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Denn das Glück ist eine Reise  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 23. Mai 2011

Denn das Glück ist eine Reise

Originaltitel: L'avant-dernière chance
Übersetzt von: Karin Meddekis

Erschienen: April 2011
ISBN: 978-3-431-03835-4
Preis: 10,00 EUR

224 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Der salzige Wind des Meeres, der Geschmack von Crêpes mit Cidre und das Gefühl unendlicher Freiheit - das Leben kann so schön sein. Georges genießt es in vollen Zügen. Mit seinem Freund Charles erfüllt sich der 83-Jährige einen großen Traum: einmal im Leben die Tour de France nachzufahren. Die einzige Verbindung zu seiner Familie sind die täglichen SMS an seine Enkelin Adèle, die ihren Großvater auf einmal mit ganz anderen Augen sieht ...

Meinung:

"Denn das Glück ist eine Reise" ist der preisgekrönte Debütroman von Caroline Vermalle. In dieser Geschichte beschreibt die Autorin eine Reise, die der 83-jährige Georges und sein 76-jähriger Nachbar Charles auf den Spuren der Tour de France unternehmen. Für die beiden älteren Herren geht damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung, auch wenn beide große Ehrfurcht vor ihrem eigenen Vorhaben haben. Vor allem für Georges, dessen Gesundheit in den letzten Jahren stark nachgelassen hat, ist diese Reise eine ganz besondere Herausforderung.

Nur die zweimonatige Abwesenheit seiner Tochter Françoise, die schon länger damit droht, den Vater in ein Pflegeheim zu geben, ermöglicht es den beiden Herren, aus ihrem Alltag auszubrechen. Doch dann kommt Adèle (die in London lebende Enkelin von Georges) dahinter, dass ihr Großvater mit seinem Nachbarn auf Reisen gegangen ist. Nur unter der Bedingung, dass er ihr jeden Abend eine SMS schickt, in der er mitteilt, wie es ihm geht, erklärt sich die junge Frau bereit, ihrer Mutter nichts zu erzählen. Und so beginnt für Georges und Charles an einem Septembermorgen die zweimonatige Autoreise entlang der Tour-de-France-Etappen.

Für den Leser entfaltet sich auf gut 200 Seiten eine ganz bezaubernde und berührende Geschichte. Georges und Charles erleben in den kommenden Wochen viele kleine Momente, die ihnen zeigen, wie schön das Leben sein kann. Während Georges in den letzten Jahren in seinen Gewohnheiten gefangen und etwas depressiv geworden war, genießt er es nun, mit offenen Augen die schöne Landschaft der Bretagne zu betrachten, die Orte entlang ihrer Route zu erkunden und neue Eindrücke zu sammeln.

Auch zwingt diese Reise die beiden alten Herren dazu, wieder mehr auf andere Menschen zuzugehen. Schon allein Adèles Forderung nach täglichen SMS sorgt dafür, dass Georges jemanden finden muss, der ihm zeigt, wie er solche Nachrichten mit seinem - bislang ungenutzen - Handy verschicken kann. Aber auch ihr Reisevorhaben an sich bietet immer wieder Anlass, um mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen, die ebenso begeistert von der Tour de France und der Bretagne sind wie Georges und Charles.

Doch nicht nur die beiden Reisenden lernen in diesen Wochen viel Neues. Für Adèle, die in London ein eher unbefriedigendes Praktikum macht, werden die SMS ihres Großvaters bald zu einer willkommenen Abwechslung in ihrem Arbeitsleben. Und mit jeder weiteren Nachricht lernt sie den Mann, den sie schon seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hat, besser kennen. Auch für Georges, der anfangs so widerwillig den Umgang mit dem Handy lernte, werden die ausgetauschten Nachrichten mit Adèle sehr wichtig. So hat er nicht nur jemanden, mit dem er all die neuen Eindrücke und Erlebnisse teilen kann, sondern baut auch endlich ein persönliches Verhältnis zu seinem einzigen Enkelkind auf.

Schnell wachsen dem Leser die verschiedenen Figuren ans Herz und so genießt er mit ihnen zusammen den Zauber der Bretagne, die Freude an einem guten Essen, die wachsende Beziehung zwischen Adèle und ihrem Großvater, die immer enger werdende Freundschaft zwischen Charles und Georges und all die anderen wunderbaren Veränderungen, die diese Reise mit sich bringt. Dabei ist das Ganze für die beiden älteren Herren nicht einfach. Noch nie haben die beiden Nachbarn so viel Zeit miteinander verbracht und die Anstrengungen der Reise fordern von ihnen ihren Tribut.

So lebt "Denn das Glück ist eine Reise" nicht nur von den kleinen wunderbaren Momenten, sondern auch von den Ängsten, Befürchtungen und Schwierigkeiten zweier alter Männer, ihre Pläne zu verwirklichen. Dabei bedient sich Caroline Vermalle einer klaren und einfachen Sprache und reduziert auch die Landschafts- und Ortsbeschreibungen immer mal wieder auf das Wesentlichste - was diese kleine Geschichte umso eindringlicher wirken lässt.

Für den Leser bietet dieses liebevoll gemachte Hardcover nicht nur eine Landkarte, auf der man die verschiedenen Stationen der Reise nachvollziehen kann, sondern vor allem wunderbare Lesestunden: Mit Georges, Adèle und Charles erlebt man vielleicht keine großen Höhen und Tiefen, aber eine Vielzahl amüsanter, heiterer, nachdenklicher und melancholischer Momente, die einen am Ende der Geschichte mit dem befriedigenden Gefühl zurücklassen, mal wieder ein richtig schönes Buch gelesen zu haben.

Fazit:

Mit "Denn das Glück ist eine Reise" bietet die Autorin Caroline Vermalle dem Leser eine leise und wunderschöne Geschichte über zwei ältere Herren, die gemeinsam mit dem Auto die Etappen der Tour de France nachfahren. Dabei sehen der 83-jährige Georges und der nur wenig jüngere Charles ihre Heimat, die Bretagne, mit ganz neuen Augen. Aber auch ihre Freundschaft und die Beziehung zwischen Georges und seiner Enkelin Adèle, der er täglich SMS schreibt, vertieft sich deutlich. Ohne ausufernde Beschreibungen bringt Caroline Vermalle dem Leser ihre liebenswerten Charaktere und die schöne Landschaft der Bretagne näher und hinterlässt so mit dieser feinen Geschichte einen bleibenden Eindruck.
Weiterführende Infos
Leseprobe

 
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