Banner bookdepository.com

Das Ende der Straße (Hörbuch)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 5. November 2008

Das Ende der Straße

Gelesen von: Reiner Schöne
Originaltitel: Dead Street
Art der Lesung: autorisierte Hörfassung
Medienanzahl: 4 CDs

Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-86610-537-9
Preis: 16,95 EUR
Inhalt
7.0
Sprecher
8.0
Bearbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.6

Wertung:
7.6
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

20 Jahre lebt der New Yorker Ex-Cop Jack Stang mit der Erinnerung an den Tod seiner Freundin. Sie kam bei einer versuchten Entführung ums Leben. Doch was, wenn sie in Wahrheit gar nicht tot ist? Wenn sie überlebt, aber ihr Gedächtnis und alles andere, was sie besaß, verloren hat? Alles - bis auf ihre Feinde?

Meinung:

Der im Juli 2006 verstorbene Autor Mickey Spillane hat sich vor allem mit seiner Figur Mike Hammer seine Unsterblichkeit im Krimigenre verdient. Bis zu seinem Tod hatte der Schriftsteller unaufhörlich an weiteren Manuskripten gearbeitet, welche nun nach und nach von dem Autor Max Allan Collins in eine publizierbare Form gebracht werden. "Das Ende der Straße" war der erste Roman, der postum veröffentlicht wurde - und soll eine Hommage an Mickey Spillanes Polizistenfreund Jack Stang sein, der in den fünfziger Jahren gern als Mike-Hammer-Darsteller zum Film gewechselt wäre. Die Krimiatmosphäre der fünfziger Jahre durchtränkt auch diese Geschichte - obwohl sie doch eigentlich in der heutigen Zeit spielt.

Die Figur Jack Stang ist in "Das Ende der Straße" über fünfzig, ein müder Expolizist, der sich umsieht und feststellen muss, dass seine Zeit vorbei ist. Die Straße in New York, in der er so viele Jahre gelebt hat, in der er wohnte, als er noch dachte, dass er bald mit seiner Freundin Bettie eine Familie gründen würde, und in der seine alte Dienststelle lag, stirbt. Kaum noch ein Mensch wohnt dort, die letzten Nachbarn packen ihre Sachen und ziehen weg, während die Baufirma, die alles aufgekauft hat, schon mit dem Abriss beginnt. Nur Jack Stang zieht jeden Tag noch seine Runde durch sein altes Revier und beobachtet die Veränderungen.

Jack ist eindeutig übrig geblieben aus einer Zeit, als noch nichts dabei war, wenn ein Polizist den Spitznamen "Shooter" angehängt bekam, weil er zunächst auf Verbrecher schoss und dann erst prüfte, was sie genau angestellt hatten. Auch wenn sich der ehemalige Ordnungshüter an die Arbeit mit Computern gewöhnen musste und die radikalen Veränderungen in Verbrecherkreisen miterlebte, die sich in den letzen Jahrzehnten vollzogen haben, geht er doch noch immer so an seinen Alltag heran wie zu der Zeit, als er sein Handwerk als Polizist lernte.

Müde ist er und melancholisch, mit der Straße verschwindet auch die letzte Verbindung zu einer Vergangenheit, die ihm die Liebe und Befriedigung bei der Arbeit brachte. Doch dann tritt der Tierarzt Dr. Thomas Price auf ihn zu und erzählt dem ehemaligen Polizisten eine unglaubliche Geschichte: Jacks Verlobte Bettie ist vor zwanzig Jahren direkt vor ihrer Haustür entführt worden, und als man das Auto der Verbrecher fand, lag es in einem Fluss - die Entführer waren tot und Betties Leiche vermutlich weggetrieben. Doch nun erfährt Jack, dass Bettie den Unfall schwer verletzt überlebt hat und Dr. Prices Vater die junge Frau, die ihr Gedächtnis und ihr Augenlicht verloren hatte, als Tochter in seinem Haus aufnahm.

Der alte Herr Price war sich wohl bewusst, dass seine Pflegetochter von Verbrechern gesucht wurde, die nach ihrem Leben trachteten. So versteckte er die junge Frau finanziell abgesichert in einer Wohnsiedlung für ehemalige Polizisten in Florida. Doch nun ist Thomas Prices Vater verstorben und hat in seinem Testament verfügt, dass sein Sohn Jack Stang über Betties Verbleiben aufklärt und ihn in die Lage versetzt, in Zukunft auf die - inzwischen nicht mehr ganz so junge - Frau Acht zu geben.

Für Jack ist die Tatsache, dass Bettie, der er die letzten zwanzig Jahre hinterhergetrauert hat, noch lebt, ein großer Schock. Doch wird ihm sofort klar, dass niemals öffentlich werden darf, dass sie noch lebt. Denn solange man nicht weiß, was die Entführer damals von der jungen Frau wollten, könnte ihr Leben immer noch in Gefahr sein. Und wirklich, kaum ist der ehemalige Polizist nach Florida gezogen, gibt es die ersten Hinweise, dass seine geliebte Bettie noch lange nicht in Sicherheit ist.

Das größte Problem für den Hörer ist bei dieser Geschichte wohl der große Bruch zwischen der gefühlten Zeit, in der der Krimi spielt, und der Zeit, in der er wirklich spielen soll. Jack und Bettie treffen sich nach zwanzig Jahren wieder, es gibt Anspielungen auf die Anschläge am 11. September, auf Terrorismus und Atombomben, und die Figuren nutzen Mobiltelefone und leben ganz eindeutig im 21. Jahrhundert. Doch die Sprache und die Handlungen sagen ganz deutlich, dass dies ein Krimi vom alten Schlag ist, und man fühlt sich in die klassischen Pulp-Veröffentlichungen der 50er Jahre hineinversetzt.

Auch merkt man deutlich, dass "Das Ende der Straße" von Mickey Spillane gegen Ende seines Lebens geschrieben wurde. Eine alles durchdringende Melancholie durchzieht die Geschichte, ein Bewusstsein dessen, was unwiederbringlich verloren ist und eine - schon übertrieben kitschige - Sanftheit in der Liebesgeschichte zwischen Jack und Bettie. Da das Ende von Max Allan Collins geschrieben wurde, ist es wohl ihm zu verdanken, dass die Action in diesem Teil dem sonst eher gemächlichen Aufbau der Geschichte noch zu einem spannenden Schluss verhilft, der deutlich zur Qualität der Erzählung beiträgt.

Das tut auch die Leistung des Sprechers Reiner Schöne. Der Schauspieler und Synchronsprecher liefert eine hervorragende Arbeit ab, und sein dunkler und rauer Ton passt erstklassig zu der düsteren und abgebrühten 50er-Jahre-Stimmung, die Mickey Spillanes Sprache im Hörer hervorruft. Auch die sanften Szenen kommen bei Reiner Schöne sehr überzeugend und stimmungsvoll herüber, nur bei der Schießerei am Ende der Geschichte scheint er ein wenig zu kühl und emotionslos zu sein, wenn man bedenkt, dass hier Jacks Bettie in allergrößter Gefahr schwebt.

Fazit:

"Das Ende der Straße" wurde nach Mickey Spillanes Tod von dem Autor Max Allan Collins wirklich gelungen beendet. Die Geschichte um den ehemaligen Polizisten Jack Stang und seine totgeglaubte Geliebte Bettie wird langsam, aber wirkungsvoll erzählt. Nur die Tatsache, dass die Geschehnisse nicht in den 50er Jahren, sondern zu Beginn des 21. Jahrhunderts spielen, schafft eine leichte Irritation beim Hörer. Doch vor allem muss man die Leistung des Sprechers Reiner Schöne loben, dessen gelungene Arbeit den Hörer mühelos auch über den etwas schleppenden Beginn der Geschichte hinwegträgt. Seine tiefe und raue Stimme verkörpert perfekt den etwas melancholischen Jack Stang, wenngleich etwas mehr Emotionalität bei den gefährlichen Szenen am Schluss noch besser gewesen wäre.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
Copyright © 2008-2017 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.