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Der Fall Charles Dexter Ward (Hörspiel)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Horror
Geschrieben von Manuel Tants   
Samstag, 17. Mai 2008

Der Fall Charles Dexter Ward

Originaltitel: The Case of Charles Dexter Ward
Art der Lesung: Hörspiel
Medienanzahl: 2 CDs

24./25. Teil der Reihe

Erschienen: April 2008
ISBN: 978-3-7857-3550-3
Preis: 15,95 EUR
Inhalt
6.0
Sprecher
8.0
Bearbeitung
4.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
6.4

Wertung:
6.4
von 10
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Zum Inhalt:

Providence, Rhode Island, 1928: Aus einer privaten Irrenanstalt verschwindet der junge Charles Dexter Ward, Spross einer angesehenen Familie. Dr. Marinus B. Willet, der behandelnde Hausarzt, blickt zurück auf den Furcht einflößenden Fall, der Charles dem Wahnsinn nahe brachte. Besessen beschäftigte er sich mit dem Leben und Wirken eines Urahnen, der einst aus dem berüchtigten Salem vor der Hexenverfolgung floh - und ihm offenbar überraschend ähnelte.

Meinung:

"Der Fall Charles Dexter Ward" ist eine der längsten Erzählungen, die H.P. Lovecraft geschrieben hat. Nach der Hörspiel-Bearbeitung durch das Label Titania Medien passt der Text jedoch auf gerade einmal zwei CDs mit insgesamt knapp 140 Minuten Spielzeit. Daran lässt sich bereits erkennen, dass die Geschichte drastisch gekürzt und umgeschrieben wurde. Diese Anpassung war um der Dramaturgie willen zweifellos erforderlich, denn der ambitionierte Kurzroman präsentiert sich oberflächlich betrachtet streckenweise als recht ereignisarmer Bericht über Vorgänge, die zum Teil bis ins 17. Jahrhundert zurückgehen, sich dabei aber zu einem immer erschreckenderen Szenario aufaddieren. Dennoch hätte man einige der Eingriffe sicher optimaler lösen können.

Drehbuchautor Marc Gruppe hat Dr. Marinus B. Willet, den Hausarzt der Familie Ward, zum Ich-Erzähler gemacht. Das ist im Grunde kein ungeschickter Schachzug, zumal er auch im Roman die treibende Kraft bei der Aufdeckung der schrecklichen Geheimnisse um Charles ist. Doch leider ließ sich auch durch diesen Kniff nicht vermeiden, dass weite Teile der ersten CD von einem Vortrag der Eheleute Ward eingenommen werden. In diesem etwas beschaulich wirkenden Plausch berichten sie dem Arzt zwar besorgt, aber dennoch erstaunlich gelassen von ihrem mit unheiligen Umtrieben in Verbindung stehenden Ahnen Joseph Curwen und dem enthusiastischen Interesse ihres Sohnes Charles an diesem Mann. Diese lange Passage ist einerseits atmosphärisch weit weniger dicht, als es für ein Grusel-Hörspiel notwendig wäre, und lässt andererseits viele Details aus, die Bezüge zum für Lovecrafts Erzählungen so markanten "kosmischen Horror" herstellen.

Auch andere Eingriffe in den sorgfältig konstruierten Spannungsbogen des ursprünglichen Romans wirken im Endeffekt kontraproduktiv: So soll die Eröffnungsszene des Hörspiels, die im Buch erst deutlich später erzählt wird, wohl einen besonders atmosphärischen Einstieg bieten. Sie ist als Auftakt aber völlig ungeeignet, da sie an dieser Stelle eigentlich schon ein wenig zu viel verrät und gleichzeitig - um nicht noch mehr Details zu enthüllen - viele wahrhaft grausige Elemente unterschlagen muss, wodurch sie viel Horror-Potenzial einbüßt. Zudem wäre sie an ihrer ursprünglichen Position, nämlich im oben bereits bemängelten "Lagebericht" der Eltern, als Auflockerung vermutlich dringender nötig gewesen.

Bei vielen der neu verfassten Dialoge fällt zudem unangenehm auf, dass sich der Sprachstil deutlich von Lovecrafts leicht gestelzter und ein wenig altertümlicher Ausdrucksweise abhebt. Einige der Gespräche wirken doch arg modern und passen somit nicht in die Zeit und Gesellschaftsschicht, in der die Handlung angesiedelt ist. Trotz dieser Mängel gelingt es dem Hörspiel, auf der deutlich "actionlastigeren" zweiten CD einige recht spannungsgeladene Momente zu erschaffen. Die geraffte Darbietung führt allerdings auch dazu, dass der Hörer deutlich früher als die Protagonisten ahnt, welche dunklen Pläne der Schurke verfolgt. Das lässt sich jedoch immer noch dadurch begründen, dass die übrigen Figuren einfach nicht wahrhaben wollen, welch grauenhafte Vorgänge hinter dem seltsamen Verhalten des Charles Dexter Ward stecken.

Bei aller Kritik am Drehbuch verdienen die Sprecher hingegen durchaus Lob: Vor allem Ernst Meincke (bekannt als deutsche Stimme von Patrick Stewart bzw. als "Bakerman" aus den Gabriel-Burns-Hörspielen) überzeugt als Dr. Willet, sodass es eine sehr gute Entscheidung war, ihm die größte Rolle zuzuteilen. Auch Frank Schaff, der sonst z.B. Ethan Hawke seine Stimme leiht, gelingt es hervorragend, die Doppelrolle von Charles Dexter Ward und Joseph Curwen zu verkörpern und beide Figuren dabei jederzeit unterscheidbar zu halten. Die übrigen Rollen sind ebenfalls mit Synchronsprechern prominenter Film- und TV-Mimen besetzt und können den hohen Standard der beiden eben genannten Akteure weitgehend halten.

Die Musikuntermalung erinnert an Horrorfilme der 60er Jahre, was in gewisser Weise durchaus passt, mitunter aber etwas gewollt dramatisch wirkt. Auch die Soundeffekte sind oft zu viel des Guten: Permanent heult im Hintergrund der Wind oder es prasselt unablässig und aufdringlich das Kaminfeuer. Das kann in einigen Situationen so weit führen, dass der Hörer durch die penetrante Geräuschkulisse beinahe völlig von den Dialogen abgelenkt wird.

Fazit:

Es ist keine leichte Aufgabe, H.P. Lovecrafts Roman "Der Fall Charles Dexter Ward" zu einem Hörspiel zu machen, das sowohl spannend ist als auch den etwas spröden Charme des Originals nicht verliert. Das Label Titania Medien liefert in seiner "Gruselkabinett"-Reihe eine leider nur bedingt empfehlenswerte Fassung der Geschichte ab. Zwar agieren die Sprecher durchweg überzeugend, doch das Drehbuch hat beim Versuch, den sperrigen Text zugänglicher zu machen, nicht immer den richtigen Weg eingeschlagen. Dennoch kann die schwache Bearbeitung die schaurig-spannende Originalgeschichte nicht vollends ruinieren - und gerade CD 2 ist deutlich fesselnder geraten als die von Längen geplagte erste Disc. Geduldige Grusel-Fans, denen es vor allem auf eine gute Leistung der Sprecher ankommt, könnten mit diesem Hörspiel daher am Ende doch noch auf ihre Kosten kommen.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
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