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19 Minuten (Hörbuch)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 1. März 2009

19 Minuten

Originaltitel: Nineteen Minutes
Art der Lesung: gekürzt
Medienanzahl: 8 CDs

Erschienen: März 2008
ISBN: 978-3-86717-252-3
Preis: 29,95 EUR
Inhalt
6.0
Sprecher
5.0
Bearbeitung
5.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
5.9

Wertung:
5.9
von 10
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Zum Inhalt:

In 19 Minuten kann man das Gras in seinem Vorgarten mähen, die Haare färben oder einen Kuchen backen. Man kann die Wäsche für eine fünfköpfige Familie falten. 19 Minuten kostet es, von der Grenze zu Vermont nach Sterling, New Hampshire, zu fahren. In 19 Minuten kann man die Welt zum Stillstand bringen oder einfach aus ihr herausfallen. 19 Minuten kostet es, Rache zu nehmen. Das hat der 17-jährige Peter Houghton getan. Noch weiß niemand in Sterling, wofür, doch mit diesem unaussprechlichen Akt der Gewalt ist die Welt des kleinen Ortes für immer aus den Angeln gehoben. Josie Cormier hat das Massaker an der Schule überlebt. Sie wäre die beste Zeugin. Aber sie kann sich nicht erinnern, was geschehen ist.

Meinung:

Spätestens seit dem Massaker an der Columbine High School beschäftigen die Ursachen und Folgen einer solchen Tat die Menschen. Jodi Picoult hat in ihrem Roman "19 Minuten" versucht, ein solch grauenhaftes Ereignis von allen Seiten zu beleuchten. In der Hörbuchfassung werden die verschiedenen Personen von sechs Sprechern gelesen, die versuchen, die unterschiedlichen Perspektiven durch ihre Arbeit hervorzuheben.

Die Autorin beginnt ihre Geschichte mit dem Tag, an dem Peter Houghton bewaffnet in seine Schule geht und um sich schießt. In den folgenden Kapiteln bekommt der Hörer die Ermittlungen und Reaktionen der Beteiligten nach diesem Amoklauf ebenso präsentiert wie Rückblenden auf kleine Szenen, die vielleicht erklären könnten, was Peter zu seiner Tat getrieben hat. Im Nachhinein erinnern sich die Menschen, die dem Schüler nahe standen, an Momente, die dazu geführt haben mögen, dass er zur Waffe griff.

Jodi Picoult versucht dabei, unvoreingenommen an das Thema heranzugehen und viele verschiedene Elemente aufzuzeigen, die für Peters Verhalten ursächlich sein können - doch obwohl sie es sich nicht einfach macht und so einige mögliche Auslöser aufzeigt, dringt die Autorin dabei nur selten in die Tiefe. Auch ihre Charaktere sind sehr klischeehaft beschrieben. Da gibt es Peter, der einsam ist, schon von klein auf von den Mitschülern gemobbt wird, kein Talent für Sport hat und stattdessen seine Zeit vor dem Computer verbringt. Seine Mutter würde für ihre Kinder alles tun und sorgt neben ihrem Beruf als Hebamme dafür, dass sie ihrer Familie ein schönes und gemütliches Heim bieten kann, während der Vater ganz traditionell nur wenig mit der Erziehung der Kinder zu tun hat.

Auch die Richterin Alex Cormier und ihre Tochter Josie wirken recht stereotyp. Die Juristin ist eine Karrierefrau, die stolz darauf ist, dass sie es als alleinerziehende Mutter geschafft hat, so jung eine so anerkannte Position zu bekleiden. Josie hingegen ist eigentlich ein ganz nettes Mädchen, das aber so verzweifelt die Anerkennung der beliebtesten Schüler sucht, dass es sich selbst verleugnet und sich stattdessen denjenigen anpasst, die in der High School das Sagen haben. Ihr Part ist - auch wenn hier zu Genüge die Klischees amerikanischer Teeniefilme bedient werden - eigentlich der reizvollste, da Josie doch deutlich mehr über Peter und das Massaker an der High School weiß, als auf Anhieb ersichtlich ist. Dieses Wissen wird dem Hörer erst nach und nach präsentiert und bietet hier und da sogar Überraschungsmomente, die deutlich zur Qualität der Geschichte beitragen.

Bei einer so ergreifenden Thematik wirkt in den ersten Stunden die Handlung auf den Hörer und so irritiert der Mangel an Tiefe vorerst nicht weiter. Die verschiedenen Perspektiven und die kleinen Szenen, die wie bei einem Puzzle nach und nach ein Gesamtbild ergeben, üben ganz klar eine Faszination auf den Hörer aus und regen dazu an, sich seine eigenen Gedanken über eine solche schreckliche Tat zu machen. Die Kürzungen, die für diese Hörversion vorgenommen wurden, fallen ohne den direkten Vergleich mit dem Roman eigentlich nicht auf. Aber wenn man diesen Vergleich vornimmt, vermisst man so manche Szene, die dem Leser bedeutungsvoll vorkam.

Doch vor allem die Entscheidung, das Hörbuch von sechs verschiedenen Sprechern vortragen zu lassen, stört erstaunlicherweise - vor allem zu Beginn - deutlich das Hörvergnügen. Die Qualität der verschiedenen Abschnitte schwankt deutlich, was einen immer wieder aus der Geschichte herausreißt. Gerade Tom Schilling, der Sprecher des Peter Houghton, der ja doch einen recht relevanten Part in diesem Hörbuch besetzt, klingt sehr müde. Das erscheint zwar im ersten Moment passend für einen lebensmüden Teenager, doch dadurch fällt es leider auch schwer, ihm aufmerksam zu lauschen. Das gleiche gilt für Rosalie Thomas, die leider zu einer gewissen Undeutlichkeit neigt, die es anstrengend macht, den Kapiteln um Josie zu folgen. Beide sind als Teenager recht überzeugend, aber das macht es nicht angenehmer, ihnen zuzuhören. Jeder Wechsel zwischen den Sprechern sorgt dafür, dass der Zuhörer sich wieder neu orientieren und sich auf einen anderen Rhythmus einstellen muss, was ein Versinken in der Geschichte verhindert.

Fazit:

Bei Jodi Picoults Roman "19 Minuten" kann der Leser aufgrund der erschreckenden Thematik eines Schulmassakers und der Faszination, die die verschiedenen Perspektiven auslösen, über den Mangel an Tiefgang hinwegsehen. Die Hörbuchversion hingegen scheint diese Schwächen durch die Wahl der verschiedenen Sprecher nur noch zu betonen. Die unterschiedliche Qualität des Vortrags macht es dem Hörer schwer, mit den einzelnen Charakteren mitzufühlen, stattdessen wird man immer wieder aus der Handlung gerissen.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
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