunistische Regierung ist schon seit einigen Monaten im Amt, aber zum Besseren hat sich nichts gendert. Stattdessen mssen die Laoten erleben, dass die alten monarchischen - und funktionierenden - Strukturen unachtsam zerstrt wurden, ohne dass bislang auch nur Anstalten gemacht wurden, Ersatz zu schaffen. Und auf der anderen Seite entwickeln sich die kommunistischen Machthaber zu ebenso korrupten und willkrlichen Oberen, wie man sie schon aus den Zeiten vor der Revolution gekannt hat.

So ist es nicht verwunderlich, dass alte Aufstndische wie Dr. Siri und sein Freund Civilai inzwischen sehr desillusioniert auf ihre neue Regierung blicken und die Hoffnung auf eine Verbesserung des Lebens in Laos schon fast verloren haben. Auf der anderen Seite fhlt sich der Mediziner verpflichtet, einen mglichen Putschversuch gegen die Kommunisten zu verhindern, da weitere Kmpfe dem geschwchten Land auf gar keinen Fall gut tun knnen. Es gelingt Colin Cotterill ganz wunderbar, all diese zwiespltigen Gefhle bei seinen Charakteren darzustellen und es dabei dem Leser selbst zu berlassen, ob er sich wnschen soll, dass Dr. Siri mit seinen Ermittlungen Erfolg hat oder nicht.

Neben der komplexen Geschichte rund um den Putschversuch, die stellenweise etwas abschweifend erzhlt wird, sorgen die kleinen Szenen mit Dr. Siri und seinen Freunden oder die herzzerreiende Suche nach dem Grund fr das Ertrinken eines Jungen fr amsante und spannende Abwechslung. Doch insgesamt ist dieser "Dr. Siri"-Band deutlich weniger leicht erzhlt, als es die drei Vorgnger-Romane waren, was nichts an dem hohen Informations- und Unterhaltungswert dieses Buches ndert und beim Leser die Vorfreude auf weitere Geschichten rund um den ungewhnlichen Pathologen Dr. Siri weiter anheizt.

Fazit:

Mit "Briefe an einen Blinden", dem vierten Roman rund um Dr. Siri, schlgt Colin Cotterill einen sprbar ernsteren Ton an, ohne dass dabei das Lesevergngen getrbt wrde. Whrend der ungewhnliche laotische Pathologe sich nicht nur mit mehreren verdchtigen Todesfllen beschftigen muss, mehren sich die Hinweise auf eine Verschwrung gegen die kommunistische Regierung. So darf sich der Leser gemeinsam mit Dr. Siri damit auseinandersetzen, was aus der laotischen Revolution geworden ist, die die korrupte Monarchie ablsen und das Leben fr die Laoten zum Besseren wenden sollte. Zum Glck mischen auch die vertrauten Helfer des Pathologen wieder mit und so sorgen der Politiker Civilai, die Krankenschwester Dtui und der Polizist Phosy fr amsante und spannende Elemente in dieser ansonsten eher politischen Geschichte.
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