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Neugier ist ein schneller Tod (Hörbuch)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 3. Mai 2009

Neugier ist ein schneller Tod

Gelesen von: Katharina Thalbach
Originaltitel: Mortal Curiosity
Art der Lesung: gekürzt
Medienanzahl: 6 CDs

2. Teil der Reihe

Label: Lübbe Audio
Untergenre: Historisches
Erschienen: November 2008
ISBN: 978-3-7857-3696-8
Preis: 19,95 EUR
Inhalt
5.0
Sprecher
4.0
Bearbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
5.7

Wertung:
5.7
von 10
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Zum Inhalt:

Lizzie Martin wurde von ihrer Londoner Herrschaft nach New Forest aufs Land geschickt, um einer jungen Frau Beistand zu leisten, deren Baby auf tragische Weise starb. Doch die Dinge nehmen eine noch viel düsterere Wendung, als im Garten des Hauses eine Leiche gefunden wird. Daneben kniet die junge Frau, weinend und über und über mit Blut bedeckt. In ihrer Ratlosigkeit wendet sich Lizzie wieder einmal an ihren alten Freund Inspector Benjamin Ross von Scotland Yard.

Meinung:

"Neugier ist ein schneller Tod" ist die zweite Geschichte von Ann Granger um die Arzttochter Lizzie Martin und den Scotland-Yard-Inspektor Benjamin Ross. Während Lizzie im ersten Teil nach dem Tod ihres Vaters nach London gereist war, um eine Stelle als Gesellschafterin bei der verwitweten Frau ihres Patenonkels anzunehmen, wird sie nun von ihrer Arbeitgeberin an eine befreundete Familie vermittelt. Statt seine Freundin Lizzie zum Bahnhof zu begleiten und sich von ihr zu verabschieden, als sie die Reise ins ländliche New Forest antritt, muss sich Inspector Benjamin Ross währenddessen mit dem Fall eines ausgesetzten Kindes beschäftigen.

Für das Verständnis des Hörbuchs ist es nicht notwendig, dass man die Handlung von "Wer sich in Gefahr begibt", dem ersten Teil der Reihe, kennt. Es wird schnell deutlich, dass Lizzie das Haus ihrer Tante Parry verlassen muss, weil die Charaktere der beiden Frauen unvereinbar sind. Auch sonstige Details, die für diese Fortsetzung wichtig sein könnten, werden von der Autorin geschickt in die Handlung eingebaut. Die für die Hörbuchversion durchgeführten Kürzungen gehen nicht zu Lasten des Verständnisses, auch wenn im Vergleich zum Roman weniger Atmosphäre aufkommt.

Trotzdem entfaltet sich vor dem aufmerksamen Hörer die friedliche Landschaft von New Forest im Süden Englands. Hier soll Lizzie der Nichte von Mrs. Parrys Bekannten Gesellschaft leisten und die junge Frau von dem Verlust ihres neugeborenen Babys ablenken. Während sich Lizzie darauf freut, einen neuen Teil von England kennenzulernen, muss sie schnell feststellen, dass ihre Aufgabe deutlich herausfordernder sein wird, als man es ihr gesagt hatte.

Das gelbe Ziegelhaus am Strand wird nicht nur von der verstörten Lucy Craven bewohnt, sondern auch von ihren sittenstrengen Großtanten, die der jungen Frau das Leben erschweren. Schon vor der Geburt des Babys war Lucys seelisches Gleichgewicht nicht besonders stabil, da man ihren Mann aufgrund der zweifelhaften Umstände, die zur Hochzeit geführt hatten, dazu zwang, eine Anstellung in China anzutreten. Als dann noch Lucys neugeborene Tochter verschwand, war sie fest davon überzeugt, dass nicht der plötzliche Kindstod ihr das Baby genommen hatte, sondern dass sie Opfer einer Verschwörung wurde.

Für Lizzie, die erst nach und nach die verschiedenen Hintergrundinformationen bekommt und sich nicht sicher ist, ob Lucy Craven wirklich so verrückt ist, wie es ihr ihre Großtanten weismachen wollen, sind die ganzen Vorfälle und Beweggründe mehr als rätselhaft. Als Lucy dann noch blutüberströmt neben der Leiche eines Rattenfängers aufgefunden wird, regt die Gesellschafterin an, dass man Benjamin Ross von Scotland Yard mit den Mordermittlungen beauftragen sollte. Zusammen entdecken sie erschreckende Zusammenhänge zwischen dem Mord, Lucys großem Verlust und den verschiedenen Geheimnissen in Lucys Familie.

Ann Granger beschäftigt sich in diesem Teil der Krimis um Lizzie Martin und Benjamin Ross intensiver mit den Folgen der Industrialisierung auf das Leben im viktorianischen England. Dabei liegt der Schwerpunkt der Autorin vor allem auf den Lebensbedingungen der Kinder, die aufgrund der Armut oder des Todes ihrer Eltern in Pflege- und Waisenheimen aufwachsen müssen. Aber so interessant dieser Einblick in das historische England ist, so sehr gehen diese Details doch auch zu Lasten des Kriminalfalls. Spannung kommt nur selten auf, da die Hintergründe zu eindeutig für den Leser präsentiert werden.

Während die Romanversion trotzdem noch gut zu unterhalten weiß, da der liebevolle Erzählstil der Autorin dafür sorgt, dass der Leser einen interessanten Gesellschaftsroman geboten bekommt, krankt die Hörbuchversion an der Wahl der Sprecherin. Katharina Thalbach ist eine routinierte Leserin und macht ihre Arbeit eigentlich nicht schlecht. Aber für gemütliche Krimis, wie sie von Ann Granger geschrieben werden, ist ihre Stimme einfach nicht geeignet. Die Schauspielerin liest hier, als ob "Neugier ist ein schneller Tod" ein Thriller wäre. So klingt sie einfach zu hart, zu ordinär und somit absolut unpassend für eine so stimmungsvolle Geschichte. Vor allem die Elemente, in denen Lizzie Martin zu Wort kommt, machen deutlich, dass die Sprecherin fast doppelt so alt ist wie die junge Frau. Katharina Thalbach ist nicht in der Lage, die Perspektive der Gesellschafterin glaubwürdig darzustellen, und ihre häufig etwas knarzende, verzerrte Stimme macht das Zuhören überaus anstrengend.

Fazit:

Ann Grangers Konzentration auf die Lebensumstände im viktorianischen England geht in "Neugier ist ein schneller Tod" leider sehr zu Lasten der Kriminalgeschichte. Trotzdem sorgt die nette Erzählung um die freimütige Gesellschafterin Lizzie Martin und ihren Freund, den Scotland-Yard-Inspector Benjamin Ross, aufgrund der liebevollen Beschreibungen im Roman immer noch für einige Unterhaltung. Doch bedauerlicherweise wurde mit Katharina Thalbach für das Hörbuch eine Sprecherin gewählt, die nicht in der Lage ist, die gemütliche Stimmung des Buches auch in dieser Version umzusetzen. Das deutlich höhere Alter der Schauspielerin und vor allem ihre eher für einen Thriller geeignete Betonung des Textes schmälern das Hörvergnügen deutlich.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
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