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Necronomicon (Hörbuch)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Horror
Geschrieben von Manuel Tants   
Montag, 24. August 2009

Necronomicon

Gelesen von: David Nathan
Art der Lesung: ungekürzt
Medienanzahl: 4

8. Teil der Reihe

Label: LPL records
Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-7857-3692-0
Preis: 25,95 EUR
Inhalt
7.0
Sprecher
9.0
Bearbeitung
9.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
7.8

Wertung:
7.8
von 10
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Zum Inhalt:

Das verbotene Buch "Necronomicon" ist die älteste und erschreckendste Erfindung, die Lovecraft mit seinem Cthulhu-Mythos hervorgebracht hat. Es öffnet mit seiner dunklen Magie den Weg in eine fremde und unmenschliche Welt. Sechs Kurzgeschichten berichten von unheiligen Ritualen, von schaurigen Erlebnissen in halb verschütteten Wüstenruinen, von uralten Familienflüchen und von Häusern, deren Bewohner allesamt eine überraschend kurze Lebenserwartung haben.

Meinung:

Nachdem die siebte Ausgabe der Hörbucher aus "H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens" mit "Berge des Wahnsinns" den zweitlängsten Text aus der Feder des Horror-Schriftstellers komplett umgesetzt hatte, folgt Teil 8 einem anderen Ansatz: "Necronomicon" vereint auf vier CDs mit insgesamt rund fünf Stunden Laufzeit eine Reihe kürzerer Erzählungen von Howard Phillips Lovecraft, zwischen denen kein besonders enger Zusammenhang besteht - nicht einmal das okkulte Buch, das dieser Audio-Anthologie seinen Namen lieh, spielt in jeder der Geschichten eine Rolle. Die Texte stammen zudem allesamt aus unterschiedlichen Schaffensphasen des Autors. Somit ist immerhin ein gewisser Abwechslungsreichtum gewährleistet.

Den Auftakt macht "Das Fest": Der Ich-Erzähler folgt der Weihnachts-Einladung von entfernten Verwandten, ohne zu ahnen, dass das schweigsame Volk keine christlichen Traditionen im Sinn hat, sondern stattdessen ein uraltes, fremdartiges Ritual begehen will, das den Protagonisten direkt in den Wahnsinn führt. "Stadt ohne Namen" berichtet dann von einem Entdecker, der in der arabischen Wüste auf sagenumwobene Ruinen stößt. In den Tiefen der halb vom Sand verschütteten Tempelanlagen finden sich Hinweise auf eine längst untergegangene Zivilisation, die bizarre Reptilienwesen angebetet zu haben scheint. Doch warum ging die Verehrung der seltsamen Gottheiten so weit, dass die Menschen die Bauwerke der Stadt sogar an die Proportionen der fremdartigen Kreaturen angepasst haben?

Die zweite CD beginnt mit der sehr kurzen Erzählung "Die Katzen von Ulthar", die eigentlich Teil des eher in den Fantasy-Bereich gehörigen Randolph-Carter-Zyklus ist und damit keinen direkten Bezug zum "Necronomicon" aufweist. Aufgrund ihres geringen Umfangs kann sie auch keine großen Überraschungen bieten. Es folgt "Der Alchemist", einer der ersten Texte, die Lovecraft jemals verfasst hat. Aufgrund der frühen Entstehungszeit sind auch hier keinerlei Bezüge zum Cthulhu-Mythos vorhanden. Vielmehr handelt es sich um eine klassische Grusel-Geschichte, in der eine französische Adelsfamilie von einem jahrhundertealten Fluch heimgesucht wird.

Nach einer kurzen, pseudowissenschaftlichen Abhandlung über die Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte des (natürlich fiktiven) Buchs, das dieser Anthologie den Namen lieh, bietet das Hörbuch zum Abschluss noch zwei etwas längere Werke. "Das gemiedene Haus" erzählt von einem Gebäude, das im Laufe der Jahrhunderte zu einem äußerst ungesunden Aufenthaltsort geworden ist. Das liegt allerdings nicht an baulichen Mängeln und daraus resultierendem Schimmelbefall (auch wenn die Symptome der Opfer mitunter ähnlich wirken), sondern an einer schrecklichen, kaum greifbaren Kreatur, die sich seit langer Zeit im Keller des Hauses verbirgt.

Den Abschluss bildet dann "Gefangen bei den Pharaonen", eine Geschichte, die H.P. Lovecraft als Ghostwriter für Harry Houdini schrieb. Bei einem Ägypten-Urlaub wird der weltbekannte Entfesselungskünstler von einigen einheimischen Ganoven, die an seinen Fähigkeiten zweifeln, einer ganz besonders schwierigen Prüfung unterzogen. Lovecraft hat es sich allerdings nicht nehmen lassen, den Bühnenmagier dabei mit einigen furchtbaren Situationen zu konfrontieren, die ihn an seiner geistigen Gesundheit zweifeln lassen.

Unter den hier versammelten Geschichten ist vor allem "Das gemiedene Haus" hervorzuheben. Denn dieser Text weist mit der ausführlichen Beschreibung des über die Jahrzehnte zunehmend grausiger werdenden Schicksals aller Personen, die jemals in dem Bauwerk gelebt haben, das für den Autor typische Element des "kumulativen Horrors" auf, der sich gemächlich, dafür aber umso intensiver steigert. Jedoch gibt es durchaus einen Grund dafür, dass viele der vertonten Werke nicht zu Lovecrafts bekanntesten Veröffentlichungen gezählt werden, denn so manche Episode fällt doch eher in die Kategorie "ganz nett, aber nicht weltbewegend". Und gerade Hörer, die sich vom Titel "Necronomicon" angezogen fühlten, könnten ein wenig enttäuscht darüber sein, dass nur zwei der Storys (sowie die sehr kurze, pseudohistorische Abhandlung) überhaupt etwas mit dem berüchtigten Buch des "verrückten Arabers" Abdul Alhazred zu tun haben.

Der intensive Vortrag von David Nathan rettet jedoch auch die weniger herausragenden Geschichten davor, in die Bedeutungslosigkeit abzusinken. Dem Stammsprecher der "Bibliothek des Schreckens"-Reihe gelingt es, die gemächlich aufgebauten, mitunter spröde wirkenden und in bewusst geschraubtem Stil verfassten Werke Lovecrafts spannend vorzutragen und somit die Aufmerksamkeit des Lesers permanent zu fesseln. Wie man es von den Produktionen des Labels LPL records gewohnt ist, unterstreichen die subtilen, aber ausgesprochen stimmungsvoll eingesetzten Musikstücke und Soundeffekte von Andy Matern die Gruselstimmung auf gekonnte Weise.

Fazit:

Dass die auf "Necronomicon" vertretenen Texte eher zu den unbekannteren Titeln aus H.P. Lovecrafts Schaffen zählen, ist an sich noch kein Nachteil - es gibt genügend verborgene Juwelen unter den zahlreichen Kurzgeschichten des Autors aus Providence, die eine Hörbuch-Umsetzung wert wären. Nicht jedes der hier versammelten Werke gehört jedoch in diese Kategorie, denn es wurden auch einige eher durchschnittliche Geschichten vertont, und gerade für Lovecraft-Einsteiger dürften bei dieser Zusammenstellung die zugkräftigen Namen fehlen. Durch die hervorragende Arbeit des Sprechers David Nathan und die atmosphärische Musikuntermalung entfalten die vorliegenden Texte ihre schaurige Wirkung dennoch auf eindrucksvolle Weise, sodass Lovecraft-Fans, die die Qualität der enthaltenen Episoden einschätzen können, sich auf angenehm düstere Stunden freuen dürfen, die von der gemächlichen und wunderbar altmodischen Erzählweise des Autors geprägt sind.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
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