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Antrag auf ständige Ausreise (Hörbuch)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Humor
Geschrieben von Heike Bellas   
Freitag, 26. September 2008

Antrag auf ständige Ausreise

Gelesen von: Dieter Hildebrandt
Art der Lesung: gekürzt
Medienanzahl: 1 CD

Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-89903-625-1
Preis: 12,95 EUR
Inhalt
7.0
Sprecher
10.0
Bearbeitung
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.2

Wertung:
8.2
von 10
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Zum Inhalt:

Wer hätte das gedacht: Selbst Erich Honecker zog es offensichtlich ins Ausland! Doch sein Antrag auf ständige Ausreise wurde von den Behörden einer solchen Geheimhaltung unterworfen, dass es nie zu einer Beantwortung seines Anliegens gekommen sein soll. Die Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik steckt voller unglaubwürdiger Geschichten - die unerhörtesten davon versammelt der gebürtige Leipziger Jakob Hein: Da ist zum Beispiel von dem brisanten Jamaika-Plan des Politbüros die Rede, der vorsah, zwecks Volksberuhigung ein gesteuertes Drogen-Programm zu realisieren. Jakob Heins ganz persönliche Mythen der DDR sind so frech und so komisch, dass nur Dieter Hildebrandt sie vortragen kann.

Meinung:

Jakob Hein wurde 1971 in Leipzig geboren und zog 1972 nach Berlin, wo er immer noch lebt. Er studierte Medizin in Berlin, Wien, Stockholm und Boston, um Kinderpsychologe zu werden. Nebenbei folgt er dem Beispiel seines Vaters - Christoph Hein - und widmet sich der Schriftstellerei. Aufgrund seines Lebens in der DDR verwundert es nicht, dass zwischen seinen Romanen wie "Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht" (September 2008) und "Herr Jensen steigt aus" (Dezember 2007) auch Romane und Geschichten auftauchen, die in seinem jetzt nicht mehr existenten "Heimatland" spielen, zum Beispiel "Mein erstes T-Shirt" (März 2006).

Über die DDR sagt Hein Folgendes: "[Bei meinen Reisen] sehe ich dann auch, dass so eine DDR jetzt wieder neu entstanden ist, die es niemals gegeben hat. So eine DDR, in der alle gerne Trabbi fuhren, so eine DDR mit Pioniergeburtstagen, mit so einem ganz heilen Bild." Um diesem Trend entgegenzuwirken, wollte er Geschichten erfinden, die so überspitzt und satirisch sind, dass sie von dem heilen Bild der DDR nicht mehr viel übrig lassen.

So handelt es sich bei den 19 Geschichten (die für das Hörbuch auf 14 reduziert wurden) durchwegs um von Hein erfundene Geschichten, die aber so gut recherchiert sind, dass sie wohl genug Menschen für echt halten, wenn man sie nicht über die Wahrheit aufklärt. Insgeheim hofft Hein sogar darauf, dass seine Geschichten als moderne Mythen weitererzählt werden. Dabei gelingt es Hein auch, den Leser zum Schmunzeln und Kopfschütteln zu bringen und man muss sich wiederholt ins Gedächtnis rufen, dass es sich wirklich um Fiktion handelt und nicht um wirkliche Tatsachen.

Zum Beispiel ist da der schon erwähnte Jamaika-Plan, der vorsah, in Ergänzung zu Tabak und Alkohol - die knapp zu werden drohten - den in der DDR und den Bruderstaaten reichlich wachsenden Cannabis zu verkaufen. Außerdem wollte man damit die Jugend auf seine Seite ziehen. So glaubwürdig wirkt diese Geschichte in all ihrer Absurdheit (welcher Staat setzt schon seine Bewohner unter Drogen) deswegen, weil die DDR-Regierung ja wirklich um die Ausreise oder vielmehr Flucht ihrer Bewohner bangen musste und man sich gut vorstellen kann, dass sie zu extremen Mitteln greifen würde, um ihr Volk bei der Stange zu halten.

Mit Flucht beschäftigt sich auch die Geschichte um den Abschnitt der Mauer, der aus "statischen Gründen" durch eine Rollwand ersetzt wurde, die jeden Tag für 45 Minuten zur Seite gerollt wurde und damit mehreren Flüchtlingen inklusive dem Gefreiten, der auf die statischen Probleme hingewiesen hatte, einen Weg in den Westen öffnete. Auch diesmal macht der Ideenreichtum die Geschichte glaubhaft, da viele Flüchtlinge auf verrückte Weise in den Westen gelangten.

Vorgelesen werden Jakob Heins Geschichten (von denen jede einen eigenen Track mit rund drei bis acht Minuten Spielzeit einnimmt) von Kabarettist und Autor Dieter Hildebrandt. Hildebrandt eignet sich perfekt dazu, die unglaublichen Geschichten aus der DDR zum Besten zu geben. Er hat eine angenehme und ruhige Stimme, in der trotzdem immer ein leichtes Augenzwinkern mitschwingt. Der Zuhörer kann sich fast vorstellen, wie Hildebrandt vor dem Mikrophon sitzt und durchwegs lächelt oder sich ein winziges Lachen verkneift. Ein wenig erinnert das Hörbuch daran, wie ein humorvoller jung gebliebener Großvater seinen Enkeln Geschichten aus seiner eigenen Vergangenheit erzählt, um sie zu amüsieren. Man merkt Hildebrandt die Erfahrung mit Hörbüchern an.

Fazit:

"Antrag auf ständige Ausreise und andere Mythen der DDR" ist ein sehr humorvolles Hörbuch, das sich auch gut in Abschnitten hören lässt, weil es sich um einzelne Erzählungen handelt. Hildebrandt ist dabei eine gute Wahl als Sprecher, weil man ihm anmerkt, dass ihm der Schalk im Nacken sitzt. So hört man sich die von Jakob Hein erfundenen Mythen aus der DDR gerne an und wundert sich über Ideen wie den Jamaika-Plan, der die Bewohner der DDR unter Drogen setzen möchte. Ein kleiner Geheimtipp für Geschichtslehrer.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
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