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Die besten Fälle von Kay Scarpetta (Hörbuch)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 21. Mai 2008

Die besten Fälle von Kay Scarpetta

Art der Lesung: gekürzt
Medienanzahl: 15 CDs

Erschienen: März 2008
ISBN: 978-3-455-30592-0
Preis: 19,95 EUR
Inhalt
6.0
Sprecher
7.0
Bearbeitung
6.0
Preis/Leistung
10.0
Gesamtwertung
6.9

Wertung:
6.9
von 10
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Zum Inhalt:

Diese Sammlung von Kay-Scarpetta-Hörbüchern beinhaltet die Titel "Die Tote ohne Namen", gelesen von Ulrike Folkerts (4 CDs), sowie "Brandherd" (5 CDs) und "Das letzte Revier" (6 CDs). Die letzten beide Titel werden von Franziska Pigulla gelesen.

"Die Tote ohne Namen": Die Frau ist kahlgeschoren und nackt, ihre Leiche wurde am Heiligen Abend gegen einen eingefrorenen Brunnen im New Yorker Central Park gelehnt. Die Handschrift ist unverkennbar: Die unbekannte Tote ist ein weiteres Opfer des sadistischen Serienmörders Temple Brooks Gault. Dr. Kay Scarpetta, die leitende Gerichtsmedizinerin von Virginia, wird vom FBI zu Hilfe gerufen. Während sie das forensische Beweismaterial sichtet, mordet Gault weiter.

"Brandherd": Kay Scarpetta erhält einen Drohbrief. Absenderin ist die vor fünf Jahren überführte Psychopathin und Mörderin Carrie Grethen. So kann sie sich kaum auf ihren neuesten Einsatz konzentrieren, der die Mordkommission von Richmond gerade in Atem hält: den spektakulären Brandanschlag auf das Anwesen des Medienmoguls Kenneth Sparkes. Aber es ist nicht Sparkes' Leiche, die Scarpetta in den Trümmern des Hauses findet. Während der Ermittlungen ereilt Scarpetta die Botschaft, dass Carrie Grethen aus der Psychiatrie ausgebrochen ist ...

"Das letzte Revier": Kay Scarpetta ist den tödlichen Fängen des brutalen Serienkillers Chandonne um Haaresbreite entkommen. Während Chandonne vor Gericht gestellt werden soll, bringen weitere Spuren Unglaubliches ans Licht, und Kay Scarpetta sieht sich auf einmal selbst als Verdächtige der Staatsanwaltschaft. Als die Pathologin fieberhaft versucht, sich von den Anschuldigungen zu entlasten, überschatten zwei weitere Morde die Ermittlungen.

Meinung:

So ganz erschließt sich dem Zuhörer auf Anhieb nicht der Grund, warum gerade diese drei Erzählungen vom Hoffman-und-Campe-Verlag als "Die besten Fälle von Kay Scarpetta" bezeichnet werden. Gleich beim ersten Hörbuch "Die Tote ohne Namen" wird klar, dass die Gerichtsmedizinerin schon früher mit dem Täter zu tun hatte, und zwar in den beiden Romanen "Vergebliche Entwarnung" (bzw. "Phantom") und "Body Farm" (bzw. "Das geheime ABC der Toten"). Hier hätte es sich vielleicht eher angeboten, aus diesen chronologisch aufeinander aufbauenden Titeln eine Hörbuchsammlung zu erstellen. Dem Hörer, der die beiden anderen Bücher um Temple Gault nicht kennt, erschwert das fehlende Vorwissen, alle Anspielungen auf die früheren Ereignisse zu verstehen.

Kay Scarpettas Jagd auf den Serienmörder Temple Gault wird zu einer verbissenen Angelegenheit, die die Gerichtsmedizinerin und die Menschen, die ihr am Herzen liegen, in größte Gefahr bringt. Gerade die persönliche Verwicklung von Kays Nichte Lucy in diesen Fall lassen die Charaktere oft unlogisch und übermäßig emotional reagieren. Hier stechen die Nebencharaktere positiv heraus, da ihre Verbindung zu Temple Gault rein professionell ist und es Patricia Cornwell gelingt, auch die kleinen Randfiguren überzeugend zu schildern.

"Die Tote ohne Namen" leidet bedauerlicherweise sehr darunter, dass dem Hörer nur die gekürzte Fassung geboten wird. Kay Scarpetta ist zwar eine sehr zielorientierte Pathologin, die ihr Berufsleben professionell und mit einer gewissen Härte bewältigen muss, aber im Privatleben hat auch sie ihre weichen Seiten. Gerade die kleinen Dialoge mit ihren Freunden und ihrer Nichte Lucy, die in der Romanvorlage dazu führten, dass einem die verschiedenen Personen ans Herz wachsen, fielen der Kürzung zum Opfer. Ebenso hat man wichtige Ermittlungsschritte und politische Verwicklungen weggelassen und so wirken einige Handlungen von Kay Scarpetta und ihrem Team willkürlich und nicht nachvollziehbar. "Die Tote ohne Namen" ist übrigens der sechste Roman um die Gerichtsmedizinerin.

Ulrike Folkerts macht ihre Sache als Sprecherin bei "Die Tote ohne Namen" ganz gut. Ihre Stimme ist relativ emotionslos und vermittelt eine melancholische Stimmung, wie sie zu der vorgetragenen Erzählung passt. Sehr große Kritik hingegen gebührt der technischen Bearbeitung der CDs. Die Lautstärke schwankt nicht nur zwischen den verschiedenen Tracks sehr stark. Auch innerhalb eines einzelnen Tracks kommt man kaum dazu, den Regler loszulassen, weil es in Sekundenschnelle zu Unterschieden von fast unverständlich leisem Ton bis zu unerträglichem Lärm kommt. Diese lieblose Bearbeitung mindert das Hörvergnügen doch erheblich.

Bei "Brandherd", dem neunten Roman der Reihe um Kay Scarpetta, fallen hingegen die Kürzungen der Erzählung im Vergleich zum Buch kaum auf. Das führt nicht nur dazu, dass der Hörer so gut wie alle Ermittlungsschritte und Schlussfolgerungen nachvollziehen kann, sondern es lässt die Gerichtsmedizinerin und ihr Team auch sehr viel sympathischer wirken als bei "Die Tote ohne Namen". Vielleicht wirkt Kay Scarpettas Verhältnis zu ihrer Nichte Lucy ein wenig übertrieben und nimmt etwas zu viel Raum in der Geschichte ein, aber ansonsten ist der Fall bis zum großen Finale spannend und unterhaltsam erzählt.

Im elften Band der Scarpetta-Reihe ist die Pathologin ausnahmsweise selbst einmal das Opfer. Der Serienmörder Jean-Baptiste Chandonne ist in ihr Haus eingedrungen, um sie zu töten. Kay Scarpetta ist gezwungen, die Weihnachtsfeiertage hindurch bei ihrer Freundin Anna Zenner Unterschlupf zu suchen. Während immer mehr widersprüchliche Spuren Zweifel aufkommen lassen, dass Chandonne als Täter für bestimmte Morde in Frage kommt, findet sich die Gerichtsmedizinerin plötzlich im Fadenkreuz der Staatsanwaltschaft wieder. Für die Hörbuchbearbeitung von "Das letzte Revier" wurden die Kürzungen so geschickt vorgenommen, dass sie auf den Verlauf der Geschichte keinen Einfluss haben und dem Hörer ohne den direkten Vergleich mit der Buchvorlage nicht auffallen.

Franziska Pigulla erbringt als Sprecherin von "Brandherd" und "Das letzte Revier" eine sehr gute Leistung. Nur hin und wieder irritieren den Zuhörer ihre Bemühungen, besonders deutlich zu sprechen, weil es dann zu ungewohnten Betonungen einzelner Wörter kommt. Doch das ist wirklich das Einzige, was man ihr vorwerfen könnte. Ansonsten schafft es Franziska Pigulla, die Figuren und ihre jeweiligen Emotionen hervorragend einzufangen. Die technische Bearbeitung ist bei beiden Titeln gut gelungen. Allerdings muss man bei "Brandherd" die Momente abziehen, in denen die Serienmörderin Carrie Grethen zitiert wird. Hier hat man es für nötig befunden, einen sehr unangenehmen Hall-Effekt einzusetzen, um diese Stellen vom restlichen Text abzusetzen. Das hat aber leider zur Folge, dass die sowieso schwer entschlüsselbaren Worte einer Geistesgestörten auch akustisch kaum zu verstehen sind.

Fazit:

Bei der Beurteilung dieser Hörbuchsammlung um "Die besten Fälle der Kay Scarpetta" müsste man eigentlich den ersten Teil, "Die Tote ohne Namen", unabhängig von "Brandherd" und "Das letzte Revier" bewerten. Die qualitativen Unterschiede in der Bearbeitung der Buchfassung für die Hörversion sind hier wirklich gravierend. Während "Die Tote ohne Namen" aufgrund der Kürzungen eine für den Hörer kaum nachvollziehbare Handlung hat und die technischen Probleme die CDs fast unhörbar machen, treten diese Unannehmlichkeiten bei den anderen beiden Erzählungen nicht auf.

So wird die Bewertung durch den schlechten ersten Teil stark nach unten gezogen - und man kann dem Hörer eigentlich nur empfehlen, sich diese CDs nicht anzutun. Trotzdem bleibt die Sammlung, vor allem in Anbetracht des günstigen Preises, empfehlenswert. Die Hörbücher "Brandherd" und "Das letzte Revier" sind wirklich spannend und unterhaltsam und stehen den Buchvorlagen in keiner Weise nach. Auch die beiden Sprecherinnen Ulrike Folkerts und besonders Franziska Pigulla liefern eine gelungene Leistung ab und es gelingt ihnen, die Stimmungen der einzelnen Figuren dem Hörer nahe zu bringen.
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